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Ludwig Prandtl: "Vater der modernen Aerodynamik"



Ludwig Prandtl gilt heute als einer der maßgeblichen Gründerväter der institutionalisierten Luftfahrtforschung. Mit der Gründung der Modellversuchsanstalt für Aerodynamik der Motorluftschiff-Studiengesellschaft, der späteren Aerodynamischen Versuchsanstalt, AVA, einer Vorgängergesellschaft des heutigen Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), hat er 1907 in Göttingen den Grundstein für die moderne Strömungsforschung in der Luft- und Raumfahrt gelegt. Er gilt als "Vater der Aerodynamik" und Begründer der modernen Strömungslehre. Weggenossen beschreiben ihn als "einen außerordentlichen Gelehrten, einen erfolgreichen Lehrer und  gütigen Menschen".

 Ludwig Prandtl
zum Bild Ludwig Prandtl

Ludwig Prandtl wurde am 4.2.1875 in Freising geboren, wirkte nach seinem Ingenieurstudium als Assistent bei August Föppl in München und promovierte 1900 an der Münchener Universität zum Dr. phil. Er arbeitete nach seiner Professur für Mechanik an der TH Hannover und lebte ab 1904 bis zu seinem Tode  am 15.8.1953 in Göttingen. 1904 wurde Ludwig Prandtl an die Universität Göttingen berufen. Von 1904 bis 1947 war er als Professor für technische Physik und ab 1907 als Professor für angewandte Mechanik in Göttingen tätig. 1909 erhielt Ludwig Prandtl als Erster in Deutschland einen Lehrauftrag für Luftfahrt.

Die Flugbegeisterung wuchs schnell in den ersten Jahren des letzten Jahrhunderts. Dieses führte im Jahr 1907 zur Gründung der Modellversuchsanstalt der Motorluftschiff-Studiengesellschaft, M.St.G., der späteren Aerodynamischen Versuchsanstalt, AVA, die Ludwig Prandtl in den Jahren von 1907 bis 1937 leitete. Von 1938 bis 1945 hatte Ludwig Prandtl den Vorsitz des Vorstandes der AVA inne.

Der erste Windkanal  entstand 1908 in der Hildebrandstraße in Göttingen, in dem die ersten Versuche an Modellen für die Luftfahrt unternommen wurden. Bereits 1917 konnte der Messbetrieb in einem neu erbauten und größeren Windkanal zur Untersuchung von Luftfahrzeugen auf dem Gelände in der Böttingerstraße in Göttingen in Betrieb gehen. Dieser erste Windkanal wurde unter der Bezeichnung "Göttinger Bauart" weltweit, besonders in den USA, bekannt. Prandtls Wunsch nach Gründung eines neuen Kaiser-Wilhelm-Instituts für Hydrodynamik wurde entsprochen und damit fiel die Entscheidung für Göttingen als Prandtls zukünftige Wirkungsstätte. Das 1925 eingeweihte Kaiser-Wilhelm-Instituts für Strömungsforschung, das heute als Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation weiter besteht, leitete er von 1925 bis 1947 in politisch und wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten.

 Die Modellversuchsanstalt für Aerodynamik
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1912 wurde Ludwig Prandtl Gründungsmitglied und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt in Berlin, 1914 Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Im Jahr 1922 wurde er Gründungsmitglied und Vorsitzender der Gesellschaft für angewandte Mathematik und Mechanik (GAMM), deren Vorsitzender er bis 1950 war.

Ludwig Prandtl war nicht nur Forscher und Lehrer, er war gleichzeitig Wissenschaftsmanager und Politikberater. Er konzipierte den Aufbau der "Modellversuchsanstalt", der Aerodynamischen Versuchsanstalt und das Kaiser-Wilhelm-Instituts und er war Berater des Reichsverkehrsministeriums in Fragen der  Förderung der Luftfahrtforschung. Dieses führte zu seiner Mitgliedschaft im Vorstand der neu gegründeten Lilienthal-Gesellschaft für Luftfahrtforschung von 1936 bis 1945.

Ihm wurde die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschulen Danzig, Zürich, Prag, Trondheim, Bukarest und Istanbul verliehen. Ludwig Prandtl war Träger des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1947 wurde Ludwig Prandtl an der Universität Göttingen emeritiert.

Die Forschungsthemen Ludwig Prandtls und seiner Doktoranden sind folgenden Bereichen zuzuordnen:

  • Elastizität, Plastizität, Rheologie
  • Grenzschicht und Widerstand
  • Turbulenz und Wirbelbildung
  • Gasdynamik
  • Tragflügel
  • Modellversuchswesen
  • Meteorologie

Insgesamt hat Ludwig Prandtl 85 Dissertationen betreut. Hier seien vor allem Jakob Ackeret, Adolf Busemann, Theodore von Kármán, Oskar Tietjens, Walter Tollmien und Hermann Schlichting mit ihren bekannten Arbeiten zur Grenzschicht und Turbulenz erwähnt, die sich später alle noch einen herausragenden Ruf als Luftfahrtwissenschaftler erwerben sollten.

 Luftschiff im Windkanal
zum Bild Luftschiff im Windkanal

Ludwig Prandtl zeichnete sich durch eine sehr anschauliche Denkweise aus, die ihn befähigte, erhebliche mathematische Schwierigkeiten zu überwinden. Er unternahm Grenzschichtuntersuchungen im wandnahen Bereich von Tragflächen und bestätigte seine theoretischen Aussagen immer durch Windkanalexperimente. Bahn brechend waren seine Arbeiten zur Tragflügeltheorie, da jetzt erstmals Aussagen über die Wirkung der Kräfte an Flügeln getroffen werden konnten. Aber auch auf dem Gebiet der Untersuchung kompressiblen Strömung war Ludwig Prandtl erfolgreich. In Göttingen entwickelte er nicht nur Windkanäle niederer Geschwindigkeiten sondern auch der erste Überschall-Windkanal in Deutschland wurde unter seiner Anleitung gebaut.

Ludwig Prandtl verfügte über eine großen Schatz von Ideen und Plänen und stand seinen Mitarbeitern und Schülern stets bei mathematischen oder experimentellen Schwierigkeiten als geduldiger Lehrer zur Seite. Sein Forscherdrang, seine Freude an neuen Herausforderungen und vor Allem seine Arbeitsmethodik haben seine zahlreichen Schüler aus dem In- und Ausland geprägt. Viele haben als neue Kristallisationspunkte der prandtlschen Schule gewirkt und seine Ideen an ihre Schüler weitergegeben.

 


 


Erstellt am: 09.02.2007 13:20:00 Uhr