Sicherheit | 06. September 2016 | von Manuela Braun

Ausweichen mit Ansage - EMSec Teil 1

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Ein Besatzungsmitglied der "Bayreuth" hält Ausschau nach der "Helgoland"

Auf dem Bildschirm macht die Linie mit der zurückgelegten Strecke der "Bayreuth" einen deutlichen Knick. Kommandant Hans-Joachim Paulsen fährt das Schiff der Bundespolizei See in einem großen Bogen. Normalerweise fährt die "Bayreuth" Streife rund um Helgoland. Dann ist die Mannschaft in einem großräumigen Gebiet in der Deutschen Bucht im Einsatz, führt Kontrollen auf Booten oder in Häfen durch und hilft Seefahrern in Not.

Nicht am Montagmorgen um 7 Uhr. Am Montag ist das Boot für das Projekt EMSec ein Fährschiff, vollgepackt mit Menschen - und verlässt auf einmal grundlos die geplante Route. Zumindest im eigens errichteten Lagezentrum des DLR in Cuxhaven sieht es so aus. Theoretisch könnten gerade Entführer an Bord sein, die den Kommandanten zu einem Kurswechsel zwingen.##markend##

"Helgoland" in Sicht

Im Lagezentrum werden nun - wie im Ernstfall - Satellitendaten angefordert, um herauszufinden, warum die simulierte Fähre so überraschend einen neuen Kurs einschlägt. Beim Blick von der Brücke der "Bayreuth" ist das weniger rätselhaft: Direkt vor dem Bug kommt die "Helgoland" der Wasserschutzpolizei in Sicht. Die Radarbildschirme zeigen einen grünen Punkt an - "die haben ihre Schiffssignale abgestellt, aber das sollten unsere Kollegen von der Wasserschutzpolizei sein." Ein Besatzungsmitglied nimmt das Fernglas.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Vor der "Bayreuth" ist die "Helgoland" zu sehen, die als Kutter die Route der "Bayreuth" blockiert

Eindeutig, dort vorne wartet die "Helgoland", um einen Fischkutter zu simulieren, der nicht dazu verpflichtet ist, über AIS (Automatic Identification System) seine Position zu senden. Deshalb hat die "Helgoland" auch ihren AIS-Sender ausgeschaltet - vom Land aus ist sie im Lagezentrum jetzt unsichtbar. Das kleine Boot schaukelt kräftig in den Wellen, während die "Bayreuth" in 100 Metern Entfernung das verabredete Ausweichmanöver fährt.

Satellitenblick auf die Deutsche Bucht

Über das Bordtelefon kommt aus dem Lagezentrum an Land die Bestätigung: "Wir haben euch und die Helgoland auf unseren Satellitendaten entdeckt", sagt DLR-Projektleiter Stephan Brusch. Der Radarsatellit TerraSAR-X hat das Gebiet der Deutschen Bucht um 7.50 Uhr aufgenommen - und den Kollegen im Lagezentrum schon mal eine erste Idee gegeben, was dieses Ausweichmanöver ausgelöst haben könnte: Die Radardaten zeigen nämlich ein weiteres Schiff direkt vor der "Fähre". Von der "Bayreuth" aus könnte man gerade den Kollegen der Wasserschutzpolizei zuwinken. Das Wetter spielt mit, die Sonne scheint, die Wellen sind recht zahm für das 66-Meter-Boot der Bundespolizei. Kommandant Paulsen stellt seinen Kaffee zur Seite. Auf seinen Bildschirmen ergibt alles Sinn - und der Blick von der Kommandobrücke zeigt ebenfalls: Sein Boot ist natürlich nicht entführt worden, sondern muss nur die Vorfahrtsregeln beachten und dem kleinen Fischkutter ausweichen.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Auf dem Navigationssystem der "Bayreuth" ist die geplante Route zu sehen

Luftgestützte Daten für des Rätsels Lösung

Im Lagezentrum ist das allerdings noch nicht so klar. Der Operator an seiner Konsole sieht dort gerade nur die ersten Informationen aus dem All - und fordert noch den Einsatz eines Flugzeugs an. Das Demonstrationssystem des EMSec-Verbundes bündelt alle Daten - Satellitenaufnahmen aus dem All und luftgestützte Radar- und Kameradaten - auf einem Bildschirm, damit das Team im Lagezentrum nahezu in Echtzeit alles in gut aufbereiteter Form erhält und effektiv und zielgerichtet Entscheidungen treffen kann. Währenddessen bleibt das Boot der Wasserschutzpolizei hinter der "Bayreuth" zurück. Oder in der Simulation gesprochen: Die Fähre ist dem kleinen Fischkutter erfolgreich ausgewichen und setzt ihren Weg von Helgoland nach Cuxhaven fort.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Eine Diamond überwacht die Situation aus der Luft mit einem speziellen Radarsystem

Nur kurze Zeit später kreist ein Flugzeug - die Diamond - über der "Bayreuth". Aus 3000 Fuß Höhe zeichnet der Flieger mit einem Radarsystem an Bord die maritime Lage unter sich auf. Spätestens jetzt ist auch im entfernt gelegenen Lagezentrum in Cuxhaven klar: Die Fähre hat schlichtweg einen Umweg gefahren, um den Fischkutter nicht umzufahren, und ist schon wieder auf der üblichen Route unterwegs. Haken dran an das erste Szenario des EMSec-Projekts. Ab jetzt ist die "Bayreuth" für die nächsten Stunden wieder ein Boot der Bundespolizei See - und keine Fähre auf Abwegen.

Weitere Bilder des Projektes EMSec gibt es auf Flickr.

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Über den Autor

Manuela Braun ist Raumfahrtredakteurin, und als ausgebildete Journalistin in Print und Online macht sie vor allem eines gerne: Fragen stellen. Am liebsten dort vor Ort, wo Raumfahrt zum Greifen nah ist. zur Autorenseite

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