Sicherheit | 08. September 2016 | von Manuela Braun

Treibend zwischen Helgoland und Büsum - EMSec Teil 3

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
"Mann über Bord": Ein Dummy treibt in der Nordsee

Zehn Sekunden dauert es, dann hat Maschinist Wilm Willms die erste Boje über Bord geschmissen. Die nächsten beiden folgen. Innerhalb von einer Minute sind somit gleich drei Menschen über Bord des Seenotrettungskreuzers "Hermann Rudolf Meyer" gegangen, die die EMSec-Partner mit Satelliten und Flugzeugen aufspüren wollen.

In der Simulation sind gerade Menschen von einer entführten Fähre in die Nordsee gesprungen, um sich zu retten. Im echten Leben schwimmen jetzt seit 12 Uhr mittags viereckige Schwimmkörper mit Sendern in den Wellen. "Die haben das Driftverhalten wie ein Mensch im Wasser", sagt Vormann Siegbert Schuster. Heute wäre die Nordsee immerhin gnädig mit den Männern über Bord: Die Sonne scheint, die Wellen schieben sich gerade mal rund 50 Zentimeter in die Höhe. Entspannte Verhältnisse, die bei schlechtem Wetter im Nirgendwo zwischen Helgoland und Büsum ganz anders aussehen könnten.##markend##

Suchaktion aus dem All und der Luft

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Die "Schiffbrüchigen": je vier Schwimmkörper und ein Peilsender

Jetzt dümpelt die "Hermann Rudolf Meyer" friedlich auf und ab, während in Sichtweite die Sender auf dem Wasser wippen. Während der Seenotrettungskreuzer "Theodor Storm" nun in Büsum die Leinen losmacht, um zur Rettung zu eilen, löffelt die Crew an Bord Gulaschsuppe zum Mittagessen. Ihr Job war es, die Schiffbrüchigen auszusetzen. Suchen müssen jetzt die Kollegen - und die Wissenschaftler des EMSec-Projekts, die mit Satelliten und Flugzeugen die Position der treibenden Sender ausfindig machen wollen. Normalerweise haben Schwimmwesten keinen Sender, mit dem sie aufgespürt werden können. Die Seenotretter müssen sich - und das seit Jahren erfolgreich - auf Driftmodelle und Erfahrung stützen. Mit EMSec könnte die Suche in Zukunft aber durchaus komfortabler und schneller für die Rettungsmänner ablaufen.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
An Bord der "Hermann Rudolf Meyer" Beobachtet die Besatzung die Rettungsoperation

Ruhig ist es auf der Nordsee. Plötzlich zeichnet sich am blauen, fast wolkenfreien Himmel ein Flugzeug ab. Die Do 228 fliegt in 5000 Fuß Höhe über den 23-Meter-Rettungskreuzer. Kurze Zeit später folgt die Diamond, 500 Fuß tiefer, um im Verbund koordiniert mit der Do 228 fliegen zu können. Wenn alles gepasst hat, kommen im Lagezentrum in Cuxhaven jetzt Kamera- und Radardaten an. Die Do 228 hat aus der Luft die treibenden Personen bei ihrem automatischen Flug gesichtet und erfasst. Sie könnte jetzt auch auf den Infrarot-Bereich umschalten und die Menschen im Wasser als Wärmebild aufnehmen. Die Diamond hat mit ihrem 360-Grad-Radar einen Blick über mehrere 100 Kilometer Wasserfläche - und sollte die "Hilflosen" im Wasser auch gesichtet haben. Beauftragt wurden die Flieger, die sich jetzt wieder in den Himmel verabschieden, von einem Team im eigens eingerichteten Lagezentrum in Cuxhaven. Dort hatte der Operator an der Konsole die Entführung einer Fähre festgestellt und nicht nur die entsprechenden Sicherheitsbehörden informiert, sondern auch Satellitenbilder und Flugzeugüberflüge angefordert.

Rettung für drei Schwimmwesten mit Sender

Zwei Stunden später ist die "Theodor Storm" zu sehen. Mit hoher Gischtwelle und beachtlicher Geschwindigkeit rauscht sie zur Rettung der treibenden "Menschen" an und fischt die Bojen aus der Nordsee. Test beendet, per Schlauchboot werden die Sender wieder zu den Kollegen auf der "Hermann Rudolf Meyer" gebracht. Das Schlauchboot legt seitlich an. Genauso schnell, wie Wilm Willms die "Passagiere" über Bord geworfen hat, werden sie wieder auf dem Deck verstaut. Der Test für die Seenotretter ist erfolgreich ausgegangen. Vormann Siegbert Schuster, die Maschinisten Wilm Willms und Olaf Dittmann sowie Rettungsmann Arved Teloy packen ein. Heute ist die Mission für sie beendet. Zurück geht’s zum Ankerplatz in Bremerhaven.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Der Seenotrettungskreuzer "Theodor Storm" eilt zur Rettung

Im Lagezentrum werden währenddessen Satellitenaufnahmen und Flugzeugbilder ausgewertet. Fall 3 von vier Szenarien ist abgearbeitet. Im Lagezentrum fällt der Bleistift, die Rechner werden heruntergefahren. Ein Szenario bleibt noch für den EMSec-Verbund: Die Bundespolizei See wird 50 Kubikmeter Popcorn über Bord schmeißen - und die Partner an den Konsolen in Cuxhaven müssen mit ihren Sensoren herausfinden, wo sich der Gefahrstoff befindet und wohin er treiben wird.

Weitere Bilder des Projektes EMSec gibt es auf Flickr.

 

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Über den Autor

Manuela Braun ist Raumfahrtredakteurin, und als ausgebildete Journalistin in Print und Online macht sie vor allem eines gerne: Fragen stellen. Am liebsten dort vor Ort, wo Raumfahrt zum Greifen nah ist. zur Autorenseite

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