Raumfahrt | 19. November 2015 | von Tom Uhlig

Nach Hause telefonieren…

In einem Nebenzimmer des Col%2dCC läuft die Videokonferenz mit Astronaut Volkov
Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
In einem Nebenzimmer des Col-CC läuft die Videokonferenz mit Astronaut Volkov

Freilich liegt mir nichts ferner, als unseren sympathischen Kollegen Sergei Volkov auf der Internationalen Raumstation mit dem schildkrötenköpfigen E.T. aus dem gleichnamigen Film zu vergleichen. Aber eins haben beide "Außerirdische" gemeinsam: Wie jeder, der nicht daheim sein kann, telefoniert er zumindest gerne nach Hause... Dass man diesen Kontakt besser gut pflegt, das hat ihm sicher auch sein Vater als guten Rat mit auf den Flug gegeben: Papa Alexander Volkov war auch schon im Weltall und wurde damals auf der MIR mit der Meldung über den Zusammenbruch der Sowjetunion überrascht ...##markend##

Da Volkovs Frau und Sohn für ein paar Tage in München waren, lud das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt die beiden auf einen Besuch in Oberpfaffenhofen ein. Das Institut für Robotik und Mechatronik konnte der Familie Experimente vorführen, die sie zusammen mit Sergei auf der ISS durchführen. Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum hatte trotz großem Koordinierungsaufwand eine halbstündige Videokonferenz zwischen dem Columbus Control Center (Col-CC) und der Raumstation aufgesetzt und auf Sergeis Timeline gebracht. Für Flugdirektor Maksims Baklanenko ist Russisch die Muttersprache – und deswegen führte er die kleine Gruppe mit Familie Volkov und den Robotikkollegen, die auch ein paar experimentbezogene Fragen an den Kosmonauten hatten, in ein Nebenzimmer des Hauptkontrollraums, in dem schon alles für die Videokonferenz mit der Raumstation vorbereitet war.

Solche Konferenzen können von extern nicht mitverfolgt werden, wir nennen sie "privatized", sie kommen auch bei den Gesprächen der Crew mit ihren Flugärzten und -psychologen zum Einsatz. Der Ton kommt dabei auf einen der vier regulären Sprechfunkkanälen der ISS herunter, allerdings ist dieser in einer speziellen Schaltung, sodass die Kontrollzentren nicht mithören können und das Audiosignal nur bei HOUSTON VOICE verfügbar ist, die es dann in die Telefonanlage einspeisen und unsere Nummer wählen.

So klingelt kurz vor der Konferenz mit Sergei plötzlich das Telefon in der Mitte des Raumes, auf das sich schon von Anfang an alle Blicke gerichtet haben. Ein kurzes formales "Hello, this is Houston Voice, are you ready for your conference?", dann erstmal Stille. Maksims koordiniert mit unserem Flugdirektor das Einschalten der Columbus-eigenen Kamera. Kurz darauf fliegt Sergei ins Bild – ein kurzes Knacken in der Telefonleitung, als diese mit dem ISS-Funkkanal zusammengepatcht wird – und wir sind mit dem All verbunden.

Wie besprochen verlassen wir nach einer kurzen Begrüßung alle den Raum, um der Familie Volkov zuerst ein paar private Minuten miteinander zu gönnen. Dann nehmen auch wir wieder an der Videokonferenz teil.

Die Robotikkollegen nutzen die Chance, einige fachliche Fragen mit Volkov zu diskutieren – und wir freuen uns wieder einmal über die einmaligen Möglichkeiten, die unser Job uns bietet: Wieviele Menschen haben schon die Gelegenheit, mit der Raumstation zu telefonieren?

 

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Über den Autor

Als Kind wollte Tom Uhlig Astronaut werden. Beim DLR kam er dabei seinem Traum sehr nahe: Er arbeitete als Columbus-Flugdirektor an der Konsole und leitete sowohl das Col-CC-Trainingsteam als auch Gruppe für den Betrieb von geostationären Satelliten bis Dezember 2016. zur Autorenseite

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