Jan Woerners Blog
 
 

Chancengleichheit durch Zeitautonomie

23. Oktober 2012, 16.49, Jan Wörner, 0 Kommentar/e
Dieser Artikel wurde ursprünglich für den ATKearney 361°-Blog verfasst.

So vielfältig wie die Forschungsthemen des DLR, so vielfältig sind die Lebensentwürfe unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dies ist Chance und Herausforderung zugleich. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) benötigt für seine Spitzenleistungen in Forschung und Entwicklung jetzt und zukünftig die besten Köpfe, Frauen wie Männer. Deshalb sind wir im DLR bestrebt, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich die Potenziale der Menschen, die für das DLR arbeiten, voll entfalten können. Aus eigener Erfahrung - beide Eltern waren immer berufstätig - bin ich von den Themen "Chancengleichheit" nicht nur theoretisch überzeugt sondern auch praktisch motiviert.

Eine Bestandsaufnahme: DLR 2012. Die erste Führungsriege im DLR ist durchweg männlich. Und damit ist das DLR nicht allein unter den deutschen Arbeitgebern mit mehr als 6.000 Beschäftigten. Ende des Jahres 2011 zählte das DLR etwas mehr als 7.000 Beschäftigte, 2.158 davon weiblich, also ca. ein Drittel! Der Anteil der Frauen sinkt auf dem Weg "nach oben" von 24,3 Prozent in der 4. Führungsebene, 8,1 in der dritten und 4,3 in der zweiten Ebene und fällt schließlich auf null. Es ist längst keine Frage mehr, dass wir so Potenzial vergeuden. Und: Die Situation ist schlicht ungerecht. Längst haben Studien gezeigt, dass die Innovationskraft eines Unternehmens dort am stärksten ist, wo Männer und Frauen gemeinsam nach Lösungen suchen.

Wir sind überzeugt, dass das DLR bei der Beantwortung von drängenden gesellschaftlichen Zukunftsfragen auf Einsatz und das Engagement von Frauen und Männern in gleicher Weise angewiesen ist. Notwendig dafür ist die Schaffung chancengerechter Strukturen. Unser Ziel ist die Verwirklichung von tatsächlicher Chancengleichheit auf allen Ebenen von Forschung, Dienstleistung und Administration im DLR, wozu auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehört. Doch die Dinge sind komplexer. Natürlich spielen organisatorische Fragen eine Rolle. Es gibt aber auch Traditionen, die Einfluss haben, individuelle Vorstellungen von Glück, Entwicklungen in der Familie, eine Versetzung des Partners, oder auch das in Frage stellen eines familienfeindlichen 12-Stundentags, wie er bei Führungskräften nicht selten ist. Die Begeisterung für den Arbeitsgegenstand kann ebenso wie ein gutes Klima im Team einen Karrierewunsch beflügeln, Monotonie oder Neid ihn aber auch hemmen.

Nur dort wo sich der Mensch in seinem Umfeld wohl fühlt, ist er bereit, die besten Leistungen zu erbringen. Aus diesem Grund integriert das DLR in seinen Angeboten die zentralen Aspekte von Chancengleichheit über den gesamten Berufsweg: angefangen bei Bildung und Berufswahl bis zur Karriereunterstützung auf dem Weg in Führungspositionen. Auch der Förderung des akademischen Nachwuchses messen wir besondere Bedeutung bei. Männer und Frauen mit Führungspotenzial werden gleichermaßen durch Qualifizierungsmodule und Mentoring-Angebote gefördert. Für uns liegt ein Schlüssel zur Verwirklichung tatsächlicher Chancengleichheit in der Schaffung von mehr Zeitautonomie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - Freiraum schafft Motivation. Die bereits bestehenden Angebote familienorientierter und karrierefördernder Maßnahmen werden deshalb ständig erweitert. Dazu gehört eine noch familiengerechtere Umgebung, beispielsweise durch spezifische Lösungen für die Kinderbetreuung und "Karrierestrategien für Frauen", die Teil unseres Graduiertenprogramms sind. Flexible Arbeitszeitmodelle und Telearbeit sowie Personalentwicklungsmaßnahmen zur Sensibilisierung von Führungskräften für diese Thematik sind ebenfalls Bestandteil der familienorientierten Firmenpolitik des DLR.

Bild: Quinn Dombrowski, CC-BY-SA.


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