Luftfahrt | 28. Januar 2014 | von Jörg Brauchle | 4 Kommentare

Die lange Zeit des Wartens: Von Genehmigungen, Parlamentswahlen und einer Benzinlieferung

Nebel und dichte Wolken verzögern den Start in Nepal
Nebel und dichte Wolken verzögern den Start in Nepal

Von der Ankunft in Kathmandu am 11. November 2013 bis zum ersehnten Eintreffen aller notwendigen Kisten und Ausrüstung in Pokhara im Januar vergingen mehr als zwei Monate. Dazwischen mussten wir vor allem den Genehmigungen hinterherlaufen, nicht zuletzt weil eine Parlamentswahl ein ganzes Land lähmte. Eigentlich wollten wir bereits im November fliegen, doch unsere Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt.

In Nepal sich etwas genehmigen zu lassen, ist für Außenstehende mit einem kaum zu überblickenden Wirrwar von Anlaufstellen und Zuständigkeiten verbunden. So waren die ersten Tage und Wochen voller Termine  mit Behördenbesuchen und Treffen in verschiedenen Ministerien. Mit den kooperierenden Wissenschaftlern der regionalen Forschungseinrichtung ICIMOD wurden die wissenschaftlicher Ziele diskutiert. Trotz einer bis dahin schon einjährigen Vorbereitungszeit fanden sich immer neue Ministerien und Behörden, die in die Genehmigung der geplanten Flüge eingebunden werden mussten. Die Wissenschaftler von ICIMOD und selbst die deutsche Botschaft halfen uns, die zuständigen Stellen von unserem Projekt zu überzeugen und banale Dinge wie die Zollabwicklung zu beschleunigen.

Überraschend  kam für uns der völlige Stillstand: Am 19. November fanden in Nepal landesweite Parlamentswahlen statt. Die Folge: Eine Woche waren sämtliche Behörden in Nepal geschlossen, denn die politisch Verantwortlichen befürchteten Unruhen und Anschläge. Bis wir den Gesprächsfaden wieder aufgenommen hatten und alle Einzelgenehmigungen Schritt für Schritt einsammeln konnten, vergingen noch einmal zwei Wochen. Erst am 9. Dezember hielten wir die nötigen Papiere in den Händen.

Der Treibstoff kommt in Pokhara an.
Endlich! Der heiß ersehnte Treibstoff kommt am 21. Januar 2014 in Pokhara an.
Quelle: DLR/Jörg Brauchle (CC-BY 3.0)

Doch wer denkt, jetzt hätten wir in einem der ärmsten Länder der Welt sofort ins Cockpit steigen können, der irrt. Für uns in Deutschland schwer vorstellbar, gab es seit seit August 2012 in ganz Nepal keinen passenden Treibstoff für unser Flugzeug mehr. Das Motorsegelflugzeug vom Typ Stemme S-10 tankt AVGAS, wie andere Motorflugzeuge und Hubschrauber auch. Dies entspricht in etwa dem bekannten Super-Plus-Benzin. Schon auf dem Überflug mussten, wir bereits in Indien improvisieren. In Nepal war nun überhaupt kein Tropfen Benzin mit einer Oktanzahl über 93 zu bekommen. Für die Experimente in großen Höhen durfte aus Sicherheitsgründen aber nur Treibstoff mit ROZ 100 verwendet werden.

Erst im Januar fanden dann einige Fässer des benötigten Treibstoffs ihren Weg zu uns. Sie waren in Belgien bestellt, mit dem Schiff nach Kalkutta transportiert und von dort mit dem Zug nach Kathmandu gefahren worden. Ein LKW brachte die Fässer schließlich über schlaglochübersäte Bergstraßen nach Pokhara. Jetzt konnte es endlich losgehen...

Nebel und dichte Wolken verzögern den Start in Nepal
Nebel und dichte Wolken verzögern den Start in Nepal
Quelle: DLR/Jörg Brauchle (CC-BY 3.0)

...sobald das Wetter mitspielte. Nebel und dichte Wolken verzögerten den Start nochmals um einige Tage. Die Piloten hatten mit dem  Begleitflugzeug, das noch etwas Resttreibstoff im Tank hatte, in der Zwischenzeit  die Gegend und die Windverhältnisse erkunden können. Rekordpilot Klaus Ohlmann vom Mountain Wave Projekt bringt dabei seine bereits umfangreiche fliegerische Erfahrung in Gebirgen ein. Die Auf-, Fallwinde und Verwirbelungen an den Bergkämmen stellen höchste Anforderungen an das Können der Piloten. Am 23. Januar hob das Forschungsflugzeug der FH Aachen zusammen mit dem DLR-3D-Kamerasystem dann zum ersten Flug in die Bergwelt des Himalaya ab. Weitere Details und Impressionen folgen an dieser Stelle.

Grandiose Aussicht aus dem Cockpit
Grandiose Aussicht: Im Cockpit mit Klaus Ohlmann
Quelle: DLR/Rene Heise (CC-BY 3.0)

 

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Über den Autor

Jörg Brauchle ist Entwicklungsingenieur und Projektleiter am DLR, wo er neue Technologien zur Fernerkundung erforscht. Er bloggt für spannende Expeditionen wie die Erkundung der Himalaya-Region und publiziert in einschlägigen Fachzeitschriften. zur Autorenseite