Jan Wörner Blog | 26. März 2010 | von Jan Wörner | 1 Kommentar

Als vierter Mensch auf dem Mond … eine Erfahrung für immer

Alan Bean, Gasometer Oberhausen
Alan Bean, Gasometer Oberhausen

Am 24. März 2010 besuchte Alan Bean, der als vierter Mensch mit Apollo auf dem Mond war, den Gasometer in Oberhausen. Neben der persönlichen Begegnung (es war für mich das dritte Treffen mit einem Astronaut der Apollo-Missionen und wie immer beeindruckend) konnte ich einen begeisterten und begeisternden Zeugen unglaublicher Pioniertat erleben, der in seinem Vortrag weit mehr als nur einen Erlebnisbericht einer außergewöhnlichen Mission präsentierte.

Alan Bean betrat am 19. November 1969, nur wenige Monate nach Neil Armstrong und Buzz Aldrin, die Mondoberfläche. Der Zeitpunkt der Mission Apollo 12 war unmittelbar im Anschluss an Apollo 11 geplant worden, um für den Fall eines Misslingens der Apollo 11-Mission den "Sieg" im Wettlauf um den Mond nicht zu verlieren. Zwar ging Alan Bean (jetzt 79) auf diese Besonderheit wie auch auf die Tatsache, dass der Versuch, erstmalig Farbfernsehbilder live zu senden, durch eine unachtsame Ausrichtung der Kamera in das direkte Sonderlicht scheiterte, bei seinem Vortrag in Oberhausen nicht weiter ein, erläuterte aber gleichwohl neben den bekannten und eher unbekannten positiven Höhepunkten wie beispielsweise der Landung nahe an der robotischen Surveyor 3-Sonde persönliche Eindrücke, die bei genauem Hinhören einen sehr guten Einblick in seine Vorstellungen und damit verbundene Botschaften erlaubte.

Alan Bean und Jan Woerner im Gasometer Oberhausen, März 2010. Bild: DLR.Nachmittags hatte Alan Bean schon einen Vortrag vor Schülern gehalten, bei dem, wie ein Austausch mit Thomas Reiter zeigte, er zwar dieselben Bilder, aber andere verbale Inhalte präsentierte: Während er bei seinem Schülervortrag die Reise und die Begeisterung für die Mission als solche in den Mittelpunkt stellte, so kam es ihm bei dem abendlichen Vortrag im Gasometer offensichtlich darauf an, die Botschaft von "Leadership" als die Grundlage erfolgreicher Arbeit zu vermitteln. Immer wieder kam er auf diesen Begriff zu sprechen und ich hatte, wie vermutlich viele andere die seinem Vortrag lauschten das Gefühl, dass er diese Botschaft ganz persönlich für mich formulierte. Er brachte in dem Vortrag, der aus Fotografien und von ihm gemalten Bildern bestand, immer wieder seine Einschätzung von Zusammenarbeit im Team und der Bedeutung von Management und Personalführung zum Ausdruck. Dabei überzog er die geplante Länge seines Vortrags um mehr als 200 Prozent und trotzdem schaute ich zu keinem Zeitpunkt unruhig auf die Uhr (erst hinterher wurde mir bewusst, dass es für mich unerwarteterweise knapp würde, den Zug zu erreichen).

Der letzte Vortrag, der mich in ähnlicher Weise erreicht hat, liegt fast 15 Jahre zurück, damals vom Präsidenten der Stanford University Gerhard Casper gehalten, dessen Charisma unmittelbar berührte. Bei Alan Bean beeindruckte mich die Klarheit seiner Aussagen, in denen Visionen und dazu erforderliche Handlungen der Ausführenden und der "Entscheider“ ineinander übergingen, ohne dass die Verantwortungen für die Einzelnen verlorengingen. Das mag für jemanden, der den Vortrag nicht gehört hat, kryptisch oder sogar unlogisch klingen, für mich aber war es ein besonderes Erlebnis.

Weitere Informationen: DLR-Presseinformation vom 24.03.2010, DLR Webportal-Reportage "Ein Stück Mond in Oberhausen"

Weitere Informationen zu Alan Bean: NASA, The Alan Bean Gallery.

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Über den Autor

Im Jan-Wörner-Blog bloggt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich "Jan" Wörner, selbst - kein Schwindel! Seit dem 01. März 2007 ist er Vorsitzender des Vorstandes des DLR. zur Autorenseite

Kommentare

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Daniel Fischer
26. März 2010 um 19:46 Uhr

Auch bei seinem nachmittäglichen Vortrag (siehe auch http://skyweek.wordpress.com/2010/03/24/als-der-mondmann-nach-oberhausen-kam) - bei dieser Gelegenheit: herzlichen Dank an's DLR für das Ermöglichen dieser sagenhaften Veranstaltung! - hatte Bean durchaus eine tiefere Botschaft, die er ganz ohne Pathos aber mit Nachdruck am Beispiel der ersten Apollo-Missionen vermittelte: Man kann unglaublich viel erreichen, wenn man es nur wagt. Ob er damit nicht nur die begeistert an seinen Lippen hängenden Schülergruppen und Weltraumfans sondern auch das Raumfahrtmanagment und die Politik dies- und jenseits des Atlantiks meinte, ließ er allerdings offen ...