Raumfahrt | 27. Juni 2017 | von Manuela Braun

ROBEX Teil 2: Ein Lander auf dem Serviertisch

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

500. 350. Und 80. Das sind am Freitag die Zahlen, die den Takt vorgeben. 500 Kilogramm wiegt der Lander. 350 Meter liegen zwischen seinem alten und seinem zukünftigen Standort, an den er umziehen soll. Und 80 Höhenmeter müssen dabei überwunden werden. Zu Beginn hatte der Lander noch dicht am Basis-Camp gestanden - günstig für Reparaturen nach dem Transport nach Sizilien und für die ersten Tests und Verbindungen zum Kontrollraum auf dem Ätna. Für die eigentliche Durchführung der "Mond-Mission" soll Lander RODIN aber auf der Piano del Lago stehen.

Die Ebene zwischen dem Torre del Filosofo und dem La Montagnola-Krater war einst mit Schmelzwasser bedeckt - bis der Ätna 2001 ausbrach, Asche  über die Ebene spuckte, und der Krater Laghetto entstand. Jetzt liegt dort über einer festen Lavaschicht eine Ascheschicht, deren Dicke die Planetenforscher des DLR vermessen wollen. Doch dafür muss der schwergewichtige Lander bewegt werden. Den Abhang hinunter, auf einem Wagen mit Rollen gelagert.##markend##

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Statt auf Landefüßen stehen zu bleiben, rollt RODIN auf einem Wagen

Noch am Abend vorher hatten die Ingenieure und Wissenschaftler beraten. Lander runter in die Ebene oder besser dort stehen lassen, wo er bei den ersten Tests stand? Immerhin stand er da sicher. Allerdings nicht so, wie das vorgesehene Mond-Szenario es vorsah. Die Entscheidung fällt erst nach längerer Diskussion: RODIN soll am nächsten Tag mit Hilfe aller Kräfte in die mondähnliche Ebene wandern. Am Freitagmittag ist es soweit. Der Lander wird für seinen Transport vorbereitet. Wie auf einem Serviertisch soll er - ohne seine abmontierten Landefüße - in Richtung Mond rollen. Damit das Gefährt samt 500-Kilo-Lander nicht in der körnigen Asche versinkt, gibt es Bodenplatten, über die er rollen kann.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Platte über Platte rollt der Lander in Richtung Ziel 

Dann beginnt die Choreographie: Sabrina Schwinger und Caroline Lange sammeln die Bodenplatten ein, über die RODIN auf seinem Tischchen gerade gerollt ist, und legen sie als Spur vor dem Lander wieder aus. An vier Haltegurten ziehen Ingenieure und Planetenforscher die wertvolle Last in die richtige Lage, wenn RODIN droht, aus dem Gleichgewicht zu geraten. Am hinteren Ende des Rollwagens stemmen sich zeitgleich zwei bis drei Helfer gegen die Macht, mit der die 500 Kilogramm auf Rollen in Richtung Ebene ziehen.

Tanz um den Lander

Knirschend rollt der Lander über die ausgelegten Bodenplatten. Staub wirbelt auf, als die Helfer die hinteren Unterlagen schon wieder vor den Lander ziehen. Die Haltegurte spannen sich. Von vorne kommen regelmäßig die Kommandos von Peter Kyr: "Etwas mehr rechts. Ja, läuft gut. Gerade, gerade. Vorsicht, jetzt kommt ihr schräg." Sobald die Bodenplatten vorne ausgerichtet sind, geht es die nächsten Meter weiter: "Drei, zwei, eins, los", gibt Roland Rosta hinter dem Lander den Rhythmus  vor, in dem alle sich in die Seile hängen und den Rollwagen steuern. Der aufziehende Nebel hüllt den ungewöhnlichen Transport immer wieder ein und sorgt für die entsprechende Dramatik, bevor die Sonne wieder durchbricht.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Dramatische Kulisse im wiederkehrenden Nebel

"Landung" auf der Mond-Ebene

Am Tag zuvor waren die Prognosen eher pessimistisch gewesen: Den gesamten Tag würde man benötigen. Der Abhang könnte zu steil sein. Und jetzt läuft dennoch alles wie am Schnürchen. Nach nur anderthalb Stunden steht RODIN an seinem "Landeplatz" in der weitläufigen Ebene unterhalb des Laghetto-Kegels. Kalt ist jetzt niemandem mehr in dem kühlen Wind auf dem Ätna. Die Beine sind bis zum Knie eingestaubt mit feiner Vulkanasche, und der Rücken schmerzt. Das Team vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme beginnt damit, seinen Lander wieder ins Leben zu rufen und einzurichten. Alles ist bereit für die ersten Messungen der Planetenforscher.

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Über den Autor

Manuela Braun ist Raumfahrtredakteurin, und als ausgebildete Journalistin in Print und Online macht sie vor allem eines gerne: Fragen stellen. Am liebsten dort vor Ort, wo Raumfahrt zum Greifen nah ist. zur Autorenseite

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