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AP 1: Humanspezifische Wirkungen des Nachtfluglärms

Leiser Flugverkehr

Alle Arten von Maßnahmen zur Fluglärmminderung können nur dann zielgerichtet entwickelt und effizient eingesetzt werden, wenn sie die physiologischen und psychologischen Wirkungen von Fluglärm auf die im Flughafenumfeld lebenden Menschen berücksichtigen. Hierzu ist eine umfassende Kenntnis der Zusammenhänge zwischen physikalisch meßbaren Größen und der subjektiv empfundenen Belästigung bzw. der Beeinträchtigung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit erforderlich. Mit steigenden Flugbewegungszahlen treten vermehrt kapazitive Engpässe am Tag auf, was Verkehrsverlagerungen in die Tagesrandzeiten und die Nacht nach sich zieht. Gleichzeitig hat der nächtliche Frachtflugbetrieb - der im Durchschnitt mit weniger modernem Gerät abgewickelt wird - in den letzten Jahren überdurchschnittliche Steigerungsraten erfahren.
Nachtfluglärm stellt daher ein drängendes Problem dar, vor allem in Anbetracht der wohnortnahen Lage der meisten deutschen Verkehrsflughäfen. Die wenigen aktuellen Primärstudien zu den Wirkungen des Nachtfluglärms kommen jedoch zu teilweise widersprüchlichen Aussagen. Außerdem lassen sie in der Methodik, in der Durchführung und in der Auswertung deutliche Defizite erkennen. Dies trifft dementsprechend auch auf die auf den Untersuchungsergebnissen basierenden Schlußfolgerungen zu.

Ziel des Arbeitspaketes 1 ist deshalb die Definition eines wissenschaftlich fundierten Nachtfluglärmkriteriums. Dieses soll zum einen zur Objektivierung humanspezifischer Reaktionen - und damit zu einer Versachlichung der Diskussionen zum Thema Nachtfluglärm - beitragen. Zum anderen soll es aber auch als Grundlage und Orientierungshilfe für Fluglärmminderungsmaßnahmen jeglicher Art dienen. Zur Erreichung dieses Ziels werden repräsentative Labor- und Feldstudien mit insgesamt mehr als 2500 Probandennächten durchgeführt. Studien in diesem Umfang - die für eine sinnvolle Definition eines Nachtfluglärmkriteriums notwendig sind - liegen derzeit nicht vor.

 Es werden zunächst 4 Laborstudien unter kontrollierten, aber realitätsnahen Bedingungen durchgeführt. Basierend auf deren Ergebnissen sollen zunächst die wesentlichen Grundlagen zur Definition eines Bewertungskriteriums für Nachtfluglärm herausgearbeitet werden. Dieses Kriterium soll anschließend in einer entsprechend umfangreichen Feldstudie in der Umgebung eines Flughafens mit erheblichem Nachtflugverkehr validiert werden.
Als Untersuchungszeitraum sind jeweils 13 aufeinanderfolgende Nächte vorgesehen. Die Probanden werden in einem mehrstufigen Verfahren ausgewählt und im Ablauf der Studie wechselnden Maximalpegel-Häufigkeitsverteilungen mit unterschiedlichen zeitlichen Mustern ausgesetzt. Um eine bestmögliche Beschreibung dieser Stimuli sicherzustellen, werden die digital aufgezeichneten Fluggeräusche einer umfassenden akustischen und psychoakustischen Analyse unterzogen. Während der gesamten Nachtzeit werden physiologische Reaktionen - z.B. EEG, EKG oder Atmung - erfaßt, protokolliert und gespeichert. Zusätzlich werden auch physikalische Parameter - wie etwa Schallpegelverlauf - und die Aktivität der Probanden aufgezeichnet. Darüber hinaus werden aus dem nächtlichen Sammelurin hormonelle Streßindikatoren wie Adrenalin oder Kortisol bestimmt. Morgens und abends werden von den Probanden computergestützte Leistungstests absolviert. Als wesentliches Instrumentarium kommt hier die vielfach validierte AGARD STRES-Batterie zum Einsatz. Schließlich dienen standardisierte Fragebögen zur Beurteilung des subjektiven Schlaferlebens und der Beanspruchung während des Tages. Sie enthalten Fragen zum allgemeinen Lebensumfeld, zur Umwelteinstellung, zum Fluglärm oder zur Schlafqualität.

Die Auswertung der Laborstudien soll letztlich zur Definition einer Dosis-Wirkungs-Beziehung führen. In einer solchen werden diejenigen physiologischen, psychologischen, physikalischen Untersuchungsparameter identifiziert, die sich bestmöglich zur Beschreibung der subjektiven und objektiven Wirkungen von Nachtfluglärm eignen. Auf diesen Parametern aufbauend soll dann ein Kriterium zur Bewertung nächtlicher Fluglärmwirkungen definiert werden. Die erste der vier Laborstudien, die im Herbst 1999 stattgefunden hat und an der die ersten 32 Versuchspersonen beteiligt waren, wird derzeit ausgewertet.


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