Luftfahrt | 29. Mai 2015

Im Jet: Erkundung starker Winde bei Island

Betanken der Falcon vor dem Start
Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Betanken der Falcon vor dem Start, im Hintergrund steht die DC-8 der NASA (3. von vorne).

Manchmal braucht man einfach Glück, vor allem beim Wetter reichen nicht nur die Vorhersagen, sondern oft ist das kleine Quäntchen zusätzlich nötig, damit es wirklich klappt. Eines der Ziele der aktuellen Forschungskampagne auf Island ist es, neben der Erprobung neuer Lidar-Technik die starken Veränderungen der Windgeschwindigkeiten in sogenannten Jetstreams (schnell strömende, stark mäandrierende Luftmassen) zu beobachten.

Wenn man von Island aus startet, liegt die ideale Zielregion für ein solches Vorhaben in der Nähe dieser starken Strömungen über dem Nordatlantik innerhalb der Reichweite des Flugzeugs. Die Bedingungen am Freitag, den 15. Mai 2015, waren für uns wie geschaffen, um diesem Ziel einen entscheidenden Schritt näher zu kommen und mit der DC-8, einem Forschungsflugzeug der NASA, sowie unserer Falcon zur Erkundung starker Jetstreams aufzubrechen.##markend##

Noch in der Nacht zuvor war ein Tief mit starken Niederschlägen und Sturmböen über Island hinweggefegt. Im Laufe des Tages zog dieses Wolkenband, das sich von Island bis zu den Britischen Inseln erstreckte langsam ostwärts. Dahinter stellte sich eine ruhigere Wetterlage ein und es bildeten sich nur noch vereinzelt niedrige und mittelhohe Wolken in kalter Luft aus der Arktis, ideale Bedingungen zur Beobachtung der vorhergesagten starken Winde aus westlicher Richtung.  Das Zeitfenster mit geringer Wolkenbedeckung war allerdings nur kurz, und wir mussten es genau abpassen.

Quelle: ESA
Christian Lemmerz, DLR-Institut für Physik der Atmosphäre, überprüft das Messgerät vor dem Start.

Nachdem der Himmel über dem Flugplatz in Keflavik aufklarte starteten beide Flugzeuge um 16 Uhr Ortszeit südostwärts in Richtung Schottland. Nach zwei Stunden Flug bei zunehmend kräftigerem Wind drehte die Falcon ab und nahm wieder Kurs auf Keflavik. Die DC-8 flog nach Südwesten und beobachtete auf dem Heimweg die Winde in tieferen Schichten. Nach etwa vier Stunden kehrten Falcon und DC-8 nach Keflavik zurück.

Quelle: DLR CC-BY 3.0
Die DC-8 der NASA im Gefolge der DLR-Falcon kurz vor dem Start.

Einen Forschungsflug zu planen, ist immer wieder spannend. Tagelang beobachtet man die Veränderungen der Wetterlage. Zuerst hofft man, dass sich das Wetter so vielversprechend entwickelt wie vorhergesagt, und dann drückt man einfach nur noch fest die Daumen, dass die Geräte einen nicht im Stich lassen. In diesem Fall hatten wir Glück, dass wir unseren Flugplan in Hinblick auf die Bewölkung zeitlich perfekt koordinieren konnten, und auch die Flugsicherung mit unserer Flugplanung einverstanden war.

Die von den Instrumenten gesammelten Winddaten sind äußerst vielversprechend und damit ein gutes Vorzeichen für die bevorstehenden Auswertungen. Abgesehen davon, dass Algorithmen zur Ableitung von Windfeldern unter dem Einfluss starker Windgradienten getestet und verbessert werden können, bietet diese Mission die Möglichkeit zur Überprüfung von Jetstreamwinden in Wettervorhersagemodellen. Weitere Flüge führen die Crew nach Grönland, für ausführliche Messungen über dem Inlandseis.

Dieser Blog wurde auf Grundlage des ESA-Blogs "WindVAL: Petta reddast" erstellt. Weitere Blogeinträge zur Kampagne gibt es auf dem ESA-Blogportal "campaigns at work".

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