Jan Wörner Blog | 20. Dezember 2012 | von Jan Wörner | 1 Kommentar

Alle Jahre wieder…Teil 3, so geht’s weiter!

Teil 1 und Teil 2 meiner Blogserie "Alle Jahre wieder" haben positive, aber auch negative Aspekte des Jahres 2012 benannt. Wie aber kann es jetzt weitergehen? Was ist zu tun, um die positiven Aspekte zu vermehren und die negativen in Quantität und Qualität zu minimieren? Das Rezept dazu stand schon zu Beginn meiner Amtszeit im März 2007 und lautete: "Von der staatlichen Einrichtung in ministerieller Verantwortung und Steuerung zu einem selbstständigen, eigenverantwortlichen, innovativen Zentrum mit öffentlichem Auftrag."

Das DLR ist auf den ersten Blick ein komplexes Gebilde: Forschungszentrum, Raumfahrtmanagement und Projektträger unter einem Dach, 16 Standorte in Deutschland sowie eine Mischfinanzierung aus Bundes- und Landesmitteln. Entsprechend dieser Struktur wirken unterschiedliche Einheiten auf Bundes- und Landesebene auf der Grundlage unterschiedlicher Zuständigkeiten ein: Für den Bereich Forschungszentrum gilt die Rechtsaufsicht des Bundes, für die Aufgaben im Bereich Raumfahrtmanagement tritt zusätzlich die Fachaufsicht durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) hinzu, und im Bereich Projektträger arbeiten wir nach Detailvorgaben des jeweiligen Ministeriums. Diese Gesamtkonstruktion ist - und das zeigt die gegenwärtige Situation - nur solange erfolgreich, wie in den verschiedenen Institutionen ein gemeinsames Verständnis herrscht. Meine nunmehr fast 20-jährige Erfahrung im Wissenschaftsmanagement - als Universitätspräsident und Vorstandsvorsitzender - hat mir ein klares Bild der Erfordernisse erfolgreichen Arbeitens in der Wissenschaft gegeben. Antoine de Saint Exupéry hat das in einem einfachen Satz zusammengefasst: "Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen."

Jan Wörner mit einem DLR-Keks, die ihm Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DLR-Instituts für Flughafenwesen und Luftverkehr nach seiner Weihnachtsansprache am 20.12.2012 überreichten. Bild: DLR, CC-BY.Der hessische Landtag hat in meiner Zeit als Universitätspräsident mit dem einstimmig verabschiedeten TU-Darmstadt-Gesetz gezeigt, wie diese Vision in die Realität umgesetzt werden kann: Man gibt der Einrichtung weitest mögliche Entscheidungskompetenzen, ohne auf die nicht zuletzt aufgrund der Finanzierung durch Mittel des Steuerzahlers erforderliche Kontrolle zu verzichten. Mit dem Wahlprogramm der FDP zur aktuellen Legislaturperiode und den Ankündigungen im Rahmen der Erarbeitung des Wissenschaftsfreiheitsgesetzes keimte die Hoffnung auf, dass ein ähnlicher Weg auch mit den Großforschungseinrichtungen wie dem DLR eingeschlagen werden könnte.

Tatsächlich hat sich auf Länderebene der Gedanke "Mehr Eigenverantwortung bei klaren Organisationsstrukturen und geordneten Kontrollinstrumenten" weitgehend durchgesetzt und in entsprechenden Hochschulgesetzen seinen Niederschlag gefunden.

Der entsprechende Schritt für die Bundesebene ist dringend notwendig, erfordert aber auch ein Umdenken innerhalb der Einrichtungen: Mehr Eigenverantwortung heißt eben nicht Beliebigkeit oder vollständige Freiheit, sondern erfordert auch innerhalb der Einrichtungen Strukturen und Verfahren, die den Anforderungen gerecht werden, frei nach dem Motto: "Verantwortung ist wie eine Primzahl, sie ist nicht teilbar." Der gern gemachte Vorschlag, Kollegialorgane mit gemeinsamer Verantwortung zu etablieren, klingt nur im ersten Ansatz plausibel und ist für übergeordnete Stellen im Sinne von "Divide et impera" nützlich. Am Ende muss die Verantwortung jedoch immer persönlich zugeordnet sein.

Die Gesamtkonstruktion benötigt keine externe Detailsteuerung, deren Spuren der Verantwortung sich im Dschungel von Abteilungen im Ministerium verlieren, sondern Vorgaben und Ziele, deren Erreichung dann eigenverantwortlich realisiert und regelmäßig berichtet wird. Die angebliche Sorge um die womöglich nicht sachgerechte Ausgabe von Mitteln des Ministeriums ist als Argument nicht wirklich hilfreich, da der Steuerzahler ja auch nicht im Tagesgeschäft nach seiner Meinung für Details gefragt wird, sondern aufgefordert ist, am Ende einer Legislaturperiode seine Auffassung über die Regierung und deren Zielerfüllung durch die Wahl zu artikulieren.

Mein Credo lautet daher nach wie vor: Durch klare Ziele steuern, effiziente und effektive Strukturen etablieren, Detailsteuerung vollständig aufgeben und eine regelmäßige Erfolgskontrolle durch sachgerechte Kontrollinstrumente sicherstellen. Dieses ist eine Aufforderung an die externe wie interne Situation des DLR.

Bei konsequenter Anwendung dieses Prinzips könnte das DLR noch besser werden und den Einsatz öffentlicher und privater Mittel durch entsprechende Arbeitsergebnisse rechtfertigen. Dazu braucht es keinen Mut, da kein Risiko erkennbar ist, sondern lediglich eine konsequente Umsetzung politisch annoncierter Aussagen.

Auch denjenigen Leserinnen und Lesern, die nur Teil 3 meiner vorweihnachtlichen Blogserie gelesen haben, möchte ich an dieser Stelle eine schöne Adventszeit und frohe Weihnachten wünschen.

Bild oben links: Weihnachtliches DLR-Logo. Credit: DLR.
Bild Mitte rechts: Jan Wörner mit einem der Kekse, die ihm Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DLR-Instituts für Flughafenwesen und Luftverkehr nach seiner Weihnachtsansprache am 20.12.2012 überreichten. Bild: DLR, CC-BY.

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Über den Autor

Im Jan-Wörner-Blog bloggt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich "Jan" Wörner, selbst - kein Schwindel! Seit dem 01. März 2007 ist er Vorsitzender des Vorstandes des DLR. zur Autorenseite

Kommentare

1 Kommentar
Jerzy Zywicki
20. Dezember 2012 um 23:25 Uhr

Sehr geehrter Herr Prof. Wörner,
wäre es möglich eigene-DLR Forschungsergebnisse verstärkt zu vermarkten?

Auszug aus dem Buch „Start-Up Nation Israel – was wir vom innovativsten Land der Welt lernen können“ (Dan Senor, Saul Singer):

„… die Hebräische Universität rief eine Gesellschaft für Technologietransfer namens Yissum (hebräisch für ‚Durchführung’) ins Leben. Yissum nimmt jedes Jahr mehr als eine Milliarde Dollar mit dem Verkauf von Forschungsergebnissen der Universität und hat mittlerweile 5500 Patente und 1600 Erfindungen eintragen lassen (…). In einem Ranking der Universitäten mit den meisten Patentanmeldungen im Bereich der Biotechnologie belegten die Hebräische Universität und Yissum zuletzt den zwölften Rang nach zehn amerikanischen und einer britischen Hochschule.“


Mit freundlichen Grüßen,
J. Zywicki

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