Energie Blog | 06. Dezember 2010 | von Jan Oliver Löfken | 4 Kommentare

Energie-Frage der Woche: Wer braucht in Deutschland wie viel Strom?

Seit 1990 ist der Stromverbrauch in Deutschland um etwa ein Drittel gestiegen. Trotz effizienter Geräte wie Kühlschrank, Energiesparlampen oder Computer prognostiziert der Verband der Elektrotechnik (VDE) bis zum Jahr 2025 eine weitere Zunahme des Strombedarfs um fast 30 Prozent. Hier schlummert ein enormes, heute noch nicht genutztes Sparpotenzial. Doch wer verbraucht in Deutschland eigentlich den meisten Strom?

Vom Windpark bis zum Atommeiler werden in deutschen Kraftwerken jährlich etwa 650 Milliarden Kilowattstunden (TWh - Terawattstunden) Strom erzeugt. Nach Abzug des Eigenverbrauchs der Kraftwerke und von Netzverlusten bei der Übertragung bleiben rund 550 TWh für die Verbraucher übrig. Knapp die Hälfte davon (2008 waren es 256 TWh) fließt in die Industrieunternehmen, von der Stahlhütte bis zur Autofabrik. Der Bedarf von Landwirtschaft, öffentlichen Einrichtungen und gewerblichen Kleinverbraucher summiert sich auf gut 130 TWh. Der Verkehrssektor – vor allem der Betrieb des Bahnnetzes – entnimmt dem Netz jedes Jahr etwa 17 Milliarden Kilowattstunden. Und die Summe aller Haushalte erhält aus der Steckdose knapp 140 TWh.

Aufschlüsselung des elektrischen Energieverbrauches in deutschen Single-Privathaushalten (2006), Quelle: Energie-Agentur NRW. Bild: Markus Schweiss.

Aufschlüsselung des elektrischen Energieverbrauches in deutschen Single-Privathaushalten (2006), Quelle: Energie-Agentur NRW. Bild: Markus Schweiss. 

Sparpotenzial liegt bei den privaten Haushalten

Obwohl die Industrie schnell auf steigende Strompreise reagiert und energiesparende Prozesse allein aus Kostengründen zügig einführt, wird sie auch in den nächsten Jahren der größte Stromverbraucher bleiben. So verstärkt sich die Aufmerksamkeit vor allem auf das Sparpotenzial der privaten Haushalte. Und tatsächlich war der Stromverbrauch in diesem Bereich von 2008 auf 2009 leicht rückläufig von 140 auf 138 TWh. Um die dennoch durch mehr Einzelhaushalte und mehr elektrisch betriebenen Geräte prognostizierte Steigerung im Rahmen zu halten, sind weitere Sparmaßnahmen nötig.

Laut Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI) könnten mit modernen Geräten im privaten Sektor sogar bis zu 60 Milliarden Kilowattstunden weniger gebraucht werden. Das entspricht etwa der Leistung von 24 Kraftwerksblöcken à 400 Megawatt. So könnte mit der kommenden Generation an Leuchtmitteln, den Leuchtdioden, der Strombedarf für die Beleuchtung von 50 TWh auf bis zu 10 TWh gesenkt werden. Weniger sichtbar wäre die Verwendung von effizienteren Heizungspumpen, die nur mit der Hälfte des heute benötigten Stroms auskämen und ein Sparpotenzial von knapp zwei TWh aufweisen. Werden Haushaltsgeräte wie Fön, Rührer oder Waschmaschine mit sparsameren Elektromotoren ausgestattet, ließen sich laut ZVEI sogar gut acht TWh weniger verbrauchen. Und nicht zuletzt ließe sich durch den Verzicht auf den Stand-By-Modus weitere fünf bis zehn TWh einsparen.

Allerdings müssten private Haushalte dazu mehr Geld für energieeffizientere Geräte ausgeben. Sollten die Strompreise weiter steigen, wird die Bereitschaft hierzu sicher steigen. Denn trotz allen Klimabewusstseins ist und bleibt der Griff der Stromversorger in den eigenen Geldbeutel noch immer das beste Argument zum Stromsparen.

Die DLR-Energiefrage der Woche im Wissenschaftsjahr "Die Zukunft der Energie"

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das Wissenschaftsjahr 2010 unter das Motto "Die Zukunft der Energie" gestellt. Aus diesem Anlass beantwortet der Wissenschaftsjournalist Jan Oliver Löfken in diesem Jahr jede Woche eine Frage zum Thema Energie in diesem Blog. Haben Sie Fragen, wie unsere Energieversorgung in Zukunft aussehen könnte? Oder wollen Sie wissen, wie beispielsweise ein Wellenkraftwerk funktioniert und wie effizient damit Strom erzeugt werden kann? Dann schicken Sie uns Ihre Fragen. Wissenschaftsjournalist Jan Oliver Löfken recherchiert die Antworten und veröffentlicht sie jede Woche in diesem Blog.   

Bild oben: Benjamin Monteil.

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Über den Autor

Der Energiejournalist Jan Oliver Löfken schreibt unter anderem für Technologie Review, Wissenschaft aktuell, Tagesspiegel, Berliner Zeitung und das P.M. Magazin. Derzeit diskutiert er im DLR-Energieblog aktuelle Themen rund um die Energiewende. zur Autorenseite

Kommentare

4 Kommentare | RSS-Feed Kommentare
Franz Josef Schmidt, Email: fj_schmidt@web.de
06. Dezember 2010 um 19:20 Uhr

Die Grafik mag für einen Single-Privathaushalt in 2006 zutreffen, zu meiner Situation jedenfalls finde ich keine Entsprechung: Einfamilienhaus in Leverkusen, Nachtstrom-Speicherheizung seit 1973, Ein-Zählermessung, Verbrauch in 2009/2010 30.000 kWh = 4.000 kWh HT + 26.000 kWh NT. Erhöhung der Umlage für EEG ab 2011 um ca 540 € auf ca 1.050 € pro Jahr! Welche Rentenerhöhung ist dafür erforderlich oder wie ist diese Kostenexplosion zu vermeiden???

Jan Oliver Löfken
08. Dezember 2010 um 11:44 Uhr

Sehr geehrter Herr Schmidt, eine Nachtstromspeicherheizung zählt nicht mehr zu den kostengünstigen Varianten. Und bis das Stromnetz so intelligent ist, dass solche elektrischen Heizungen gezielt nur Strom in Billigphasen zieht, werden sicher noch einige Jahre vergehen. Heute wären Alternativen mit kleinen Holzpellet-Heizungen oder gar ein Kamin mit wärmenden Abzug interessant, obwohl sie auch nicht billig zu haben sind. Die Entwicklung der EEG-Umlage macht nicht nur Ihnen Sorge. Da im Jahr 2010 die Photovoltaik-Förderung deutlich gesenkt wurde, sind wohl für 2011 keine allzu großen Steigerungen der EEG-Umlage zu erwarten. Dennoch ist es zum Erreichen der Klimaziele ein Werkzeug, das leider nicht zum Nulltarif zu haben ist. Auf alle Fälle sollten Verbraucher regelmäßig die Angebote von Stromanbietern prüfen und einen Wechsel in Betracht ziehen. Das erhöht den Druck auf den Markt und hält die Preise in Grenzen. Besten Gruß, J.O.Löfken

Johannes Koukouliatas
16. März 2011 um 07:33 Uhr

Hallo Herr Löfken,
Im Moment sind wegen der Krise in Japan mehrere AKW abgeschaltet. Laut Ihrer Rechnung oben produzieren wir 7TWh mehr Strom als benötigt. Soweit ich weiß, produziert ein größeres AKW so 1-2GWh. Bei 17 AKWs in Deutschland könnten wir locker alle abschalten und hätten noch genügend Strom ?

Jan Oliver Löfken
16. März 2011 um 10:50 Uhr

Hallo Herr Koukouliatis,

etwas mehr Strom liefern die deutschen AKWs dann doch. Pro Jahr waren es 2009 rund 135 Terawattstunden, 2010 wegen der Probleme mit Krümmel und Brunsbüttel vielleicht etwas weniger. Aber dennoch wäre eine komplette Lücke von über 20 Prozent zu stopfen, wenn alle 17 AKW abgestellt würden. Das ist prinzipiell möglich, doch nicht von heute auf morgen. (s. andere Fragen Stromversorgung 2050). Besten Gruß, Jan Oliver Löfken