Jan Wörner Blog | 10. Oktober 2011 | von Jan Wörner | 1 Kommentar

IAC in Kapstadt…Out of Africa? In Africa!

Vom 3. bis zum 7. Oktober 2011 fand in Kapstadt der 62. International Astronautical Congress (IAC) statt, zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent. Insgesamt 2946 Teilnehmer aus über 50 Ländern waren dabei. Eine intensive Woche der Begegnungen und Erfahrungen liegt hinter mir, die Kontakte und Informationen harren der weiteren Bearbeitung und Nachverfolgung. Gemeinsam mit meinen beiden Vorstandskollegen Dr. Gerd Gruppe und Prof. Dr. Hansjörg Dittus und mit Unterstützung der verschiedenen DLR-Bereiche waren wir sehr aktiv und erfolgreich.

Am Freitag, 30. September 2011, flog ich mit dem Airbus A380 nach Johannesburg und von dort weiter nach Kapstadt. Trotz der langen Reise erreicht man das Ziel, insbesondere durch den wirklichen leisen Flieger, frisch und kann unmittelbar in die vorbereitenden Gespräche und Veranstaltungen eintreten. Das Programm, das man für mich geplant hatte, bestand unter anderem aus vielen bilateralen Gesprächen mit internationalen Partnern über Luft- und Raumfahrtthemen, einem Vortrag über die Intensivierung der Anstrengungen, innovative Entwicklungen der Raumfahrt auch für andere Bereiche zu nutzen, und aus Begegnungen und persönlichen Kontakten mit Studierenden aus vielen Ländern. Ich möchte an dieser Stelle einige meiner Highlights nennen:

Man hatte mich gemeinsam mit dem "Vater der afrikanischen Raumfahrt", Herrn Ade Abiodun gebeten, im großen Plenum die Diskussionsrunde "African Space Leaders Round Table" zu moderieren, eine besondere Herausforderung, da die verschiedenen Staaten Afrikas mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen arbeiten. Für mich eine spannende Aufgabe, da ich zum ersten Mal in Afrika war und die Kollegen und deren Überlegungen nicht kannte.

Ein weiterer persönlicher Höhepunkt war die Gesprächsrunde "Masters with Masters", in der Charles Bolden, Chef der Amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, Jean-Jacques Dordain, Generaldirektor der Europäischen Weltraumoranisation ESA und ich vor einem großen Publikum befragt wurden. Um den jüngeren Teilnehmern einen Eindruck der jeweiligen Berufsentwicklungen zu geben, sollten wir auch unsere Überzeugungen und wichtige Punkte unserer persönlichen Entwicklung erläutern. Das Gespräch wurde von NASA aufgezeichnet und wird im Internet verfügbar sein.

Ein Empfang, zu dem wir gemeinsam mit dem deutschen Generalkonsul Hans-Werner Bussmann eingeladen hatten, fand großen Anklang und wurde durch das Spielen der Nationalhymnen Südafrikas und Deutschlands am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit begleitet. Ich hatte die Möglichkeit, in einer kurzen Rede den Bogen von den Themen Armut, Hunger, Durst und Krieg bis zur Hochtechnologie der Raumfahrt zu spannen und den Nutzen der Raumfahrt zur Bewältigung globaler Herausforderungen darzustellen.

Spannend war auch ein Treffen mit einer Gruppe amerikanischer Studenten aus Huntsville, die mich bei einem Frühstück "ausfragen" konnten. Besonders erfreulich war, dass der deutschen Delegation überall sehr positiv begegnet wurde und wir auch bei kleineren Veranstaltungen herzlich willkommen geheißen wurden. So konnte ich anlässlich eines Frühstücks bei der Vereinigung "Women in Aerospace" zur Rolle der Frauen in Technik und Wissenschaft Stellung beziehen und auch bei einem gemeinsamen Abendessen auf Einladung des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) reden.

Der DLR-Stand stand dieses Mal ganz im Zeichen des DLR_School_Lab. Über 300 Schülerinnen und Schüler aus Kapstadt erhielten die Möglichkeit, den Stand zu besuchen und selbst Experimente durchzuführen. Unser Stand wurde von vielen Besuchern gelobt, der Zuspruch während aller Ausstellungstage und beim Empfang am Stand bestätigte die Einzelurteile überzeugend. 

Insgesamt war es eine Woche mit sehr vielen Eindrücken sowohl innerhalb des Kongresses und den damit verbundenen Themen als auch durch die Erfahrung der Widersprüche und Spannungen auf diesem Kontinent. Was fehlte war Zeit, um die Stadt, das Land und den Kontinent kennenzulernen: Lediglich unmittelbar nach Ankunft in Kapstadt und auf dem Weg zum Flughafen zur Rückreise konnte ich einige wenige, dafür umso intensivere Eindrücke sammeln. Es ist mir ein Bedürfnis all denen, die vor Ort und zu Hause zum Erfolg meiner Reise beigetragen haben, ganz herzlich zu danken. Nur so konnten wir drei Vorstände uns gemeinsam ganz auf die jeweiligen Themen und Begegnungen konzentrieren und für das DLR und darüber hinaus wirksam werden.

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Über den Autor

Im Jan-Wörner-Blog bloggt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich "Jan" Wörner, selbst - kein Schwindel! Seit dem 01. März 2007 ist er Vorsitzender des Vorstandes des DLR. zur Autorenseite

Kommentare

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K.S.
09. November 2011 um 16:47 Uhr

Kommentar zum Interview "Masters with Masters"

Es ist die Bereitschaft sich selbst in Frage zu stellen, sich von vorhandenen Sichtweisen zu lösen und wie Sie richtig sagen "neue Wege zu gehen", den Horizont zu erweitern, andere Meinungen erstmal ernst zu nehmen und erst nachdem Sie diese vollkommen wiederlegt haben aus dem Bewusstsein zu entfernen, eine humanitäre Lebenseinstellung zu vertreten, andere Menschen zu achten und zu wertschätzen, die einen evolutiven Sprung erst möglich macht.
An Ihrer Person, Herr Prof. Dr. Wörner, sieht man dies sehr deutlich.
Anfangs (als Kind, wo sie noch "frei" träumen konnten) haben Sie geträumt und Gott sei dank nie das "Träumen" ganz verlernt. Sie haben die Autonomie, von der Sie sprechen, in sich, was bedeutet das Sie sie leben. Weiter haben Sie mit dem Studium des Bauingenieurwesens und der Leitung der Universität Darmstadt zwar Fortschritte gemacht, jedoch immer eine "offene" Sichtweise behalten, da Sie nicht primär mit der Luft- und Raumfahrt zu tun hatten.
Diese Sichtweise von Außen hat Sie Dinge erkennen lassen, die Fehler im System, die daraus Resultierenden Verbesserungen haben Sie eingebracht.
Das war ein evolutiver Sprung (nicht nur für Sie).
Nicht zuletzt ein gewisses Quäntchen Humor, die Einstellung sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und die Überzeugung das Richtige zu tun lassen evolutive Sprünge zu.
Daher sind Sie auch Vorstandsvorsitzender des DLR geworden.


Beste Grüße,

K. S.

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