KommBlog
 
 

Usability-Testing: Informationswissenschaftler nehmen DLR-Webportal unter die Lupe

05. Januar 2012, 14.58, Andrea, alt Schaub, 2 Kommentar/e
Mit dem heutigen Beitrag möchte ich mein Versprechen aus dem Blogeintrag vom 12. Juli 2011 einlösen und Sie über die Ergebnisse des Tests zur Bedienbarkeit des Webportals des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) informieren.

Die Ergebnisse sind sehr aufschlußreich. Sie liefern wertvolle Hinweise zur Optimierung unserer Website in Hinblick auf Gestaltung, Inhalte, Funktion und Navigation, aber auch die erhoffte Bestätigung, dass wir bei unseren Besucherinnen und Besuchern mit dem neuen Web-Konzept einen positiven Eindruck hinterlassen.

Der Usability-Test ist ein wichtiger Teil des gesamten Redesign-Projekts, dem eine Nutzerbefragung mit mehr als 2600 Teilnehmern voraus ging. Der Test sollte eine nutzerorientierte Aufbereitung des Portals, die Benutzerfreundlichkeit sicherstellen und die Stärken und Schwächen des DLR-Webportals untersuchen.

DLR-Webportal im neuen Gewand
Das neu gestaltete DLR-Webportal. Die Liveschaltung erfolgte im Juli 2011.

DLR-Webportal vor dem Re-Design im Juli 2011
Das DLR-Webportal vor der Umstellung im Juli 2011.

Mithilfe von 11 Testpersonen wurde die Seite inhaltlich, strukturell und in Bezug auf das Screendesign auch technisch unter die Lupe genommen. Natürlich kann diese geringe Zahl an Testpersonen nicht für eine statistische Auswertung herangezogen werden. Gerade in Bezug auf Web-Usability ist dies aber in den meisten Fällen auch nicht notwendig. Ziel ist es, potenzielle Probleme schnell zu finden und diese anschließend zu beheben.

Was ist ein Usability-Test?

Bevor ich nun näher auf die Ergebnisse eingehe möchte ich kurz erläutern, was ein Usability-Test ist und wie er durchgeführt werden kann. Ein Usabilty-Test dient zum einen der Qualitätsanalyse und Qualitätsbewertung von Produkten und wird durchgeführt, um die Bedienbarkeit einer Anwendung zu prüfen. Usability-Tests liefern wertvolle Hinweise darüber, ob zum Beispiel ein Produkt wie das DLR-Webportal für die gewünschte Zielgruppe geeignet ist oder ob ein Produkt in Hinblick auf eine bessere Bedienbarkeit optimiert werden sollte.

Welche Methoden gibt es?

Es gibt verschiedene Methoden, die sich für Usability-Testings eignen. Zu Ihnen gehören zum Beispiel zahlreiche Software-Programme, mit denen sich Logfile-Analysen erstellen und auswerten lassen, Interviews oder Fragebögen oder aufwendige Methoden, wie das so genannte Eyetracking-Verfahren, bei dem die Blickrichtung eines Probanden aufgezeichnet wird. Es gibt Interaktionsverfahren, bei dem das Klick- und Eingabeverhalten an der Tastatur aufgezeichnet wird und das Cognitive Walkthrough-Verfahren, eine Methode, bei der durch relevante Aufgaben überprüft wird, ob die Erwartungen der Nutzer erfüllt werden. Die am weitesten verbreitete Methode ist wohl das so genannte "Laute Denken", bei dem die Probanden Ihre Eindrücke und Erfahrung mit einem Produkt im Laufe einer Testphase sprachlich wiedergeben und dies per Video aufgezeichnet wird.

Der Usability-Test des DLR-Webportals wurde von wissenschaftlichen Mitarbeitern des Instituts für Informationswissenschaft der Fachhochschule Köln sowie der Agentur K12 in unserem Auftrag durchgeführt. Als Methodik haben die Experten eine Kombination aus "Cognitive Walkthrough", "Lautem Denken" und Interaktionsverfahren eingesetzt. Sie stellten den Probanden Rechercheaufgaben, bei denen verschiedene Bereiche der Website navigiert wurden, und mixten das Ganze mit Komponenten der Beobachtung und der Methode des "Lauten Denkens" mittels Befragungen.

Die Testpersonen brachten Internet-Grundwissen mit und die Fähigkeit, sich webspezifisch zu artikulieren. Zu den Testpersonen gehörten Studenten, DLR-Mitarbeiter, Redakteure und weitere Personen der DLR-Zielgruppe, sowohl mit technischem als auch ohne technischen Hintergrund. Zur Dokumentation und späteren Analyse wurde der von den Testpersonen aufgerufene  Bildschirminhalt sowie Video, Tonaufnahmen und Systemdaten (Tracking-Daten) des Produkttest-Durchlaufs aufgezeichnet. Neben der Aufzeichnung von Mausklicks, Mausbewegungen, Seitenaufrufen und URLs erklärten die Probanden Schritt für Schritt ihre angehenden Navigationspfade; auffällige Verhaltensweisen und Kommentare wurden gesammelt und von den Experten ausgewertet.

www.DLR.de ist modern und gut gestaltet

Aufteilung Homepage
Die Grafik zeigt wo sich zum Beispiel der Panorama-Header, Sitemap und das Terminal befindet. 

Nachrichten-Skimmer
Der Nachrichten-Skimmer mit aktuellen Meldungen.

Multimedia
Einstieg in den Multimedia-Bereich, hier sind Bildgalerien, Videos, Publikationen und Animationen untergebracht.

Wie anfangs erwähnt hinterließ die Website bei allen Probanden insgesamt einen positiven Eindruck. Vor allem gefielen der Mehrheit die dominanten Bildinhalte sowie die modern wirkende grafische Gesamtgestaltung. Diese Tatsache führt dazu, dass die Testpersonen über anfängliche Schwierigkeiten mit der Navigation "hinwegsahen" und das neue "Internet-Gesicht" des DLR durchweg positiv eingestuft wurde.

Die Ergebnisse nun Stück für Stück erläutert:

Panorama-Header

Der so genannte Panorama-Header auf der Startseite vermittelt laut Umfrage einen modernen Eindruck, allerdings wird die damit verbundene Linkfunktion nicht wahrgenommen, auch wurden leichte Mängel in puncto Bildqualität geäußert.

Das Panorama im DLR-Webportal
 
Textgestaltung und Inhalte

10 von 11 Probanden äußerten sich positiv zu den textlichen Inhalten. Die Gestaltung und Anordnung der Teaser wurde eher als leseunfreundlich eingestuft, wobei die kurz angerissenen Artikel im so genannten Nachrichten-Skimmer als äußerst positiv bewertet wurden. Um schnell Neuigkeiten und Informationen zu suchen, wurde neben der Startseite oder den thematischen Einstiegsseiten häufig der Nachrichten-Skimmer verwendet.

DLR Social Media-Kanäle

Die Social Media Dienste des DLR wurden sowohl auf der Startseite als auch innerhalb von Artikelseiten gut wahrgenommen und weitestgehend positiv bewertet. Die "Teilen"-Funktion erfüllte die Erwartungen und wurden sehr zügig von der Mehrzahl der Probanden wahrgenommen.

Sitemap

Die so genannte Sitemap am Seitenende wurde nicht verwendet oder wahrgenommen und kam als Werkzeug zum Lösen der Aufgabe nicht zum Einsatz.

Die Sitemap am Seitenende des DLR-Webportals

Bilder und Videos

Die Multimedia-Inhalte des DLR Webportals wie Bilder und Videos werden sowohl in den Artikeln selbst angeboten als auch über den Menüpunkt Multimedia, der sich im Terminal befindet. Die Seiten für Video- und Bildmaterial sind getrennt abrufbar und unterscheidet sich optisch und inhaltlich in der Aufbereitung. Die Probanden bemängelten die Bild- und Videokomponenten, da diese Ihnen nicht konsistent in der Bedienung erschienen. Rein inhaltlich wurden sie aber positiv bewertet: guter Dienst, spannende Bilder, schnelle Beantwortung der W-Fragen in den Bildunterschriften. W-Fragen bilden die Grundlage zum Verständnis und Recherche von Texten. Die logische Reihenfolge ihrer Beantwortung lautet: Was geschah? Wer ist beteiligt? Wo geschah es? Wann geschah es? Wie geschah es? Warum geschah es?

Multimedia im DLR-Webportal
Bilder sind unter anderem im Multimedia-Bereich des DLR Webportals abrufbar.

Multimedia im DLR-Webportal
Videos mit Downloadfunktion sind unter dem Menüpunkt Multimedia im DLR-Webportal auswählbar.

 
Das Lösen der gestellten Recherche-Aufgaben fiel den Probanden in den allermeisten Fällen leicht bis sehr leicht.
Elemente wie die Primärnavigation in der linken Spalte wurden von den Probanden nicht benutzt und auch nicht als solche bewertet. Ihnen erschien die Position der Brotkrumen-Navigation unterhalb der Inhaltselemente ungewöhnlich und Sie blieb meist unentdeckt. 

Fazit

Inhalte auf DLR.de machen Spaß und sind entsprechend aufbereitet. Das Wording muss intuitiver werden. Bilder und Multimedia-Elemente bieten einen Mehrwert für die Besucher, müssen aber einheitlicher gestaltet sein. Die Benutzerführung, vor allem die Sekundärnavigation wie die Brotkrumen-Navigation irritieren und müssen als sichtbare Orientierungshilfe mehr hervorgehoben werden, um das Wiederauffinden von Inhalten zu erleichtern. Die Headergrafik ("Panorama-Header") wirkt äußerst ansprechend, deren Linkfunktion allerdings muss deutlicher hervorgehoben werden. Die Ergebnisse des Usability-Tests fließen so schnell wie möglich in die Optimierung der DLR-Websites bzw. des Benutzerinterfaces ein. Wir möchten an dieser Stelle allen Probanden für die Teilnahme am Usability-Test danken. Und wir danken selbstverständlich allen Besucherinnen und Besuchern, die uns seit der Liveschaltung im Juli 2011 mit Anregungen und Kritik über die Feedbackfunktionen im DLR-Webportal geholfen und unterstützt haben.

Ihre Meinung ist uns wichtig

Bitte teilen Sie uns auch weiterhin mit, wie Ihnen das DLR-Webportal gefällt. Wir freuen uns über jede konstruktive Kritik. Über die Kommentarfunktion dieses Blogs oder des neuen DLR-Webportals ist das jederzeit möglich.


Trackback URL
Bitte geben Sie den Code der Grafik ein um die Trackback Url zu erhalten:
Captcha
Captcha refresh Captcha Image
Bitte geben Sie zur Überprüfung die in der Grafik erkennbaren Zeichen ein:

Trackback URL anzeigen
Kommentare
Kommentar erstellen ( Kommentare werden moderiert - bitte beachten Sie die Blogregeln!)
  • Von Kriesel am 09.02.2012
    die Ladezeiten der Seite sind zum Teil extrem lang. User mit weniger leistungsfähigen Verbindungen könnten da schnell verzweifeln.
  • Von Marco Trovatello, DLR Crossmedia am 09.02.2012
    @Kriesel Tatsächlich ist www.DLR.de in Bezug auf die herunterzuladenden Daten nicht gerade ein Leichtgewicht, doch dafür haben wir einerseits eine Mobilversion entwickelt, die wir in Kürze live schalten werden. Andererseits fällt im direkten Vergleich mit www.NASA.gov (knapp 2,5 MB) auf, dass www.DLR.de trotz größerer Bilder mit 1,9 MB weniger Downloadbandbreite beansprucht, was in Zeiten von DSL durchaus zumutbar ist, zumal bereits kurz nach Aufruf der Seite Elemente angezeigt und dann dynamisch nachgeladen werden. Im Rahmen der Gestaltung eines attraktiven Wissenschaftskommununikationsportals muss man hier in puncto Design und Ressourcen immer einen Kompromiss eingehen.