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Energie-Frage der Woche: Endet mit der Ölpest im Golf von Mexiko die Ära der Tiefseebohrungen?

19. Juli 2010, 11.52, Jan Oliver Löfken, 0 Kommentar/e
Seit der Havarie der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko am 20. April 2010 strömten täglich bis zu neun Millionen Liter Rohöl ins Meer. Ob die nun angebrachte 40 Tonnen schwere Absaugglocke den Großteil des in 1500 Meter Tiefe austretenden Öls tatsächlich auffangen kann, ist unklar. Erst Entlastungsbohrungen sollen das Ausströmen des Öls Mitte August endgültig zum Stillstand bringen. Aber sind mit dieser Umweltkatastrophe die Tage der Ölförderung in der Tiefsee gezählt?

Selbst wenn der Ölkonzern BP wegen dieses Unfalls ins Straucheln kommen sollte, wird die Ölindustrie weltweit kaum auf die großen Reserven unter dem Meeresboden der Tiefsee verzichten wollen. Zuletzt scheiterte der US-Präsident Barack Obama vor einem Gericht in New Orleans mit einem Öl-Bohrstopp per einstweiliger Verfügung. Damit wurde der Klage von 32 Öl-Firmen gegen den Bohrstopp entsprochen. Das Weiße Haus wird wahrscheinlich Berufung gegen das Urteil einlegen. Mit offenem Ausgang.

Satellitenbild vom Ölteppich im Golf von Mexico am 14. Juli 2010. Bild: NASA

Satellitenbild vom Ölteppich im Golf von Mexico am 14. Juli 2010. Quelle: NASA. Bild oben: Kontrollierte Brände im Golf von Mexiko, Quelle: John Kepsimelis, U.S. Coast Guard.

Bohrstopp in der Nordsee?

Auch in europäischen Gewässern wird an etwa 350 Stellen Erdöl aus dem Meeresboden gewonnen. Lehren aus der Ölpest im Golf ziehend will EU-Energiekommissar Günther Oettinger vorerst keine Ölbohrungen mehr genehmigen. Allerdings solle der Bohrstopp in der EU nur vorübergehend sein, bis die Ursache der "Deepwater"-Katastrophe eindeutig geklärt sei. Zugleich drängen die europäischen Ölfirmen auf die Erkundung und Ausbeutung neuer Ölfelder, da die Förderraten vor allem in der Nordsee und im Nordatlantik rückläufig seien.

Immerhin besteht die Chance, dass weltweit die Sicherheitsauflagen für Tiefseebohrungen verschärft werden. Dass sich Ölkonzerne aus den westlichen Industriestaaten ganz aus diesem Geschäft verabschieden werden, hält Rohstoffexperte Volker Steinbach von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover aber nicht für sinnvoll. "In so einem Fall kann ich mir vorstellen, dass China die Lizenzen schnell übernehmen wird", sagt Steinbach. Und ob China ebenfalls unter vergleichbar hohen Sicherheitsstandards bohren wird, bleibt zumindest fraglich.

Ölreserven Brasiliens liegen noch tiefer als im Golf von Mexiko

Das Schwellenland Brasilien wird auch kaum auf seinen erst vor wenigen Jahren entdeckten Ölschatz nordöstlich vor der Küste Rio de Janeiros verzichten wollen. Die Vorkommen im Pré-Sal-Gebiets schätzen Experten auf bis zu 55 Milliarden Barrel (zu je 159 Litern). Die Erschließung dieser Felder steht kurz bevor und könnte Brasilien zum weltweit viertgrößten Rohölproduzenten machen. Allerdings sind diese wirtschaftlichen Chancen mit Risiken verbunden. Denn der brasilianische Ölkonzern Petrobras müsste in etwa 2000 Metern Wassertiefe bis zu sieben Kilometer tief bohren. Eine technische Herausforderung, die noch größer sein wird als im Golf von Mexiko.

Die DLR-Energiefrage der Woche im Wissenschaftsjahr "Die Zukunft der Energie"

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das Wissenschaftsjahr 2010 unter das Motto "Die Zukunft der Energie" gestellt. Aus diesem Anlass beantwortet der Wissenschaftsjournalist Jan Oliver Löfken in diesem Jahr jede Woche eine Frage zum Thema Energie in diesem Blog. Haben Sie Fragen, wie unsere Energieversorgung in Zukunft aussehen könnte? Oder wollen Sie wissen, wie beispielsweise ein Wellenkraftwerk funktioniert und wie effizient damit Strom erzeugt werden kann? Dann schicken Sie uns Ihre Fragen. Wissenschaftsjournalist Jan Oliver Löfken recherchiert die Antworten und veröffentlicht sie jede Woche in diesem Blog.  


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