Raumfahrt | 23. November 2017 | von Friederike Wütscher

VaPER-Studie Teil 9: Kochen, backen, wiegen und spülen

Vaper_Küche
Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

4:30 Uhr: Der Wecker klingelt, draußen ist es noch dunkel. Doch die Probanden wollen versorgt werden und so macht sich der Frühdienst des VaPER-Küchenpersonals auf den Weg ins :envihab, der Forschungsanlage des Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin. Dort findet derzeit eine Bettruhe-Studie im Auftrag der NASA statt. Während der zweimonatigen Studie liegen die Probanden 30 Tage lang ausschließlich im Bett bei 6 Grad-Kopftieflage, gegessen wird natürlich auch in dieser Position. Wichtig für die Ernährung in dieser Studie ist vor allem, dass sowohl die Zubereitung der Speisen als auch die Verabreichung und der Verzehr hoch standardisiert sind. Das heißt für die Probanden vor allem: Aufessen! Für das Küchenpersonal heißt es vor allem: Sehr sorgfältige Planung auf jeden einzelnen Probanden zugeschnittener Essenspläne, Rechnen der Mengen und Nährstoffe und immer wieder Abwiegen.##markend##

5:50 Uhr: Der Nachtdienst in der Probandenstation vor Ort öffnet die Tore und nach einem kurzen Kaffee geht es schon los. Konzentration ist bei der Arbeit sehr wichtig, da die Genauigkeit beim Abwiegen der Lebensmittel und das Rechnen der einzelnen Mengen und deren Dokumentation wichtige Bausteine des Studienablaufs sind.

6:00 Uhr: Wichtigste Aktion am Morgen: Erst einmal die Spülmaschine und die Waagen hochfahren! Dann bringen sich die "Küchenfeen" über das Übergabebuch auf den aktuellen Stand, was am Vortag und -abend los war und ob es Änderungen zum normalen Plan gibt. Die Küche ist in der Probandenstation integriert und technisch auf dem neuesten Stand. Wichtigste Arbeits-Utensilien: Laborwaagen, Kühl- und Gefrierschränke, Spülmaschine, Kombi-Dampfgarer, Pipetten und Schreibzeug.

6:15 Uhr: Und nun geht es an die Vorbereitung des Frühstücks: Alle Probanden haben spezielle Pläne, was ihre Tagesration angeht. Diese wurden zu Beginn der Studie auf jeden Probanden abgestimmt und werden während der Studie ständig angepasst. Frühstück besteht entweder aus Brot mit verschiedenen Belägen oder aus Müsli. Allerdings haben die Probanden nicht die Wahl, sondern jedem Tag ist ein bestimmtes Essen zugeordnet.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

7:30 Uhr: Das Frühstück wird auf den Tabletts angerichtet, die bereits vom Spätdienst mit Besteck, Servietten und Kärtchen mit den Probandenbuchstaben vorbereitet sind. Zur eindeutigen Probandenzuordnung ist eine penible Dokumentation das A und O. Als Getränke gibt es zum Frühstück Tee und ab und zu Getreidekaffee, je nach Plan.  Alle Flüssigkeiten, also auch die in den Lebensmitteln, werden vorher genau berechnet, pro Tag gibt es insgesamt 50 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht. Die Getränke werden ebenfalls wie die Lebensmittel aufs Gramm genau für den jeweiligen Probanden mit Pipetten abgewogen.

7:50 Uhr: Im Büro werden parallel zum Küchendienst von der Ökotrophologin Olga Hand und der Diätassistentin Martina Grund die Rechner hochgefahren, um die Menüpläne für den nächsten Tag zu erstellen. Dabei werden die Besonderheiten der Studie, der Experimente und wenn möglich der Probandenwünsche berücksichtigt. Für jeden Probanden gibt es eigene Pläne je nach Alter, Geschlecht, Körpergewicht und je nachdem, ob es sich um einen Probanden noch in Bettruhe oder schon in der Zeit nach der Bettruhe handelt. Um den rechtzeitigen Nachschub zu sichern, ist die regelmäßige Bestellung der Lebensmittel ebenso wichtig wie das Berechnen der anstehenden Zubereitungen.

8:00 Uhr: Nun wird das Frühstück an die Probanden ausgegeben und bei der Gelegenheit auch noch ein kurzer Plausch gehalten. Konnten die Probanden vor dem Beginn der Bettruhe noch alle gemeinsam im Aufenthaltsraum am Tisch essen, essen sie in der Bettruhephase in ihrem jeweiligen Zimmer im Bett. Natürlich in 6 Grad-Kopftieflage. Fällt mal etwas runter, wird es nicht einfach weggeschmissen, sondern genau abgewogen und entsprechend ersetzt. Allerdings sind die Probanden nach ein paar Tagen essen im Bett so fit mit allen Handgriffen im Liegen, dass das eigentlich nicht mehr vorkommt.

8:30 Uhr: Nachdem alle Probanden mit dem Frühstück und einem "Guten Appetit" versorgt wurden, ist der Küchendienst schon damit beschäftigt, das Mittagessen vorzubereiten. Der Spätdienst vom Vorabend hat schon einiges vorbereitet, aber die frischen Sachen wie Gemüse, Fisch, Fleisch und Nudeln werden nun bearbeitet und gegart. Den ganzen Tag ist das Küchenpersonal mit Vorbereitungen für die nächsten Schichten und den nächsten Tag beschäftigt. Zwischendurch wird der Bestand an Zutaten erfasst und entsprechend aufgefüllt oder Bestellungen veranlasst. Die angebrochenen Lebensmittel werden auf Haltbarkeit kontrolliert und die Kühlschränke entsprechend des Speiseplans aufgeräumt. Immer wieder müssen Geschirr und Besteck eingesammelt und gespült werden.

11:00 Uhr: Nun beginnt die Visite bei allen Probanden. Bei der Bettruhe-Studie visitiert nicht nur der Studienarzt, sondern ein Team aus Arzt, Betreuungs- und Ernährungsverantwortlichen. Dadurch können gleich alle wichtigen Themen besprochen und mögliche Änderungen rasch umgesetzt werden.

11:30 Uhr: Aus der Küche strömen die ersten leckeren Gerüche und man ahnt, was es heute geben könnte: Kartoffelpüree, Nudeln mit Bolognesesoße, Hähnchenbrust Hawaii und Pfannkuchen mit Heidelbeeren sind die beliebtesten Gerichte. Wieder werden die Tabletts entsprechend bestückt und im Wagen zur Auslieferung bereitgestellt.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

13:00 Uhr: Mittagessen! Die Tabletts werden verteilt und das Geschirrgeklapper geht los. Die leergeputzten Teller und Schüsseln werden anschließend wieder eingesammelt und die Spülmaschine tut ein weiteres Mal ihren Dienst.

14:00 Uhr: Nun kommt der Küchen-Spätdienst. Die Übergabe zwischen Früh- und Spätdienst erfolgt mündlich und gemeinsam wird mit den Vorbereitungen für die anstehenden Mahlzeiten fortgefahren, bis der Frühdienst gegen 14.30 Uhr seinen Feierabend antritt. Der Spätdienst beginnt nun auch schon mit Vorbereitungen für den nächsten Tag wie Auftauen und Schnibbeln unterschiedlicher Lebensmittel und natürlich immer wieder Abwiegen. Alles wird selbst zubereitet und teilweise eingefroren: Brot und Waffeln, Gemüsepasten, Bratensoßen, Pesto, Müslikekse und Kartoffelpüree. Dabei muss stets die Uhr im Blick bleiben, damit auch die anstehenden Mahlzeiten wie der Nachmittagssnack, der auch schon mal aus einem Saft oder Smoothie besteht, und das Abendessen rechtzeitig zubereitet sind.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

16:00 Uhr: Spülen, Abwiegen, Aufräumen, Einsammeln, Vorbereiten, Auftauen, Einfrieren, Schneiden. Und wieder Abwiegen.

16:10 Uhr: Zwischendurch gibt es immer wieder Rücksprache mit der Teamleitung Ernährung, Olga Hand und Martina Grund, welche Abweichungen vom Menüplan es eventuell gibt oder was bei unvorhergesehenen Ereignissen berücksichtigt werden muss. Bei Bedarf müssen die Menü-Pläne auch noch am Tag selber geändert werden.

18:00 Uhr: Abendessen und Spätsnacks wie Rohkost oder Shakes werden zubereitet.

19:00 Uhr: Dinner: Wieder werden die Tabletts bestückt und das Abendessen verteilt. Während die Vorbereitungen für den nächsten Tag auf Hochtouren laufen, wird zwischendurch wieder das Geschirr eingesammelt und die nächste Ladung Spülmaschine läuft. Für den nächsten Frühdienst werden bereits alle trockenen Zutaten wie Salz, Zucker und Müsli für die einzelnen Mahlzeiten abgewogen.

22:45 Uhr: Der Spätdienst hat ebenso wie die Probanden Feierabend. Die Küche blitzt und der Frühdienst kann in ein paar Stunden wieder mit Wiegen, Schnibbeln, Spülen und Zubereiten loslegen.

VaPER (VIIP and Psychological :envihab Research Study)

Für die VaPER-Studie legen sich 12 Probanden im DLR für 30 Tage bei einer Sechs-Grad-Kopftieflage ins Bett. Ihr Körper erfährt dabei ähnliche Veränderungen wie der von Astronauten in Schwerelosigkeit, was sich Wissenschaftler zunutze machen, um jene Veränderungen genauer zu untersuchen. Der Fokus von VaPER (VIIP and Psychological :envihab Research Study) liegt sowohl auf der Untersuchung von physiologischen und psychologischen Auswirkungen als auch auf dem VIIP-Syndrom (Visual Impairment and Intracranial Pressure), das Sehstörungen und erhöhten Hirndruck bei Astronauten in Schwerelosigkeit beschreibt. Die Studie wurde von der amerikanischen Raumfahrtagentur NASA in Auftrag gegeben und wird vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin durchgeführt.

Alle Blogbeiträge der VaPER-Studie

VaPER-Studie Teil 1: Warum legt das DLR Menschen für 30 Tage ins Bett?

VaPER-Studie Teil 2: Von 4.500 Bewerbern auf 12 Probanden – Wie findet man geeignete Teilnehmer?

VaPER-Studie Teil 3: Was ist ein Medical?

VaPER-Studie Teil 4: Ab ins Bett – 30 Tage liegen bleiben

VaPER-Studie Teil 5: Kann jeder bei einer Bettruhestudie als Proband mitmachen?

VaPER-Studie Teil 6: Wie verbringen unsere Probanden ihre Tage im Bett?

VaPER-Studie Teil 7: Standardisierte Ernährung der Probanden

VaPER-Studie Teil 8: R+O – ein ganz besonderer Tag für alle

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Über den Autor

Friederike Wütscher ist am DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und stellt die vielfältigen Arbeits- und Themengebiete des Instituts nach außen dar. Besonders diese Vielfalt und die aufwendigen Studien, die das Institut in :envihab und den weiteren Forschungsanlagen durchführt, begeistern sie. Deshalb ist sie auch immer wieder bei verschiedenen Projekten vor Ort im Einsatz und kann direkt vom Studiengeschehen berichten. zur Autorenseite

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