Neue Technologien - Segen oder Fluch?

Forschung im DLR
Forschung im DLR

Im Rahmen des Ökumenischen Kirchentags in München fand eine Podiumsdiskussion zur Position der Technik in unserer Gesellschaft statt. Ich war eingeladen, um meine Meinung und die Arbeitsweise des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt einzubringen. Vor rund 2000 Besuchern wurde leidenschaftlich diskutiert....

Teilnehmer des Podiums waren Herr Fell, MdB und energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, Prof. Radkau, Technik- und Umwelthistoriker, und Prof. Dürr, Träger des Alternativen Nobelpreises. Moderiert wurde die Veranstaltung von Wolf von Lojewski, der breiten Öffentlichkeit durch das "Heute"-Journal bekannt. Schon bei der Begrüßung, nach einem technikkritischen "Impulsreferat" von Herrn Radkau und ebenfalls sehr kritischen Anmerkungen von Herrn Dürr, wies Herr von Lojewski darauf hin, dass ich wohl in der Runde eine besondere Rolle habe, da ich der Vertreter der Technik sei. Schließlich stehe das DLR ja für Technik und Technikforschung.

Für mich war gerade der Umstand, dass insbesondere Herr Dürr eine sehr pauschale Kritik der gegenwärtigen und zukünftigen Situation äußerte und nach Applaus möglichst vieler der zirka 2000 Besucher heischte, eine ideale Gelegenheit, das DLR, seine Forschungsthemen und die themenübergreifende Arbeitsweise zu beschreiben. Ich konnte klarmachen, dass wir uns nicht theoretisch mit Gesellschaftskritik befassen, sondern ganz praktisch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und technischen Lösungen suchen und dabei das Viereck Technik-Ökonomie-Ökologie-Gesellschaft als wichtige Perspektive unserer praktischen Arbeit verwenden. In diesem Zusammenhang konnte ich auch auf das Engagement des DLR in der Europäischen Akademie verweisen, die wir in gemeinsamer Verantwortung mit dem Land Rheinland-Pfalz betreiben. Es zeigte sich einmal mehr, wie hervorragend das DLR positioniert ist und in der Öffentlichkeit anerkannt wird: Das Publikum, das auf einem ökumenischen Kirchentag erfahrungsgemäß eher kritisch gegenüber allzu technikverliebten Zukunftsvisionen ist, machte durch seine Kommentare und Fragen, die während der Diskussion eingesammelt und zum Teil vorgetragen wurden, klar, dass die oft zitierte, pauschale Technikfeindlichkeit mittlerweile einer rationalen Betrachtung mit Forderung nach verantwortlicher Technikweiterentwicklung gewichen ist. Die Tatsache, dass die Abkürzung DLR weitgehend bekannt, die Bezeichnung "die Gesellschaft" statt "das Zentrum" jedoch verwendet wurde, gibt uns Anlass, die entsprechenden Markenbemühungen fortzusetzen.


Bild: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) forscht in den Bereichen Luftfahrt, Weltraum, Verkehr und Energie. Quelle: DLR.

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Über den Autor

Im Jan-Wörner-Blog bloggt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich "Jan" Wörner, selbst - kein Schwindel! Seit dem 01. März 2007 ist er Vorsitzender des Vorstandes des DLR. zur Autorenseite

Kommentare

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Ulrich Wagner
25. Mai 2010 um 19:08 Uhr

Lieber Herr Wörner,
ich finde es grundsätzlich sehr erfreulich, dass auf dem Ökomenischen Kirchentag dieses technische Thema gewählt wurde. Vermutlich hatten Sie - bei der Zusammensetzung des Podiums - die nicht ganz einfache Rolle, Kenntnisse anstelle von Meinungen zu vertreten. In der öffentlichen Diskussion erhält man schnelle Zustimmung für eine kritische Technik-Einstellung und es werden gerne pauschale Modelle z.B. für eine zukünftige Energieversorgung verkündet, die sich schon mit einem einfachen Dreisatz widerlegen lassen. Naturgesetze kann man aben nicht per politischem Beschluß außer Kraft setzen. Das hat schon zu Lenin´s Zeiten nicht funktioniert, der seinerzeit den vielzitierten Spruch proklamierte:
Kommunismus = Sowjetmacht + Elektrizität.
Spätestens nach einfacher mathematischer Umformung dieser Gleichung in:
Elektrizität = Kommunismus - Sowjetmacht
wird die mangelnde Sinnhaftigkeit vieler politischer Parolen offensichtlich.
Also bleibt uns nichts anderes als Durchhaltevermögen bei solchen Debatten und immer wieder der Verweis auf die nötige technische Innovation.

Einen guten Wirkungsgrad für weitere Diskussionen dieser Art wünscht Ihnen

Ihr U. Wagner