Jan Woerners Blog
 
 

東京 にある DLR (DLR in Tokio)

05. März 2013, 14.25, Jan Wörner, 0 Kommentar/e
Nach Washington, Brüssel und Paris hat das DLR jetzt ein Büro in Tokio eröffnet. Aus diesem Anlass flog eine kleine Delegation nach Japan, traf sich mit Vertretern von vielen Institutionen und konnte in gemeinsamer Einladung mit dem deutschen Botschafter, Herrn Stanzel, während eines Empfangs in der Residenz Gäste aus Japan und Deutschland zur offiziellen Eröffnung begrüßen. Die Tage in Japan haben mir neben den Möglichkeiten für das DLR aber vor allem auch persönlich sehr viel bedeutet.

1982 schickte mich mein damaliger Chef, Prof. Gert König, nach Japan. Als Mitarbeiter des Bauingenieurbüros König und Heunisch sollte ich im Auftrag des damaligen BMFT die Sicherheit von deutschen Kernkraftwerken bei Erdbebeneinwirkung untersuchen und eruieren, inwieweit es möglich ist, die japanischen Testeinrichtungen, insbesondere den großen Rütteltisch in Tadotsu, für die Überprüfung zu nutzen. Dieser erste Aufenthalt begründete meine Affinität zu Japan, die bis heute anhält. Später kam ich als Universitätspräsident erneut nach Japan und entwickelte mit japanischen Universitäten Double-degree-Programme.


Besuch im Tsunami-Gebiet: Der ehemalige Ort Arahama in der Nähe der Millionenstadt Sendai.


Ein weiterer Interaktionspunkt der besonderen Art entstand nach dem verheerenden Ereignis des Erdbebens und des Tsunami in 2011: Meine Verbundenheit mit Japan und die Bestürzung über die Ereignisse regten mich an, im Kreis meines Lionsclubs Geld zu sammeln, das wir dann der Tohoku-Universität in Sendai überwiesen. Und nun also die DLR-Büroeröffnung!


Ausgestattet mit einem Erdbeben-Notfallset: Dr. Niklas Reinke, Leiter des neuen "DLR Tokyo Office".

In einer ganzen Reihe von Treffen und Vorträgen zeigte sich rasch, wie positiv das Engagement des DLR aufgenommen wird und welche Potenziale der engen Kooperation vorhanden sind. Herr Reinke, der nun unser „Mann in Tokio“ ist, wird alle Hände voll zu tun haben, die verschiedenen Themen anzugehen, auch wenn sein Büro wirklich winzig ist. Immerhin wurde er gleich mit allen wichtigen Utensilien für den Fall eines Erdbebens ausgestattet.


Beim Empfang in der Residenz des deutschen Botschafters, Herrn Stanzel, wurde es dann für mich besonders persönlich. Bereits die Reden von Herrn Stanzel und dem Chef von JAXA, Herrn Tachikawa, waren geeignet, eine Stimmung jenseits allgemeiner Floskeln zu entwickeln. Die Tatsache, dass viele Wegbegleiter aus meinem ersten Besuch 1982 extra angereist waren, übertraf dann alle Erwartungen. Auch die damaligen Japanischlehrer Kato-sensei und Inohana-sensei konnte ich so endlich wiedersehen.

Am Freitag fuhren wir dann mit dem Shinkansen („Hayabusa 1“!) nach Sendai, um mit der Tohoku-Universität die Vereinbarung zu DLR@TOHOKU zu unterzeichnen. Auch hier wieder ein überaus herzlicher Empfang und viele fruchtbare Gespräche. Zum Abschluss zeigte man uns die vom Tsunami verwüsteten Bereiche, die sowohl die Bedrohung als auch den Willen der Katastrophenbewältigung eindrücklich belegten.

Am Abend vor dem Rückflug erlaubten wir uns dann noch in kleiner Runde einen „japanischen Abend“ in einer kleinen japanischen Kneipe mit Biru und Sake. Am Schluss waren die Betreiber und wir auf einem Foto vereint.


DLR@Tohoku, das Kooperationsabkommen zwischen der Tohoku-Universität (Herr Susumu Satomi) und dem DLR.

Internationalität ist und bleibt ein ganz wichtiger Beitrag des DLR. Im Vordergrund steht dabei die Unterstützung der Forschung. Aus der Zentrale gilt hier das Wort von St. Exupery: „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ In leicht abgewandelter Form: „Internationale Forschungskooperation kann man nicht planen, sondern möglich machen.“ Jetzt liegt es an den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des DLR, die Chancen, die durch die Eröffnung des DLR Tokyo Office gegeben sind, zu nutzen.
Als Vorstandsvorsitzender sehe ich mich nicht als Missionar oder als Käufer von entsprechenden internationalen Forschungsaktivitäten, sondern als Unterstützer und Türöffner.

Bild oben: Die Ehrentafeln der Spender zur Bewältigung der Tsunamifolgen
Alle Bilder: DLR, CC-BY.


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