Raumfahrt | 04. August 2017 | von DLR_next | 1 Kommentar

… und irgendwie fliegen alle in Gedanken zusammen mit Alex ins All

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
 

Wohl selten gab es in der Raumfahrt eine Aktion, an der die Öffentlichkeit so intensiv mitgewirkt hat. Für die Zeitkapsel, die nächstes Jahr zusammen mit Alexander Gerst an Bord der Internationalen Raumstation viele Male unseren Planeten umkreisen wird, sammelten wir nicht nur die Wünsche von Kindern und Jugendlichen für die Zukunft - auch Erwachsene durften mitmachen: Über Twitter und Facebook hatten wir dazu aufgerufen, uns "Slices of Life" zu schicken - Fotos, die den Alltag in unserer Zeit wiedergeben. Sie kommen mit den Kinderwünschen auf einem Datenträger in die Kapsel, die wiederum nach der Rückkehr zur Erde dem Haus der Geschichte in Bonn zur Verwahrung übergeben und erst 50 Jahre später geöffnet wird.

Nun weiß man bei solchen Mitmach-Aktionen anfangs nie so recht, auf welche Resonanz sie stoßen würden. Und so waren wir tatsächlich überrascht, was dann geschah: Unzählige Menschen, die oftmals gar nichts oder wenig mit Raumfahrt zu tun haben, sandten täglich Bilder ein - erst einige hundert, schließlich über 3.000, von denen 2.196 nun ausgewählt wurden, die Reise in die Zukunft zu unternehmen. An mehreren Tagen gaben wir jeweils ein bestimmtes Foto-Thema vor. Mal ging es im wahrsten Wortsinne um ganz Alltägliches, etwa Bilder zum Stichwort "Shopping", Schatten-Fotos oder Schnappschüsse von Haustieren. Auch Spielzeug, Wolken, Blumen und Menschen waren Tages-Motto. Daneben gab’s auch Foto-Aufträge, die eher zum Nachdenken anregten: "Schickt uns Bilder von Dingen, die es eurer Meinung nach in 50 Jahren nicht mehr geben wird!" oder "Wo spielt die Forschung in eurem Leben eine wichtige Rolle?" oder "Was bedeuten die Begriffe 'Heimat' und 'Glück' für euch und wie setzt ihr das in Fotos um?"##markend##

Projekt_4D: Slices of Life

Alle ausgewählten Slices of Life gibt es auf Flickr.

Viele der Aufnahmen, die uns erreicht haben, sind einfach schön. Manche erzählen auch Geschichten. Da schickte uns jemand das Foto des vor vielen Jahren verstorbenen Bruders - mit der Bitte, es wenn irgend möglich in der Zeitkapsel mitzunehmen. Ein bunt geschminktes Mädchen möchte quasi bildlich in die Zukunft reisen - natürlich mit elterlichem Einverständnis, das wir in solchen Fällen immer einholen. Das Foto eines neugeborenen Babys, das Selfie eines Krankenpflegers in der Klinik, der Fahrer im "Cockpit" eines ICE, ein Polizeiwagen in der Münchner Innenstadt, ein glückliches Ehepaar auch nach Jahren noch Hand in Hand - oder auch die Mitglieder eines Star-Trek-Clubs beim Grillabend fröhlich in die Kamera winkend: Jedes Bild erzählt etwas, manchmal spaßig, manchmal ernster, manchmal beides zugleich. Eine Frau fotografierte ihre beiden Tanten, 82 und 92 Jahre alt und offenbar wild entschlossen, mit ins All zu fliegen! Als wir mit dem Versprechen geantwortet hatten, das Bild mitzunehmen, löste es Freude und anschließend viele Gespräche im Familienkreis aus. Rührend. Wir hätten anfangs nie gedacht, was wir da in Gang setzen.

Quelle: DLR
Zwei von vielen Bildern, die uns bei der Fotoaktion zur Zeitkapsel via Twitter erreicht und besonders bewegt haben. Links zwei ältere Damen, die augenzwinkernd "mit ins All" wollen ;-) Rechts das Foto eines Neugeborenen, von den Eltern zum Thema "Glück" eingesandt.

Oft diskutieren die Follower auf Twitter, wo die Aktion schwerpunktmäßig stattfindet, auch untereinander über einzelne Bilder, die dort gepostet werden. Und sie stellen immer wieder Fragen an uns, interessieren sich für Einzelheiten des Zeitkapsel-Projekts oder - dadurch neugierig geworden - für Raumfahrt und andere Forschungsthemen des DLR. Die neuen Medien erlauben so eine Partizipation der Bevölkerung, wie es früher gar nicht möglich war. Als Bürgerin oder Bürger kann man heute direkt und ohne Umwege mit Akteuren aus der Forschung kommunizieren, sich kundig machen. Social Media leisten dadurch in gewisser Weise einen Dienst an der Demokratie, denn diese Interaktion fördert Transparenz, erleichtert Meinungsbildung und erlaubt Mitsprache. Aber von diesem kleinen Exkurs in die Philosophie der schönen neuen Medien-Welt zurück zu den "Slices of Life". Ein besonderer Aspekt, der dabei noch hinzukommt: Hier bringen sich Menschen aktiv ein, oft persönlich, emotional. Irgendwie fliegen schließlich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen mit Alexander Gerst ins All, wenn auch nur mittels des symbolischen "Vehikels" eines eigenen Bildes. Darüber hinaus ist es für viele Mitwirkende offenbar ein inspirierender und "poetischer" Gedanke, dass das eigene Foto von der Zeitkapsel auch in die Zukunft "befördert" wird. Eben eine phantastische Reise durch Raum und Zeit.

PS: Eben schickte eine Mutter noch dieses schöne Kinderbild. Den Künstler haben wir spontan zur feierlichen Öffnung der Kapsel eingeladen - auf den Tag genau 50 Jahre nach dem Start von Alexander Gerst. Er hat zugesagt und wird das Originalbild mitbringen ;-)

Quelle: DLR
 
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Kommentare

1 Kommentar | RSS-Feed Kommentare
Michaela Hess
07. August 2017 um 07:43 Uhr

hallo also eins steht felsenfest hät ich nicht multiple Sklerose die aber mein leben meine Hobbys hauptsächlich nasa ISS dann würd ich auch mit Alex zur ISS fliegen bin aber demütig weil ich das am pc verfolgen kann warum ganz einfach ihr da oben und auch unten im Kontrollzentrum ihr seit meine Helden und das eh schon über 20 jahre also lang vor der Diagnose ich wünsch Alex viel kraft gottes reichen segen ind freu mich wie dolle für ihn
witerhin viel erfolg lg Michaela:-)