Columbus Blog | 10. August 2016 | von Tom Uhlig

Frischluft im Weltall

Condense Water Separator Assembly (CWSA) - die Klimaanlage des Columbus-Moduls auf der ISS
Quelle: NASA
Das Corpus Delicti - die komplexe Condense Water Separator Assembly (CWSA) von Columbus

Ein Hoch auf eine Klimaanlage! Im Kontrollraum haben wir eine - und an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) ebenfalls. Unter einer unerträglichen Hitze leidet Deutschland dieses Jahr zwar nicht gerade: Wenn ich aus dem Bürofenster schaue, sehe ich ständig Regen und die riesige Wolkenradarschüssel auf dem Nachbargebäude bewegt sich unablässig rund herum, auf und ab - ein eindeutiges Zeichen für schlechtes Wetter. Aber es gibt einzelne heiße Tage. Der Ventilator summt. Die Sonne brennt.

Unsere Klimaanlage auf der Erde hatte vorletzte Woche ein Problem, sodass wir den Kontrollraum wechseln mussten, damit die Arbeit erträglich ist. Und unsere Anlage im Weltraumlabor Columbus auf der ISS machte uns kurz darauf ebenfalls Sorgen: Schon ein paar Stunden lang beobachtete der für die Subsysteme an Bord verantwortliche STRATOS an der Konsole ein eigenartiges Verhalten der Condensate Water Separator Assembly (CWSA) - bevor sie schließlich ganz ausfiel. Die Folge: Keine Air-Condition für die Astronauten... weiterlesen

Columbus Blog | 17. Juni 2016 | von Jan Marius Bach

Ein letztes Mal - Crew Conference mit Tim Peake

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Die Zeit vergeht wie im Flug sagt man - doch für Tim Peake trifft dies wirklich zu. Nach einem halben Jahr auf der ISS wird er am Samstag wieder zur Erde zurückkehren. Auch wir am Boden fiebern natürlich "all"täglich mit ihm mit, und so ist es plötzlich schon wieder Zeit für uns, Abschied zu nehmen.

Um unsere ESA-Astronauten regelmäßig auf dem neuesten Stand zu halten und auch das ein oder andere Feedback einzuholen, führen wir für gewöhnlich einmal pro Woche eine sogenannte "Crew Conference" durch - 15 Minuten, in denen sich unser Increment Lead Flight Director und ESA Increment Manager privat mit Tim Peake unterhalten können. weiterlesen

Columbus Blog | 28. Januar 2016 | von Tom Uhlig | 1 Kommentar

Bad Vibes

ESA-Astronaut Tim Peake an Bord der ISS

Man muss nicht Luft- und Raumfahrt studiert haben, um bei uns im Flight Control Team mitarbeiten zu können. Ich zum Beispiel bin Physiker - und habe in der Elektronenmikroskopie geforscht, wo man sich kleinste Teilchen, bis hinunter auf das atomare Niveau anschauen kann. Um die riesige, raumfüllende und sehr teure "Maschine", die hierfür nötig ist, alleine bedienen zu dürfen mussten wir Diplomanden damals an der Uni in Regensburg zunächst einen "Führerschein" (und dafür eine schöne Aufnahme von Siliziumatomen) machen.

Das Mikroskop so an seine Auflösungsgrenzen zu treiben ist nicht einfach - die elektromagnetischen Linsen müssen perfekt justiert, die Probe gut beschaffen, das Vakuum gut, die Temperatur stabil sein (flüssiger Stickstoff sorgt für entsprechende Kälte) und vor allem: Vibrationen sind ein "no go": Unser Mikroskop war dafür extra auf einem tonnenschweren Sockel im Keller der Uni montiert, komplett vom Gebäude entkoppelt. Schon ein schwungvoller Studentenkollege auf einer Treppe irgendwo im Gebäude hätte sonst meine "Führerscheinprüfung" zunichte gemacht. Manche Labore, wie das der Elektronenholografiekollegen aus Dresden, sind daher auch aus der Stadt mitten in den Wald gezogen, um nicht durch die "Vibrationen der Stadt" gestört zu werden. Selbstverständlich ist auch absolute Ruhe im Raum erforderlich - ein Elektronenmikroskop ist ein hochempfindliches Mikrofon, aber im negativen Sinne... weiterlesen

Columbus Blog | 22. Dezember 2015 | von Tom Uhlig

Hilfe, es weihnachtet sehr!

Eigentlich wollte ich diesen Blog mit "Britannia rules space" beginnen - in Abwandlung eines Spruchs, den wir im Geschichtsunterricht thematisiert hatten: "Britannia rules the waves"... Denn wir haben wieder einen Europäer an Bord seit letzter Woche: Tim Peake, der erste Astronaut seiner Majestät. Das erste Mal hört man das typisch britisch-vornehme Englisch auf den Space-to-Ground-Funkkanälen. weiterlesen

Columbus Blog | 19. November 2015 | von Tom Uhlig

Nach Hause telefonieren…

In einem Nebenzimmer des Col-CC läuft die Videokonferenz mit Astronaut Volkov
Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
In einem Nebenzimmer des Col-CC läuft die Videokonferenz mit Astronaut Volkov

Freilich liegt mir nichts ferner, als unseren sympathischen Kollegen Sergei Volkov auf der Internationalen Raumstation mit dem schildkrötenköpfigen E.T. aus dem gleichnamigen Film zu vergleichen. Aber eins haben beide "Außerirdische" gemeinsam: Wie jeder, der nicht daheim sein kann, telefoniert er zumindest gerne nach Hause... Dass man diesen Kontakt besser gut pflegt, das hat ihm sicher auch sein Vater als guten Rat mit auf den Flug gegeben: Papa Alexander Volkov war auch schon im Weltall und wurde damals auf der MIR mit der Meldung über den Zusammenbruch der Sowjetunion überrascht ... weiterlesen

Columbus Blog | 15. Oktober 2015 | von Tom Uhlig

Auf Marsmission...

Auf Marsmission...
Quelle: German Zöschinger, DLR (CC-By 3.0)
Auf dem Mars - im Kino: Das Columbus Flight Control Team
 

Kartoffeln kultivieren, Rover reparieren oder Sonden suchen - das sind zunächst einmal Dinge, die bei uns im Columbus-Kontrollzentrum nicht direkt zu den Kernaufgaben gehören. Dazu müssen wir schon ins Kino gehen und uns gedanklich auf den Mars versetzen lassen, um an solchen Raumfahrtschmankerln teilzuhaben: Der Kinostart von "Der Marsianer" in Deutschland hat mindestens die Hälfte unseres Flight Control Teams zusammen vor die Leinwand gebracht - die andere Hälfte musste sich darum kümmern, dass in der "Echten Welt" und im Erdorbit auf der Internationalen Raumstation ISS keine vergleichbaren Katastrophen passieren... weiterlesen

Columbus Blog | 09. Juni 2015 | von Tom Uhlig | 1 Kommentar

Die Nase vorn - Samanthas Rekordaufenthalt auf der ISS

Comic: Samantha auf ISS
Quelle: David Hagenström
Das (jetzt) außerirdische Meisterwerk - Unser Glückwunsch an Samantha

Wow, Weltrekord! Gratuliere, Samantha! Seit dem Wochenende ist die Italienerin die Rekordhalterin für die "längste weibliche Präsenz im All" - noch vor den an Langzeitaufenhalte gewöhnten Russen und der bisherigen Rekordhalterin Suni Williams, die es immerhin auf 195 Tage im Weltraum brachte. Jetzt hat die ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti die Nase vorn.

Grund genug für unseren Ground Controller David Hagenström, das denkwürdige Ereignis in einer Comic-Zeichnung festzuhalten. Und freilich sollte auch Samantha wissen, dass wir uns ihrer Leistung bewusst sind. Deswegen wollten wir das Comic zu ihr auf die Raumstation schicken. Kein grosses Problem. Das geht, oder? Die Antwort beginnt wie bei Radio Eriwan: "Im Prinzip ja, aber...". Denn eine Raumstation ist auch in Zeiten des Internets noch etwas ganz Besonderes, zumindest (oder im besonderen Maße?) für Raumfahrt-Enthusiasten. weiterlesen

Columbus Blog | 02. Juni 2015 | von Tom Uhlig

Klempner im Nebenberuf - Astronauten auf der ISS

Chris Hadfield als Klempner im Columbus-Modul
Quelle: NASA
Auch Chris Hadfield hatte das Vergnügen als "Klempner" in Columbus zu arbeiten. Dabei schwebt er an der Stelle von Express Rack 3, das rechts unten noch zu erkennen ist. Rot-weiße Streifen tragen natürlich immer zur Arbeitssicherheit bei ...

Wenn ich mal viel Zeit habe - was ich da nicht alles machen würde! Dann könnte ich endlich mal das Buch über Spieltheorie lesen. Oder vielleicht Gitarre spielen lernen? Oder, oder, oder... Aber was geschieht auf der ISS, wenn unerwartet Crewzeit verfügbar wird?

Nachdem sich die Sojusstarts und -landungen nach hinten verschoben haben, stand plötzlich zusätzliche Crewzeit für die Astronauten auf der Internationalen Raumstation zur Verfügung. Aber das heißt nicht, dass Samantha und Co. endlich mal ausgiebig den tollen Ausblick auf die Erde genießen können, denn im Kontrollcenter haben wir eine lange Wunschliste von Dingen in unseren Schubladen, die wir schon lange einmal an Bord ausgeführt haben wollen: Wie wäre es denn, das Permanent Multipurpose Module (PMM), das eigentlich als Transportcontainer für das Space Shuttle konzipiert und nach dem Ende der Shuttle-Ära als zusätzlicher Stauraum am Node 2 belassen worden war, an den Node 3 zu verlegen und den Node 2 damit als zukünftigen Docking Port für sogenannte Visiting Vehicles freizumachen? Wir könnten den Videorekorder in Columbus endlich gegen einen Festplattenrekorder tauschen oder das Wasserventil ersetzen, das nicht mehr so arbeitet, wie wir wollen. weiterlesen

Columbus Blog | 29. Mai 2015 | von Tom Uhlig

Schauen sie noch Videos - oder "streamen" sie schon?

Quelle: NASA
NASA-Astronaut Scott Kelly an Bord der Internationalen Raumstation ISS.

Machen wir doch mal einen Test zusammen, ob Sie ein "Innovator" sind (in unserer Uni-Arbeitsgruppe damals ein schwer umkämpfter Titel: Wer hatte die neuesten technischen Gimmicks...): Haben Sie eigentlich noch einen Videorecorder? Einen mit richtigen Bändern? Kassetten? Oder sagt Ihnen das gar nichts mehr? Bandsalat, rotierende Schreib-Leseköpfe und die Schreibschutzlasche sind Ihnen böhmische Dörfer? Naja, das qualifiziert Sie heutzutage wohl noch nicht wirklich zum "Innovator", aber Sie sind diesem wohl schon ein Stück näher als ein "VHS-Freak". weiterlesen

Columbus Blog | 19. März 2015 | von Tom Uhlig

Das "Monster" zähmen

MARES-Experiment im Columbus-Labor
Quelle: NASA
Raumfüllend: das MARES-Experiment im Columbus-Labor. NASA-Astronaut Dough Wheelock "balanciert" es auf seinem Finger.

Vor manchen Dingen hat man einfach Angst - da kann man nicht viel gegen machen. Unser MARES-Experiment im Columbus-Labor ist so etwas: riesengroß, hochkomplex und manchmal ein Sorgenkind.

MARES (Muscle Atrophy Research and Exercise System) erlaubt die Untersuchung verschiedenster Muskelgruppen der Astronauten und trägt damit zur Klärung essentieller Fragen bei, die sich bei langen Raumflügen unweigerlich stellen: Wie reagiert der menschliche Körper auf die Schwerelosigkeit? Wie degenerieren die Muskeln, die ja nur wenig beansprucht werden, wenn sie nicht ständig gegen die Schwerkraft anarbeiten müssen? weiterlesen