Energie | 25. Oktober 2010 | von Jan Oliver Löfken | 7 Kommentare

Energie-Frage der Woche: Wie lange reichen die weltweiten Reserven des Kernbrennstoffs Uran?

So umstritten Kernkraft mit ihren Risiken, dem ungelösten Endlagerproblem und seinen hohen Investitionskosten ist, decken derzeit rund 430 Meiler weltweit etwa 14 Prozent des globalen Strombedarfs. Aber genauso wie Erdöl, Kohle oder Erdgas steht der Brennstoff für Kernkraftwerke – Uran-235 – nicht unbegrenzt zu Verfügung. Für welchen Zeitraum reichen die natürlichen Uranlagerstätten eigentlich noch aus?

Der jährliche Bedarf an Natur-Uran, aus dem in einem aufwendigen Prozess das spaltbare Material gewonnen werden muss, liegt bei etwa 68.000 Tonnen. In Bergwerken abgebautes Uran deckt mit gut 50.000 Tonnen allerdings nur Dreiviertel dieser Menge. Die Lücke wird derzeit mit Lagerbeständen, durch die Aufbereitung abgebrannter Brennstäbe und mit Uran aus verschrotteten Kernwaffen gestopft. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover geht davon aus, dass diese Situation noch etwa zwei Jahrzehnte bestehen bleiben wird.

Vorräte für über 200 Jahre

Gesamtpotenzial an Uran 2008. Quelle: BGR.

Gesamtpotenzial an Uran im Jahr 2008. Quelle BGR.

Die Uranreserven, für die die Förderkosten unter 40 US-Dollar pro Kilogramm liegen, beziffern die BGR-Forscher in ihrer Energiestudie auf etwa 1,7 Millionen Tonnen. Bei dem derzeitigen Verbrauch stünde damit genug Uran für über 200 Jahre zur Verfügung. Der Großteil dieser Vorkommen liegt in Australien (40 %) gefolgt von Kanada (15 %), Kasachstan (13 %), Brasilien (8 %) und Südafrika (6,5 %). Zwar verfügt auch Deutschland über Uranvorkommen, vor allem im Erzgebirge, doch wurde der Abbau in den Jahren nach der Wiedervereinigung wegen zu hoher Kosten und Umweltbelastung sukzessive eingestellt. Die Gesamtvorkommen an Uran, für die die Förderung deutlich teurer wäre, schätzt die BGR auf ein Vielfaches der heute erschlossenen Reserven.

Kaskade von Gaszentrifugen zur Urananreicherung, Bild: United States Department of Energy

Kaskade von Gaszentrifugen zur Urananreicherung. Bild: United States Department of Energy.

In heute verbreiteten Kraftwerkstypen wird vor allem das Uran-Isotop 235 genutzt, von dem sich allerdings weniger als ein Prozent im Natur-Uran befindet. Das mit etwa 99 Prozent dominierende Isotop ist Uran-238. Dieses ließe sich nur in Brutreaktoren wie dem stillgelegten "Schnellen Brüter" bei Kalkar verwenden. Weltweit werden nur wenige Brutreaktoren, die auch zur Herstellung von waffenfähigem Spaltmaterial taugen, in den USA, Russland und Indien betrieben. Für eine wirtschaftliche Stromgewinnung gilt die komplexe Brüter-Technologie trotz jahrzehntelanger Forschung als nicht ausgereift.

Die DLR-Energiefrage der Woche im Wissenschaftsjahr "Die Zukunft der Energie"

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das Wissenschaftsjahr 2010 unter das Motto "Die Zukunft der Energie" gestellt. Aus diesem Anlass beantwortet der Wissenschaftsjournalist Jan Oliver Löfken in diesem Jahr jede Woche eine Frage zum Thema Energie in diesem Blog. Haben Sie Fragen, wie unsere Energieversorgung in Zukunft aussehen könnte? Oder wollen Sie wissen, wie beispielsweise ein Wellenkraftwerk funktioniert und wie effizient damit Strom erzeugt werden kann? Dann schicken Sie uns Ihre Fragen. Wissenschaftsjournalist Jan Oliver Löfken recherchiert die Antworten und veröffentlicht sie jede Woche in diesem Blog. 

Bild oben: Uranpellets und Brennstab. Bild: United States Department of Energy.

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Über den Autor

Der Energiejournalist Jan Oliver Löfken schreibt unter anderem für Technologie Review, Wissenschaft aktuell, Tagesspiegel, Berliner Zeitung und das P.M. Magazin. Derzeit diskutiert er im DLR-Energieblog aktuelle Themen rund um die Energiewende. zur Autorenseite