Columbus Blog | 03. September 2015

Die dänische Herausforderung

Quelle: NASA/ESA–J. Blair
"Farvel", Andreas! Auf eine gute Mission!

Sommerpause am Columbus-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen? Mitnichten! Wir haben wieder einen guten Bekannten im All! Gestern startete der Däne Andreas Mogensen von Baikonur aus Richtung ISS - und diesmal ist alles anders. Denn in zehn Tagen wird der ESA-Astronaut schon wieder im Raumschiff auf dem Weg nach Hause sitzen...

Warum das? Üblicherweise bleiben Astronauten etwa ein halbes Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS. Darauf ist der normale "Flugplan" der Sojusraumschiffe ausgelegt - und auch ihre Zertifizierung bezüglich der maximalen Zeitspanne, die sie den Weltraumbedingungen ausgesetzt sein dürfen. weiterlesen

Columbus Blog | 09. Juni 2015

Die Nase vorn - Samanthas Rekordaufenthalt auf der ISS

Comic: Samantha auf ISS
Quelle: David Hagenström
Das (jetzt) außerirdische Meisterwerk - Unser Glückwunsch an Samantha

Wow, Weltrekord! Gratuliere, Samantha! Seit dem Wochenende ist die Italienerin die Rekordhalterin für die "längste weibliche Präsenz im All" - noch vor den an Langzeitaufenhalte gewöhnten Russen und der bisherigen Rekordhalterin Suni Williams, die es immerhin auf 195 Tage im Weltraum brachte. Jetzt hat die ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti die Nase vorn.

Grund genug für unseren Ground Controller David Hagenström, das denkwürdige Ereignis in einer Comic-Zeichnung festzuhalten. Und freilich sollte auch Samantha wissen, dass wir uns ihrer Leistung bewusst sind. Deswegen wollten wir das Comic zu ihr auf die Raumstation schicken. Kein grosses Problem. Das geht, oder? Die Antwort beginnt wie bei Radio Eriwan: "Im Prinzip ja, aber...". Denn eine Raumstation ist auch in Zeiten des Internets noch etwas ganz Besonderes, zumindest (oder im besonderen Maße?) für Raumfahrt-Enthusiasten. weiterlesen

Columbus Blog | 02. Juni 2015

Klempner im Nebenberuf - Astronauten auf der ISS

Chris Hadfield als Klempner im Columbus-Modul
Quelle: NASA
Auch Chris Hadfield hatte das Vergnügen als "Klempner" in Columbus zu arbeiten. Dabei schwebt er an der Stelle von Express Rack 3, das rechts unten noch zu erkennen ist. Rot-weiße Streifen tragen natürlich immer zur Arbeitssicherheit bei ...

Wenn ich mal viel Zeit habe - was ich da nicht alles machen würde! Dann könnte ich endlich mal das Buch über Spieltheorie lesen. Oder vielleicht Gitarre spielen lernen? Oder, oder, oder... Aber was geschieht auf der ISS, wenn unerwartet Crewzeit verfügbar wird?

Nachdem sich die Sojusstarts und -landungen nach hinten verschoben haben, stand plötzlich zusätzliche Crewzeit für die Astronauten auf der Internationalen Raumstation zur Verfügung. Aber das heißt nicht, dass Samantha und Co. endlich mal ausgiebig den tollen Ausblick auf die Erde genießen können, denn im Kontrollcenter haben wir eine lange Wunschliste von Dingen in unseren Schubladen, die wir schon lange einmal an Bord ausgeführt haben wollen: Wie wäre es denn, das Permanent Multipurpose Module (PMM), das eigentlich als Transportcontainer für das Space Shuttle konzipiert und nach dem Ende der Shuttle-Ära als zusätzlicher Stauraum am Node 2 belassen worden war, an den Node 3 zu verlegen und den Node 2 damit als zukünftigen Docking Port für sogenannte Visiting Vehicles freizumachen? Wir könnten den Videorekorder in Columbus endlich gegen einen Festplattenrekorder tauschen oder das Wasserventil ersetzen, das nicht mehr so arbeitet, wie wir wollen. weiterlesen

Columbus Blog | 29. Mai 2015

Schauen sie noch Videos - oder "streamen" sie schon?

Quelle: NASA
NASA-Astronaut Scott Kelly an Bord der Internationalen Raumstation ISS.

Machen wir doch mal einen Test zusammen, ob Sie ein "Innovator" sind (in unserer Uni-Arbeitsgruppe damals ein schwer umkämpfter Titel: Wer hatte die neuesten technischen Gimmicks...): Haben Sie eigentlich noch einen Videorecorder? Einen mit richtigen Bändern? Kassetten? Oder sagt Ihnen das gar nichts mehr? Bandsalat, rotierende Schreib-Leseköpfe und die Schreibschutzlasche sind Ihnen böhmische Dörfer? Naja, das qualifiziert Sie heutzutage wohl noch nicht wirklich zum "Innovator", aber Sie sind diesem wohl schon ein Stück näher als ein "VHS-Freak". weiterlesen

Columbus Blog | 14. Februar 2015

Servus, ATV!

ATV-4 Wiedereintritt 2013. Quelle: ESA/NASA

Zeit für Abschiede!! Nachdem Anfang der Woche schon das Transportraumschiff „Dragon“ die ISS verlassen hat, war es heute für den europäischen Transporter ATV so weit: Das Raumschiff mit dem klangvollen Namen Georges Lemaître wurde von der ISS abgekoppelt und wird nach mehreren Orbits in die Erdatmosphäre eintauchen. Dort wird das Raumfahrzeug durch die enorme Reibungswärme, verursacht durch die Abbremsung durch die oberen Luftschichten, in einem riesigen Feuerball aufgehen – ein würdiger Abschluss der Mission, die den Namen eines der Urväter der Urknalltheorie trägt! weiterlesen

Columbus Blog | 15. Januar 2015

Motto des Tages: "Don't Panic"

"Don’t panic" steht in grossen Lettern auf dem Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis", zumindest erzählt das der gleichnamige Science Fiction-Kultroman von Douglas Adams, den sich die derzeitige ISS-Besatzung als Pflichtlektüre verschrieben hat. "Don’t Panic" war auch das Motto des gestrigen Tages am Columbus-Kontrollzentrum (Col-CC) in Oberpfaffenhofen, wie auch in den anderen ISS-Kontrollzentren in Houston, Huntsville, Moskau und Tsukuba.  weiterlesen

Columbus Blog | 11. Dezember 2014

Sprechstunde bei Doktor Samantha ...

Quelle: NASA
Samantha bei ihrem medizinischen Notfalltraining in Houston

Astronauten sind Alleskönner: Raumfahrer, Idole, Installateure, Unterhalter, Piloten, Elektriker, Lehrer, Forscher, Hausmeister, Feuerwehrler, Fernsehstars, Sänger... Aber auch sowas wie Hausärzte und Notfallmediziner. Denn Krankheiten und Unfälle können auch trotz sorgfältigem medizinischen Screening und umfangreichen Unfallverhütungsmassnahmen vorkommen. Und auch darum muss sich jemand kümmern - Heimfliegen sollte nur die allerletzte Option bleiben.

Zwar waren manche der Astronauten in ihrem „früheren Leben“ Mediziner, aber das Gros der ISS-Crew rekrutiert sich aus Piloten, Ingenieuren oder Wissenschaftlern. Um trotzdem eine medizinische Grundversorgung auf der ISS zu gewährleisten, werden daher zwei der drei Sojusinsassen eines jeden Flugs als „Crew Medical Officer“ (CMO) ausgebildet. Die Ausbildung beinhaltet das Erreichen der Grundfertigkeiten für alle auf ISS definierten medizinischen Prozeduren und die Koordination von Eingriffen mit dem Flugarzt in Houston. Freilich erlaubt der straffe Trainingsplan der Astronauten keine detaillierte medizinische Schulung. Nur knapp 60 Stunden sind hierfür vorgesehen. Aber die Bandbreite geht natürlich über die Ausbildung eines Sanitäters hinaus: Auf der ISS muss die Besatzung auch Wunden nähen, Zähne ziehen oder Finger einrenken können. weiterlesen

Columbus Blog | 06. Oktober 2014

Die Nacht vor dem Ausstieg

Alexander Gerst im Raumanzug EMU
Quelle: NASA
"Thumbs up" - Alex ist bereit für sein Abtenteuer im Weltall

Eine Nacht trennt Alex Gerst jetzt noch von einem der absoluten Höhepunkte seines Astronautenlebens. Morgen wird der Geophysiker etwas machen, das nur eine Handvoll Menschen vor ihm erlebt haben: Er wird in seinem Raumanzug aus der Internationalen Raumstation aussteigen und beinahe freifliegend mit 28.000 km/h über die Erde hinwegschweben. Alles, was er in seinem Studium je an Bergen, Kontinenten, Gletschern, Landschaften, Städte, Vulkane kennengelernt hat, wird er unter sich vorbeiziehen sehen. weiterlesen

Columbus Blog | 24. Juli 2014 | 3 Kommentare

Ausweichen, bevor es kracht!

Bei meinem Auto merke ich schon bei 100 Kilometern pro Stunde, dass ich ganz schön schnell unterwegs bin. In der schönen Limousine unserer Fahrbereitschaft gehen auch schon einmal 160 Stundenkilometer, ohne dass man die Geschwindigkeit irgendwie groß merkt. Klar, denn Geschwindigkeit alleine kann man praktisch nicht wahrnehmen. Beschleunigungen ja, aber wenn man konstant unterwegs ist, merkt man nur relativ zu anderen Dingen, wie schnell man ist. Oder eben daran, dass das Auto zu klappern beginnt. Ähnlich ist es bei der ISS. Die Geschwindigkeit der Raumstation ist noch wesentlich höher - hier braucht es 28.000 Kilometer pro Stunde, damit die Station nicht "herunterfällt". weiterlesen