Energie Blog | 27. Dezember 2010 | von Jan Oliver Löfken | 2 Kommentare

Energie-Frage der Woche: Wird unser Energiehunger weiter wachsen?

Unser Energiebedarf verteilt sich im Wesentlichen auf drei Bereiche: Strom, Wärme und Treibstoffe. Jeder Bundesbürger benötigt für sein mobiles Wohlstandsleben etwa eine Leistung von 6000 Watt. Ein Bewohner der Vereinigten Staaten von Amerika kommt sogar auf fast das Doppelte. Dagegen stehen den Menschen in Entwicklungsländern, wie beispielsweise dem Tschad, nur elf Watt zur Verfügung. Brauchen wir immer mehr Energie?

Eine grobe Umrechnung der weltweit nutzbaren Energie auf alle Menschen ergibt, dass jeder der knapp sieben Milliarden Erdenbewohner derzeit etwa über 2000 Watt Leistung verfügen könnte. Die Technologie, um mit dieser Energie einen hohen Lebensstandard zu erreichen, steht zur Verfügung. Allein eine gerechte Verteilung ist aus heutiger Sicht eine allzu utopische Vision, da sie gerade in den Industrienationen kurzfristig nur über Verzicht, beispielsweise auf Mobilität oder aufwendig importierte Waren, erreichbar wäre.

Energiesparbox: Das Niederländische Umweltministerium verteilte diese Energiesparboxen an 10.000 Haushalte, mit dem Ziel, Energieeinsparpotentiale besser auszunutzen. Enthalten ein waren unter anderem Energiesparleuchten und ein Gerät, das den Standby-Betrieb von Fernsehgeräten unterbindet. Quelle: Mtcv.

Energiesparbox: Das Niederländische Umweltministerium verteilte diese Energiesparboxen an 10.000 Haushalte, mit dem Ziel, Energieeinsparpotentiale besser auszunutzen. Enthalten ein waren unter anderem Energiesparleuchten und ein Gerät, das den Standby-Betrieb von Fernsehgeräten unterbindet. Quelle: Mtcv.

Zeitpunkt mit höchstem Energiebedarf in Deutschland scheint überschritten

Heute leben wir im Zeitalter des höchsten Energiebedarfs der Menschheit. Dennoch scheint zumindest in Deutschland der Höhepunkt überschritten. So sank 2008 erstmals der Bruttostrombedarf bundesweit um ein halbes Prozent. 2009 setzte sich dieser Trend fort. Der gesamte deutsche Energiebedarf einschließlich der Treibstoffe pendelt seit 2007 um etwa 14.200 Petajoule. Ein eindeutiger Abwärtstrend ist hier nicht auszumachen. Immerhin steigt der Anteil erneuerbarer Energieträger zur Deckung dieses Bedarfs langsam an und hat 2009 einen Anteil von etwa neun Prozent erreicht. Tendenz: gemächlich steigend.

Ein Blick in die Zukunft ist nicht einfach. Doch zeichnet sich ab, dass der Energiebedarf in Deutschland derzeit stagniert und durch einen wachsenden Anteil nachhaltiger und klimafreundlicher Quellen gedeckt wird. Das Potenzial zur Senkung des Bedarfs wird dagegen wird nur zaghaft ausgenutzt. Selbst Einsparmaßnahmen mit geringen Auswirkungen, wie beispielsweise das EU-weite Verbot der Glühlampen, werden heftig diskutiert und schleppend umgesetzt. Eine Einschränkung der auf fossilen Treibstoffen basierenden Mobilität muss aus heutiger Sicht jedoch als praktisch unmöglich angesehen werden. So sind in Deutschland vor allem unter dem Druck des Klimawandels zwar kleine Fortschritte erkennbar. Aber von einer grundlegenden Energiewende und einer ausgeglichenen globalen Verteilung der Energie sind wir noch weit entfernt.

Wissenschaftsjahr "Zukunft der Energie": Jede Woche eine Frage, eine Antwort und 150 Kommentare

Im Wissenschaftsjahr "Die Zukunft der Energie" hat das DLR jede Woche eine Frage zum Thema Energie gestellt. Beantwortet hat sie Wissenschaftsjournalist Jan Oliver Löfken. Im Blog konnten die User Fragen und Kommentare publizieren, auf die wir geantwortet haben. Fast 150 Diskussionsbeiträge, Fragen und Antworten sind so zusammengekommen. Das Themenspektrum wollten wir möglichst breit halten, von der Energiestrategie der EU bis zu kuriosen Forschungsansätzen wie einem T-Shirt, das zum Kraftwerk wird. Ziel war, in diesem Jahr Energiethemen vielfältig, spannend, hintergründig und allgemein verständlich zu beleuchten.

Vielen Dank an alle Leser für ihr Interesse und ihre Beiträge. Unsere letzte Energie-Frage der Woche werden wir am 27. Dezember 2010 veröffentlichen. Das über ein Jahr zusammengetragene Wissen bleibt den Lesern im deutsch- und englischsprachigen DLR-Energieblog weiterhin zugänglich.

Bild oben Quelle: Marcus Obal

 

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Über den Autor

Der Energiejournalist Jan Oliver Löfken schreibt unter anderem für Technologie Review, Wissenschaft aktuell, Tagesspiegel, Berliner Zeitung und das P.M. Magazin. Derzeit diskutiert er im DLR-Energieblog aktuelle Themen rund um die Energiewende. zur Autorenseite

Kommentare

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A. Storz
10. Januar 2011 um 08:05 Uhr


Der Satz:
"Selbst Einsparmaßnahmen mit geringen Auswirkungen, wie beispielsweise das EU-weite Verbot der Glühlampen, werden heftig diskutiert und schleppend umgesetzt."
soll wohl als Argument dienen, um zu zeigen, dass Energieeinsparung nur schwer durchsetzbar ist. Diese Folgerung scheint mir aber mehr als fraglich. Wir Bürger werden heutzutage mit mehr und mehr Massnahmen konfrontiert, deren Sinn rational nicht nachvollziebar ist. Beispiel: Mülltrennung im Haushalt, damit etwa der Inhalt des Gelben Sacks in der Müllverbrennung wieder mit dem Restmüll zusammengeschüttet wird. Der Sinn der Energiesparlampenpflicht liegt wohl auch eher in der Konjunkturankurbelung als in der Energieeinsparung. Und dies spürt auch der Bürger. Eine Politik die nicht glaubwürdig ist wird wohl kaum die Menschen mitnehmen können.
MfG
A. Storz

Solarstrom Simon
17. Dezember 2011 um 16:39 Uhr

Ja der Energiehunger steigt Weiter! Moderne Heizung oder die Nutzung neuer effizienter Beleuchtungstechnik wie LED statt Glühlampen bringt was. Aber wir dürfen dies nicht nur Lokal in Deutschland sehen, sondern Global Weltweit. Gestern Deutschland Heute Europa morgen die Welt das sollte das Motto für die erneuerbaren Energieen sein. In Amerika dachte vor ein paar Jahren nicht an Solaranlagen, jetzt geht es dort auch trotzdem das es dort keine extra Vergütung gibt wie in Deutschland mit dem EEG. Vor kurzen erreichten wir die 7 Milliarden Weltbevölkerung. Wenn wir die Technik hier Entwickeln ist es der Erste Schritt um den Energiebedarf zu Lenken. Genauso ist es bei der Solartechnik zuerst in Deutschland , jetzt kommen die meisten Module aus Asien weil Sie dort günstiger mit Qualität gefertigt werden können.

mit sonnigen Grüßen aus Bayern München Olching Sepp - Solarstrom Simon

www.solarstrom-simon.de