Raumfahrt | 08. November 2017 | von Fiona Lenz

VaPER-Studie Teil 5: Kann jeder bei einer Bettruhestudie als Proband mitmachen?

Die psychologischen Fragebögen der Probanden
Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Langes Auswahlverfahren: Allein die psychologischen Fragebögen der Bewerber zur VaPER-Studie füllen mehrere Ordner.

"Am Anfang steht immer die Frage ‚Welche Art Mensch suchen wir?‘ Nur so können wir ein geeignetes Profil erstellen", erzählt Henning Soll. Der Diplom-Psychologe des DLR und sein Team waren für die Auswahl der Probanden hinsichtlich der psychologischen Komponenten bei der Bettruhestudie VaPER zuständig. Wer daran teilnehmen wollte, musste nicht nur in medizinischer, sondern auch in psychologischer Hinsicht für eine solche Herausforderung geeignet sein. Mit seinen Kolleginnen und Kollegen erstellt Soll vor jeder Studie ein Persönlichkeitsprofil. Dabei können sich die Wissenschaftler auch auf ihre Erfahrung verlassen, denn neben Eignungstests für Piloten gehört die Auswahl von Probanden für Bettruhe- oder Isolationsstudien zu ihrem Spezialgebiet. Doch jede Studie hat andere Anforderungen.##markend##

Während der 30-tägigen Liegephase von VaPER sind die Probanden in Einzelzimmern untergebracht. Deshalb ist es wichtig, dass sie sich in dieser Zeit selbst beschäftigen können. "Reine Einzelgänger können wir aber auch nicht gebrauchen. Unsere Probanden sollen zwar gut alleine klar kommen, aber auch den Teamspirit mitbringen, die Studie gemeinsam so gut wie möglich zu absolvieren", erklärt der DLR-Psychologe. "Wer täglich mehrere Stunden Sport machen ‘muss‘ oder schon beim Blutabnehmen kalte Füße bekommt, ist eher nicht für eine solche Herausforderung geeignet", so Soll.

Schriftliche Vorauswahl

Das Profil, das Soll und sein Team zusammen erstellt haben, diente als Grundlage für die Vorauswahl. Diese startete ganz allgemein mit einer ersten Infoveranstaltung in Köln. Hier wurden den Interessierten nicht nur die wissenschaftlichen Experimente und der Ablauf der Studie erklärt, sondern sie wurden auch aufgefordert, einen biografischen Fragebogen auszufüllen. Zusätzlich beantworteten sie schriftlich Fragen zu Interessen, Motivation und Jugendentwicklung sowie ihrer aktuellen Lebenssituation. "Außerdem bekommen wir auch immer ein Feedback von den Kölner Kollegen, wie sich die Leute vor Ort verhalten haben", erzählt Soll. Er selbst war während der Infoveranstaltung nicht vor Ort, denn die Psychologen des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin sitzen in Hamburg.

Passen beide Seiten zusammen?

Durch eine strenge Vorauswahl, medizinische Untersuchungen und psychologische Tests wurden aus den 4500 Interessentinnen und Interessenten 32 Personen ausgewählt, die für die VAPER-Studie zum psychologischen Interview eingeladen wurden. Das war auch der Zeitpunkt, an dem Soll und seine Kolleginnen die Bewerber zum ersten Mal trafen. Zwischen 30 und 50 Minuten dauert ein solches Gespräch, bei dem neben Soll und einer Kollegin auch Edwin Mulder, der Studienleiter von VaPER, und Andrea Nitsche, verantwortlich für Organisation und Rekrutierung, teilnehmen. "Das ist für uns die Gelegenheit  zu fragen, wie sich die Leute vorstellen, zwei Monate von Freunden, Familie und Arbeit getrennt zu sein und ob sie schon angefangen haben, ihre Abwesenheit zu organisieren." Hier konnten Soll und seine Kolleginnen die Persönlichkeit noch einmal genauer abklopfen: Ist die Person eher extravertiert oder eher introvertiert? Hat sie Ängste? Oder wie viele Sorgen macht sie sich um ihre Gesundheit?

Auf die Frage, ob man sich auf ein solches Interview vorbereiten kann, muss Henning Soll lachen. "Das ist schwierig, es ist ja kein Test. Bei dem Interview ist es außerdem wie in einer Beziehung: hier haben beide Seiten noch die Gelegenheit herauszufinden, ob sie zueinander passen. "Am Ende bewertet jedes Kommissionsmitglied das Gehörte sowie die Vorinformationen für sich. Danach wird in der Gruppe über die Bewerber diskutiert und eine Gesamtbewertung erstellt. "Aber am Ende sind wir uns meistens einig", ergänzt Henning Soll.

Nach der Vorauswahl, dem Medical und den psychologischen Interviews wurden 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer plus vier Backups für die VaPER-Studie ausgewählt. Für Henning Soll stellt die Tatsache, dass bei VaPER das erste Mal auch Frauen mit aufgenommen werden, keinen großen Unterschied dar: "Wenn wir Piloten auswählen, ist es auch egal, ob es ein Mann oder eine Frau ist, die Person muss in das Profil passen und bei VaPER ist das genauso. Der einzige Unterschied, der mir aufgefallen ist: Die Mehrheit der Frauen hat ihre Bewerbungsunterlagen sorgfältiger ausgefüllt", sagt er und lacht.

VaPER (VIIP and Psychological :envihab Research Study)

Für die VaPER-Studie legen sich 12 Probanden im DLR für 30 Tage bei einer Sechs-Grad-Kopftieflage ins Bett. Ihr Körper erfährt dabei ähnliche Veränderungen wie der von Astronauten in Schwerelosigkeit, was sich Wissenschaftler zunutze machen, um jene Veränderungen genauer zu untersuchen. Der Fokus von VaPER (VIIP and Psychological :envihab Research Study) liegt sowohl auf der Untersuchung von physiologischen und psychologischen Auswirkungen als auch auf dem VIIP-Syndrom (Visual Impairment and Intracranial Pressure), das Sehstörungen und erhöhten Hirndruck bei Astronauten in Schwerelosigkeit beschreibt. Die Studie wurde von der amerikanischen Raumfahrtagentur NASA in Auftrag gegeben und wird vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin durchgeführt.

Alle Blogbeiträge der VaPER-Studie

VaPER-Studie Teil 1 - Warum legt das DLR Menschen für 30 Tage ins Bett?

VaPER-Studie Teil 2: Von 4.500 Bewerbern auf 12 Probanden – Wie findet man geeignete Teilnehmer?

VaPER-Studie Teil 3: Was ist ein Medical?

VaPER-Studie Teil 4: Ab ins Bett – 30 Tage liegen bleiben

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Über den Autor

Fiona Lenz ist Mitglied im Cross-Media-Team und seit 2016 für das DLR auf twitter, facebook und Co. unterwegs. Davor studierte sie Online-Journalismus, als Generation „Digital Native“ naheliegend. Dass sich ihr Weg dann in Richtung Forschung und Wissenschaft entwickelt, hätte Fiona zu Beginn ihres Studiums selbst nicht gedacht. Nach einem Praktikum beim DLR wollte sie aber einfach nicht mehr gehen. zur Autorenseite

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