Raumfahrt | 22. Juni 2017 | von Dorothee Bürkle | 1 Kommentar

Ein älterer Herr betritt die Bühne...

Quelle: NASA/ESA

Bonn, 3. Mai 2068. Im Saal sitzen viele hundert Schülerinnen und Schüler, in den ersten Reihen zahlreiche Ehrengäste. Auch die führenden Raumfahrtnationen der Erde - allen voran China und Indien - haben Repräsentanten entsandt. Drumherum eine ganze Schar von Fotografen und Kameraleuten. Ein älterer Herr betritt die Bühne. Applaus. Die ersten Blitzlichter flackern auf. Er hat heute Geburtstag. Weitere Blitzlichter. Für seine 92 Jahre wirkt er erstaunlich rüstig: groß, aufrecht gehend, fast sportlich. Mit einem freundlichen Lächeln winkt er ins Publikum. Blitzlichtgewitter.

Der Moderator begrüßt ihn: "Lieber Herr Prof. Gerst, willkommen im Haus der Geschichte!" Tosender Applaus. Alexander Gerst ist immer noch ein Star. Immerhin war er der erste Europäer, der den Mond betreten hat. Aber darum geht es heute nicht. Sondern um seinen zweiten Flug ins All - genauer um ein Objekt, das er damals, im Jahr 2018, mit an Bord der Internationalen Raumstation hatte: die geheimnisvolle Zeitkapsel. Jetzt, genau 50 Jahre später, darf sie endlich geöffnet werden. Das war die Bedingung, unter der das DLR die kleine Aluminiumkugel dem Museum zur Ausstellung und Aufbewahrung übergeben hatte. Und das goldene Siegel - von Gerst an Bord der ISS auf die glänzend polierte Kugel aufgebracht und immer noch unversehrt - beweist: Die Kapsel war tatsächlich ein halbes Jahrhundert lang verschlossen geblieben...##markend##

So oder so ähnlich könnte es sich - zugegeben mit etwas Phantasie und viel Augenzwinkern - zutragen, wenn mit der Zeitkapsel alles nach Plan verläuft. Den Anstoß zu dem ungewöhnlichen Zeitkapsel-Projekt gab ein Anruf aus dem DLR-Raumfahrtmanagement: "Was wollen Sie für den Education-Bereich mit an Bord geben?" Dazu muss man wissen, dass bei Raumfahrtmissionen neben der eigentlichen Nutzlast manchmal auch ein kleines Kontingent für andere "Flight-Items" vorgesehen ist - eben auch aus dem Bereich der Nachwuchsförderung. Denn die Flüge von Astronauten sorgen insbesondere bei jungen Menschen für Aufmerksamkeit - und das soll genutzt werden, um die Kinder und Jugendlichen für Forschung und Technik zu begeistern. So entstand mit Blick auf die nächste Gerst-Mission die Idee für das Zeitkapsel-Projekt.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Rund 35.000 Schulen aus ganz Deutschland wurden per E-Mail angeschrieben und zur Teilnahme ermuntert. Die Kinder und Jugendlichen können ihre Wünsche für die Zukunft formulieren und mit einem Team-Foto einsenden. Die Beiträge kommen dann auf einen Datenträger und dieser wiederum in die Aluminiumkugel, die von Auszubildenden im DLR-Standort Braunschweig gefertigt wurde. Nach mehreren Monaten im All, vielen Erdumkreisungen und einer langen Reise durch den Raum tritt die Kapsel dann - wieder zurück auf der Erde - gewissermaßen den zweiten Teil ihrer Reise an: durch die Zeit. Und weil die Zeit als vierte Dimension bezeichnet wird, heißt das ganze Vorhaben "Projekt_4D". Falls wir Zeit [Wortspielalarm] zum Schreiben haben, demnächst in weiteren Blog-Beiträgen mehr dazu - unter anderem über ein Luftpolster der Superlative, fotografische "Alltags-Schnipsel" und den rätselhaftesten Stein der Welt...

+ + + Jetzt aber geht es erst einmal für die Schulen auf die Zielgerade: Denn am 30. Juni ist Einsendeschluss! Bis dahin müssen die Wünsche der Schülerinnen und Schüler für die Zukunft eingereicht werden - und zwar auf dieser Aktionsseite. Der Einsendeschluss gilt auch für die Aktion "Slices of Life". Da dürfen auch Erwachsene in den Social-Media-Kanälen des DLR mitmachen und ihre fotografischen "Alltags-Schnipsel" einschicken, die das ganz normale Leben von heute zeigen. + + +

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Kommentare

1 Kommentar | RSS-Feed Kommentare
Dominik | sonnenteleskop.de
22. Juni 2017 um 23:32 Uhr

Das Projekt 4D - "DIE ZEITKAPSEL" ist eine wirklich schöne Idee von Herr Prof. Gerst! Er hat viele junge Leute zur Astronomie gebracht, alleine dafür gebührt Ihm viel Anerkennung!