Komm Blog | 02. Februar 2011

DLR_next: Info mit integriertem Spaßfaktor

DLR_next
DLR_next

Kürzlich rief mich früh am Morgen die Mutter eines zehnjährigen Jungen an: Sie habe da ein Problem, von dem sie mir berichten wolle. Auf das Schlimmste gefasst hörte ich alarmiert und hellwach zu. Eigentlich sei es ja ein "positives Problem", meinte sie - ich spürte Anzeichen von Erleichterung, aber auch, wie das Fragezeichen in meinem Kopf größer wurde. "Ich bekomme nämlich meinen Sohn nicht mehr vom PC weg! Er ist von DLR_next geradezu infiziert", teilt sie mit - verbunden mit der Bitte nach Zusendung von Postern und weiteren Informationen "was immer sie sonst noch haben".

Und schlimmer noch: Auch ihr Mann zeige schon erste Symptome ... Rund ein Jahr hatte ich auf diesen Anruf gewartet. Denn so lange hatte es gedauert, um unser neues DLR-Jugendportal im Internet zu konzipieren, Texte zu schreiben, Fotos und Filme auszuwählen und die neue Website namens DLR_next schließlich an den Start zu bringen. Jetzt zeigen Anrufe wie der oben erwähnte - und auch viele andere Reaktionen: Unser Konzept scheint aufzugehen.

Welches Konzept? Zunächst einmal ganz allgemein, dass wir als DLR natürlich mit Blick auf die Nachwuchsförderung die spannendsten Aspekte unserer Forschung gerade auch jungen Leuten vermitteln wollen. Und insbesondere, dass wir dabei auch das Web verstärkt nutzen müssen - neben den DLR_School_Labs als unserem "Flaggschiff" in der Jugendarbeit sowie Unterrichtsmaterialien und vielen anderen Maßnahmen (vom akademischen Feld mit Angeboten für Studenten und unserem DLR_Graduate_Program für Doktoranden an dieser Stelle mal ganz zu schweigen). Schließlich ist das Internet für die junge Generation das Medium erster Wahl, in dem sie fast permanent unterwegs ist - und wer die Jugend erreichen will, muss eben auch da altersgerecht präsent sein.

Wie aber sollte ein solches Internet-Angebot aussehen, damit es bei aller Kompliziertheit unserer Themen für junge Leute "konsumierbar" ist? Auf der Gratwanderung zwischen der Innenwelt des DLR und der Außenwelt, zwischen seriös und populär - da ist es nicht immer einfach, einfach zu formulieren und quasi am Rande der fachlichen Korrektheit entlang verständlich zu bleiben. Und nicht nur verständlich, sondern auch begeisternd! Faszinierend! Interesse an weiterer Vertiefung auslösend! Jüngere Leser dürfen da nicht überfordert werden und abschalten, etwas ältere sich nicht langweilen und abwenden. Dabei war natürlich auch klar: Selbst mit noch so guten Lektüre-Texten allein ist es in unserer multimedialen Welt nicht mehr getan: Bilder, Videos, animierte Grafiken und interaktive Features - nur in dieser Mixtur aus Info mit integriertem "Spaßfaktor" spricht man die Jugend an und kann sich gegen die allseitige Reizüberflutung behaupten, der die "Post-MTV-Generation" heutzutage ausgesetzt ist.

DLR_next

Es ging und geht uns übrigens dabei - wie in all unseren Maßnahmen zur Nachwuchsförderung - nicht nur darum, junge Leute für das DLR zu begeistern. Es geht auch nicht nur darum, im Interesse unserer wissensbasierten Ökonomie das Problem des Fachkräftemangels beheben zu helfen. Es geht vor allem auch um die jungen Leute selbst: Wir wollen sie die "Faszination Forschung" erleben lassen, ihnen die Möglichkeiten vorstellen, die sich hier für ein erfülltes und faszinierendes Berufsleben bieten. Letztlich sind dies schließlich Perspektiven für das Leben selbst! Wer sich dann anders entscheidet: kein Problem! Es gibt auch andere spannende Tätigkeiten. Wer aber - auf diese Weise für Forschung begeistert - hier Perspektiven für seine eigene berufliche Zukunft entdeckt: umso besser!

Wie auch immer. Mit all diesem "Gedankenballast" im konzeptionellen Gepäck hatten wir - eine kleine Arbeitsgruppe im DLR und die auf das Internet spezialisierte Agentur anyMOTION - DLR_next aufgebaut und schließlich online geschaltet. So weit, so gut. Doch wie würde die "Außenwelt" dieses neue Informationsangebot annehmen? Die erste Reaktion kam gleich am nächsten Morgen - von einem übernächtigten Surfer, der bemängelte, dass da ja gar kein Forum enthalten sei, in dem man seine eigene Meinung äußern könne. Alles daher an der Jugend vorbei und praktisch für die Tonne! Das baut auf ... Als nächstes rief ein geschätzter Wissenschafts-Redakteur aus der altehrwürdigen FAZ an - nicht gerade primäre Zielgruppe, dafür aber hellauf begeistert: Er bat noch um ein gutes Foto und schrieb etwas später eine sehr wohlwollende Kritik. Andere Zeitungen und Zeitschriften folgten - diesmal auch "jüngeren" Zuschnitts aus dem Bereich der Jugendpresse. Immer wieder mit positivem Tenor. Andere Webseiten platzierten Hinweise und Links, Bildungsserver der Bundesländer nahmen DLR_next als Empfehlung für Lehrer auf, die sich inzwischen auch häufig per Email oder Telefon melden und für die multimediale Ergänzung zum Unterricht danken. Auch DLR-Institute schreiben mir Mails - vielen Dank dafür. Die neuen Internetseiten seien bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch nicht bekannt genug und man wolle auf der eigenen Institutsseite einen Link darauf setzen. Aber bitte! Aber gerne!

Und nun, ein paar Monate nach Start, stapeln sich mehrere hundert Fragebögen auf meinem Schreibtisch zu einem Papierturm, der sich bedrohlich à la Pisa - gemeint ist der Turm und nicht die Studie - zur Seite neigt: ausgefüllt von Jugendlichen. Sie sollten DLR_next bewerten und Schulnoten geben - zum Design, zu Inhalten und auch insgesamt. Die Kreuze sind mal gerade und mal wackelig, mit Bleistift, Kuli oder Filzschreiber zu Papier gebracht. Sie stammen von Jungen und Mädchen, von 10-jährigen Kindern und 18-jährigen jungen Erwachsenen, ausgefüllt irgendwo zwischen Lampoldshausen und Neustrelitz, Köln und Braunschweig, mal im Unterricht, im Schulbus oder zu Hause am Schreibtisch. Doch eines haben die Kreuze gemeinsam: Sie sitzen so gut wie immer ganz links, wo die Kästchen mit den Noten "eins" oder "zwei" stehen. Lediglich einige Kleinigkeiten werden da bemängelt, die wir nun noch abstellen werden. Viel Mühe haben sich die "Kids" gegeben - und interessante Wünsche, was sie in Zukunft gerne auch noch auf DLR_next lesen wollen. Wir arbeiten schon daran. Und auch auf anderen Wegen meldet sich die Zielgruppe ziemlich euphorisch: "Ihr habt schönstes Sonnensystem der Welt!", schrieb neulich ein Jugendlicher per Mail zu dem Multimedia-Feature, bei dem man per Klick virtuell zu fernen Planeten und Monden reisen kann. "Ich kann mich gar nicht sattlesen", meint ein anderer. Auch einer der bekanntesten Science-Blogger Deutschlands, Florian Freistetter, empfahl DLR_next kürzlich seiner Online-Community: Bisher habe man so etwas Großartiges nur von NASA gekannt. DLR müsse sich aber nun mit DLR_next nicht mehr verstecken.

Rund 10.000 Besucher zählt unser junges Portal inzwischen pro Monat. Viele, aber noch lange nicht genug. Auch daran müssen wir noch arbeiten. Außerdem sind neue Inhalte in Vorbereitung - nur so bewegt man junge Surfer bekanntlich zur Wiederkehr. Und auch das anfangs vermisste Forum haben wir inzwischen etabliert - wenn auch nicht innerhalb des Portals, sondern vielleicht noch wirksamer externe Plattformen nutzend, auf denen sich die Zielgruppen ohnehin tummeln: So ist DLR_next seit einiger Zeit auf Twitter präsent, wo eine wachsende Fangemeinde munter die verschiedenen Themen diskutiert. Gelegentlich bis tief in die Nacht, so dass ich dann rigoros abbrechen muss, um am folgenden Morgen für die nächsten Anrufe "positiv besorgter" Eltern wieder gewappnet zu sein ...

Bilder: Schüler experimientieren im DLR_School_Lab Braunschweig. Screenshots DLR_next: Startseite und Multimedia-Seite. Alle Bilder: DLR. Ein ähnlicher Text erschien bereits als Gast-Beitrag im Blog "Astrodicticum Simplex".

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