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Einige Gramm echter Mondstaub



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Einige Gramm echter Mondstaub
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"Bringt mir eine Hand voll Mondstaub, und ich erkläre Euch, wie die Welt entstanden ist!" Das behauptete Nobelpreisträger Harold Urey, bevor der Mensch den Mond betreten hatte. Tatsächlich veränderte die Analyse der Gesteinstrümmer und Staubhäufchen, die zwischen 1969 und 1976 vom Mond zur Erde gebracht wurden, unser Bild von der Entstehung der planetaren Körper im inneren Sonnensystem.

Insgesamt wurden auf dem Mond knapp 400 Kilogramm Proben eingesammelt und auf der Erde analysiert. Aber nicht nur die Amerikaner, sondern auch die russischen Mondmissionen der ehemaligen Sowjetunion brachten Mondstaub auf die Erde - vollautomatisch. Dreimal war die UdSSR erfolgreich, und die insgesamt 326 Gramm Mondstaub sind, wie die Apollo-Proben, für die Wissenschaft enorm wertvoll. Luna 24 war die bisher letzte Planetenmission, die Mondgestein barg. Die Rückführkapsel landete mit 170 Gramm Mondstaub am 22. August 1976 in Sibirien. Ein Teil der Probe wurde von der Russischen Akademie der Wissenschaften zur Analyse an das ehemalige Institut für Kosmosforschung in Ostberlin gegeben, dem heutigen DLR-Institut für Planetenforschung.

Die winzige Probe stammt aus dem Mare Crisium im Nordosten der Mondvorderseite und wurde einem 2,25 Meter langen Bohrkern der Sonde Luna 24 entnommen. Unter dem Mikroskop erkennt man neben Gesteins- und Mineralkörnchen auch kleine Glasfragmente, unregelmäßig geformte, abgeschreckte Einschlagsschmelzen und Partikeln, die aus allen drei Teilchentypen zusammengesetzt sind. Die Zusammensetzung ist irdischem Basalt ähnlich, einem häufigen Vulkangestein. Die Fragmente sind 3,7 Milliarden Jahre alt, zum Teil sogar noch älter. Harold Urey musste bald anerkennen, dass der Mond anders entstanden ist, als er gedacht hatte. Nicht "kalt", als Ergebnis der Zusammenballung von Gesteinsfragmenten und Staub, sondern "heiß" und als "Kind der Erde", aus einer kondensierenden Glutwolke von verdampften Bestandteilen des Erdmantels, die bei einer kosmischen Kollision ins All geschleudert wurde.

Bild: DLR.