„Und noch einmal bitte!“ – Geduldig steht Michaela Herr im Werkstattraum des Niedergeschwindigkeit-Windkanals in Braunschweig. Sie blinzelt in die erwartungsvoll auf sie gerichtete Kamera. Vor ihr ragt das LNA-Modell in den Raum – vom schummrigen Scheinwerferlicht in einen ungewohnten Glanz getaucht. Beinah schützend hält Michaela Herr die Hände um das mittlerweile zu weltweiter Bekanntheit gelangte Flugzeugmodell des Instituts für Aerodynamik und Strömungstechnik. Noch einmal tief durchatmen, dann setzt die Wissenschaftlerin aus der Abteilung Technische Akustik erneut an, um den imaginierten Fernsehzuschauern zu erklären, was es mit den futuristisch wirkenden Triebwerken und Flügelspitzen auf sich hat.
Dem Kamerateam vom WDR, das an diesem Morgen angereist ist, liegt das „besonders leise Flugzeug“ der Zukunft sehr am Herzen, jede Einstellung muss stimmen. Denn schließlich soll es in der „Quarks & Co“-Sendung, für die heute eifrig Filmmaterial auf dem Braunschweiger DLR-Gelände gesammelt wird, um das Thema „Lärm“ gehen. Am 5. März ist Sendetermin, dann wird Moderator Ranga Yogeshwar erklären, dass jeder dritte Deutsche sich von Fluglärm gestört fühlt. Und wie das DLR versucht, herauszufinden, wie man Flugzeuge leiser machen kann. Dafür ganz besonders wichtig: Die Forschungsarbeiten des Instituts für Antriebstechnik in Berlin – und des Instituts für Aerodynamik und Strömungstechnik in Braunschweig.
Nachdem Michaela Herr den ersten wichtigen O-Ton geliefert hat, stapfen der Autor und das dreiköpfige Kamerateam des Westdeutschen Rundfunks mit ihrer Ausrüstung durch den Schnee – und sogleich ins Büro
von Roland Ewert. Der soll jetzt an seinem Arbeitsplatz gefilmt werden. Rasch wird noch ein wenig Tüll vor die Scheinwerfer drapiert, und schon wuseln Tontechniker und Kameramann mit ihren Gerätschaften um den Wissenschaftler herum. Der bleibt, trotz des hitzewallenden Lichts, das sein Gesicht für die künftigen WDR-Zuschauer erstrahlen lässt, gelassen. Souverän erklärt er anhand von Computerbildern, welche Möglichkeiten die Wissenschaftler entwickelt haben, um mittels Simulationen am Rechner komplexe Tests durchzuführen. Doch virtueller Windkanal hin oder her, in den
„echten“ Windkanal würden die Filmer ja auch gern. Die WDRler filmen im Akustischen Windkanal Braunschweig des DLR. Etwas zur „Druckausgleichsöffnung“ am Flügel soll Michael Pott-Pollenske vor dem fil
misch eindrucksvollen Hintergrund erklären. Die akustischen Verhältnisse im Kanal entlocken dem Tontechniker so manch schwärmerischen Beitrag bevor die wissenschaftlichen Erklärungen über den „echt nervigen Pfeifton“ am Flugzeugflügel zur Zufriedenheit aller mit der Kamera einfangen sind.
Nach knapp vier Stunden neigt sich der Besuch im Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik für das Fernsehteam dem Ende zu. Doch eins gilt es natürlich noch zu beschaffen: ein paar wirkungsvolle Bilder vom DLR-Forschungsflieger ATRA. Um die „Golfklasse“ unter den Verkehrsflugzeugen für eine schöne Umrahmung der „Quarks & Co“-Sendung in digitalen Bildern zu bannen, fahren die Besucher sogar einen Kran auf, den sie extra mitgebracht haben. Damit soll die Kamera an den Flügelkanten des A320 entlangschweben.
Auf die Bilder sind die drei Forscher gespannt. Michael Pott-Pollenske sagt zum Schluss: „Mal sehen wie viele Sekunden Filmbeitrag von den Berliner Kollegen und uns das werden.“
Info: Die Aufnahmen sollen voraussichtlich am 5. März 2013 um 21 Uhr bei der „Quarks & Co“- Sendung im WDR zu sehen sein. Die Wiederholung wird in der Regel am darauffolgenden Samstag um 12:05 gezeigt.