Raumfahrt | 04. Oktober 2016 | von Elisabeth Mittelbach

Ariane 5 bringt zwei Satelliten und ein ESA-Experiment ins All

Die Ariane 5 auf dem Weg vom Integrationsgebäude in das "Final Assembly Building"
Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - G BARBASTE
Die Ariane 5 auf dem Weg vom Integrationsgebäude in das "Final Assembly Building". Dort werden die Satelliten mit der Nutzlastverkleidung auf der Rakete montiert.

+++ UPDATE +++
Der Ariane-Start gestern Abend war erfolgreich und ist damit der 74. erfolgreiche Start einer Ariane 5 in Folge. Der ursprünglich für den 4. Oktober geplante Start musste wegen starker Höhenwinde um 24 Stunden verschoben werden: Aufzeichnung des Starts.

Während wir in Deutschland gestern den Tag der Deutschen Einheit gefeiert haben, wurden in Kourou die letzten Vorbereitungen für einen Ariane-5-Start getroffen. Die Rakete steht inzwischen abflugbereit an ihrem Startplatz in Französisch-Guayana. Der Start wird voraussichtlich um 22:30 Uhr erfolgen und kann unter arianespace.com live verfolgt werden. Dies wird der fünfte Start einer Ariane 5 in diesem Jahr sein. An Bord befinden sich zwei Telekommunikationssatelliten und ein besonderes Experiment der ESA.##markend##

Die Hauptmission besteht aus dem Transport von zwei Telekommunikationssatelliten in eine Erdumlaufbahn. Der größere der beiden Passagiere trägt den Namen Sky Muster II. Er wurde von Space Systems/Loral im Auftrag der australischen Regierung gebaut und wiegt beim Start 6,4 Tonnen. Er ist Teil der Breitbandstrategie Australiens und soll insbesondere die weit abgelegenen Gebiete Australiens mit schnellem Internet versorgen. Eine Ariane 5 startete vor fast genau einem Jahr bereits den Satelliten Sky Muster I.

Der zweite Satellit mit dem Namen GSAT-18 wurde im Auftrag der Indischen Regierung von der Indischen Raumfahrtbehörde ISRO gebaut. Er ist, wie die australischen Sky-Muster-Satelliten, Teil der Telekommunikationsstrategie Indiens und wird die Flotte von 14 bereits im All befindlichen indischen Telekommunikationssatelliten ergänzen. Er wird der 20. Satellit sein, den Arianespace für ISRO seit 1981 gestartet haben wird. Der Satellit hat eine Masse von über 3,4 Tonnen und eine prognostizierte Lebenszeit von 15 Jahren.

Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - J JOURRENBERGER
Der Satellit GSAT-18 wird auf den Nutzlastadapter der Ariane-5-Oberstufe zur Montage herabgelassen.

Beim Start entwickelt die knapp 55 Meter hohe und circa 780 Tonnen schwere Ariane 5 einen gewaltigen Schub von 1325 Tonnen. Die zwei seitlichen Feststoffbooster und das Haupttriebwerk Vulcain 2 beschleunigen die Rakete innerhalb von 49 Sekunden auf Schallgeschwindigkeit. Die Rakete befindet sich dann bereits in über sechs Kilometern Höhe. Die Feststoffbooster werden in circa 67 Kilometern Höhe abgeworfen. Zu diesem Zeitpunkt legt die Ariane 5 innerhalb einer Sekunde über zwei Kilometer zurück. Am Ende wird sie dank des mächtigen Vulcain-2-Triebwerks eine Geschwindigkeit von über neun Kilometern pro Sekunde erreichen.

Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - J JOURRENBERGER
Gefährlicher Treibstoff: Das Bild zeigt im Vordergrund eine Tonne mit dem Satellitentreibstoff Hydrazin. Im Hintergrund sieht man den Satelliten Sky Muster II. Alle an der Betankung beteiligten Personen müssen spezielle Schutzanzüge tragen.

Mit an Bord: Ein ESA-Experiment

Neben ihrer Hauptmission wird bei diesem Ariane-5-Start ein ESA-Experiment mit an Bord sein. Das Experiment wird nach dem Absetzen der beiden Satelliten gestartet werden und soll das Verhalten flüssiger, superkalter Treibstoffe in Schwerelosigkeit untersuchen. Zu diesem Zweck wurde die Oberstufe der Rakete mit 65 zusätzlichen Messsensoren für Temperatur, Druck und Tankfüllstand ausgerüstet. Zusätzlich befindet sich ein Kamerasystem an Bord, welches das Verhalten des Treibstoffs im Tank aufzeichnet. Die Daten werden per Telemetrie zur Erde gesendet und dort ausgewertet. Das Experiment trägt zur Entwicklung der zukünftigen Ariane 6 bei. Ariane 6 wird eine wiederzündbare Oberstufe mit dem ursprünglich für die Ariane 5 ME entwickelten Vinci-Triebwerk besitzen. Damit das Triebwerk zuverlässig wiederzünden kann, benötigt es Treibstoff. Hierfür muss sichergestellt werden, dass sich der Treibstoff auch in völliger Schwerelosigkeit am Tankaustritt befindet und nicht irgendwo im Tank "herumschwebt". Dies wird unter anderem durch spezielle Einbauten erreicht, die den Treibstoff quasi festhalten. Zu diesem Zweck ist es aber auch wichtig zu verstehen, wie sich superkalter, flüssiger Treibstoff in der Schwerelosigkeit verhält.

Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - JM Guillon
Fast geschafft: Die Nutzlastverkleidung mit dem darin befindlichen Satelliten Sky Muster II wird über GSAT-18 gestülpt.

Ausblick

Der nächste Ariane-Start wird voraussichtlich am 17. November dieses Jahr stattfinden und eine echte Besonderheit sein. Zum ersten Mal wird eine Ariane 5 vier Satelliten des Europäischen Satellitennavigationssystems Galileo in ihren Orbit bringen. Dabei wird eine spezielle Ariane-5-Version zum Einsatz kommen, die in der Lage ist, vier Satelliten in unterschiedlichen Umlaufbahnen abzusetzen. Mehr dazu dann im November im DLR SpaceBlog und auf dlr.de.

Weiterführende Links:
Missionsinfos (Engl.)
Launchkit (Engl.)
Livestream
CNES-Ariane-Blog (Franz.)

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Über den Autor

Philip Kausche hat an der TU Berlin Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Nach seiner Promotion wechselte er im Jahr 2015 innerhalb des DLR von Berlin-Charlottenburg nach Bonn-Oberkassel in die Abteilung Trägersysteme des Raumfahrtmanagements. Seitdem betreut er dort u.a. als Projektmanager das Programm zur Nutzungsphase des europäischen Schwerlastträgers Ariane 5. zur Autorenseite

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