TanDEM-X Blog | 11. Mai 2010 | 2 Kommentare

TanDEM-X ist auf dem Weg nach Baikonur!

Mittlerweile ist der 1350 Kilogramm schwere Satellit wohlbehalten in einem klimatisierten Spezialcontainer verpackt am Flughafen München Franz Josef Strauß angekommen und wird heute um 18 Uhr an Bord einer Antonov AN-124 in Richtung Baikonur starten. Unmittelbar nach der Landung am 12. Mai 2010 beginnt dann die „Launch Kampagne“, das heißt: Auspacken, mit Hydrazin betanken und abschließende Tests durchführen. Eine Woche vor dem Start erfolgt der Transport zum Silo, in dem schon die Trägerrakete vom Typ Dnepr-1 wartet. Der Satellit wird auf der Rakete installiert, die Batterien geladen, allerletzte Tests durchgeführt und die Daumen gedrückt!

Schon die letzten Wochen waren hart für TanDEM-X: Bei der Firma IABG mbH in Ottobrunn bei München musste der Satellit Tests unter simulierten Weltraumbedingungen überstehen. Rüttel- und Schallfestigkeitstests standen ebenfalls auf dem Programm um sicherzustellen, dass er den Belastungen, die beim Start auftreten, tatsächlich standhält. Aber auch das Zusammenspiel des Satelliten mit dem Kontrollraum in Oberpfaffenhofen wurde bereits erfolgreich via Datenleitung erprobt - eine wichtige Voraussetzung für die Aufnahme des Satellitenbetriebs nach der Trennung von der Trägerrakete.

Am 21. Juni 2010 um 8.14 Uhr lokaler Zeit in Baikonur, beziehungsweise 4.14 Uhr deutscher Zeit ist es dann soweit - der Startknopf wird gedrückt und die Rakete per Druckladung aus dem Silo katapultiert. Die Raketenmotoren zünden, und der Flug in südlicher Richtung in die Umlaufbahn um die Pole der Erde beginnt. Eine Viertelstunde später, auf Äquatorhöhe, östlich von Afrika, ist der Orbit erreicht, und der Satellit wird im All ausgesetzt. Er überquert Madagaskar, und dann werden wir gespannt auf seine ersten Signale warten, die wir frühestens nach einer weiteren Viertelstunde mit der norwegischen Bodenstation "Troll" in der Antarktis empfangen können. Der zweite Kontakt mit einer Bodenstation findet über Svalbard (Spitzbergen) statt, denn erst müssen die Antarktis und der Pazifik, jetzt in nördlicher Richtung, überflogen werden.

Aber schauen wir fürs Erste nach Baikonur: Von hier aus meldet sich für den nächsten Blogeintrag Michael Bartusch. Er ist Projektleiter der TanDEM-X-Mission und begleitet den Satelliten in den nächsten Wochen.

Bild: Der TanDEM-X-Satellit wurde im klimatisierten Spezialcontainter zur Verladung an den Münchner Flughafen transportiert. Bild: Astrium.

TrackbackURL

Kommentare

2 Kommentare | RSS-Feed Kommentare
Daniel Schiller
17. Mai 2010 um 07:17 Uhr

Hallo, da habe ich wieder eine Frage zur Bahn: Wie breit ist das Startfenster für TanDEM-X? Ihr werdet wahrscheinlich "gerade so" an der Bahn von TerraSAR-X "vorbei schießen", um die horizontale Separation der Bahnebenen am Äquator zu erreichen. Wie viel "Fehler" in der Knotenlage könnt ihr euch für TanDEM-X erlauben, bzw. kann der Satellit im Nachgang durch Manöver kompensieren.

Vielen Dank

Stefan Buckreuss, TanDEM-X Mission Manager
19. Mai 2010 um 11:48 Uhr

Hallo Herr Schiller, die Antwort hat etwas auf sich warten lassen, aber für eine fundierte Antwort muss ich schon meinen Kollegen Ralph Kahle vom Germann Space Operations Center (GSOC) des DLR, Bereich Flugdynamik, hinzuziehen. Hier seine Antwort von Experten zu Experten:
"Der aufsteigende Knoten ist wirklich sehr kritisch. Beim Einschuss des TanDEM-X muss die Länge des aufsteigenden Knotens (kurz LTAN) der TerraSAR-X-Bahn auf 10 Sekunden genau getroffen werden. Die Satelliten sind aus Sicherheitsgründen zu diesem Zeitpunkt in Flugrichtung um mehrere tausend Kilometer getrennt. Beim Zusammenführen der Bahnen können teilweise LTAN-Ungenauigkeiten treibstoffsparend durch eine Knotendrift kompensiert werden."
Im Laufe der Mission wird auch Ralf Kahle bloggen, wenn interessante Manöver anstehen. Wir können gespannt sein auf seine Beiträge.