Energie Blog | 29. November 2010 | von Jan Oliver Löfken

Energie-Frage der Woche: Wie können Städte effizienter Energie sparen?

Deutschland ist ein Land der Städte. Knapp 90 Prozent der Bundesbürger leben und arbeiten in urbanen Räumen von Aachen bis Görlitz, von Flensburg bis Friedrichshafen. Mit den Menschen konzentriert sich dort der Bedarf an Energie. Hier liegt der Schlüssel, um eine Verringerung des CO2-Ausstoßes zu erreichen. Doch wie soll der intelligente Stadtumbau, vom Verkehr über das Wohnen bis zum Arbeitsplatz, gestaltet werden?

"Alle deutschen Städte verfügen über ein großes Energiesparpotenzial", sagt Hermann-Josef Wagner vom Lehrstuhl für Energiesysteme und Energiewirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Das Spektrum reicht von effizienter Wärmedämmung für Altbauten über eine ausgeklügelte Verkehrsführung bis hin zu einer stromsparenden Beleuchtung der öffentlichen Räume. Zahlreiche Technologien stehen bereits zur Verfügung, doch scheitert deren Einsatz nicht selten an hohen Kosten, einer Vielzahl teils entgegengesetzter Interessen oder zähen Entscheidungsprozessen in der kommunalen Bürokratie.

Neue Ideen durch einen Bundeswettbewerb

Der Wettbewerb "Energieeffiziente Stadt", initiiert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, brachte etwas Bewegung in diese stockende Entwicklung und könnte finanzierbare Umbaukonzepte für das ganze Land liefern. 72 Kommunen, von der Millionen-Metropole bis zur Kleinstadt auf dem Lande, folgten dem Aufruf zur Entwicklung eines intelligenten und umsetzbaren Energiekonzepts. Davon qualifizierten sich 15 Städte für eine mit 200.000 Euro geförderte Ausarbeitung ihrer Umbaustrategien. Im Herbst 2010 wurden nun fünf Siegerstädte gekürt: Es sind Essen, Magdeburg, Stuttgart, Wolfhagen in Nordhessen und Delitzsch in Sachsen.

Städte aus dem All. Bild: NASA/DLR

Städte in der Nacht. Bild: NASA/DLR.

"Die Kommunen müssen ihre Städte als komplexe Systeme begreifen", sagt Michael Knoll vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin. Zudem soll durch Transparenz und öffentliche Diskussion eine breite Akzeptanz erreicht werden, um nicht an den Bürgern vorbei zu planen. So stehen die Bürger bei der Klima-Initiative der Gewinner-Stadt Essen im Mittelpunkt.

Energie aus Abfall

Magdeburg will sich zur Modellstadt für Erneuerbare Energien mausern. Ein Energie-Geo-Informationssystem mit der Nutzung von Abfällen und regenerativen Kraftwerken soll den Treibhausgasausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Ähnliche Ziele setzt sich Stuttgart, das eine Energie-Roadmap bis 2050 erstellen will. Delitzsch achtet zusätzlich auf die sozio-ökonomischen Aspekte des Lebensraumes Stadt und will seine Infrastruktur-Strategie auf das Schrumpfen einer mittelgroßen Stadt anpassen.

Die Ideen der 15 Finalisten sollen vor allem nicht in den Schubladen der Planer verschwinden. Aachen könnte zum Vorbild für viele historische Städte werden. Die energetische Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden steht hier im Mittelpunkt. Mit erschwinglichen Methoden sollen historische Bauten eine effizientere Wärmedämmung erhalten, die das äußere Erscheinungsbild nicht beeinflusst. In der Stärkung des Fahrradverkehrs sieht München die Zukunft für eine energieeffiziente Mobilität.

Wolfhagen strebt 100 Prozent Erneuerbare Energien an

Die Gewinner-Kleinstadt Wolfhagen stellt sich mit seinen knapp 14.000 Einwohnern einer noch größeren Herausforderung. Sie will ihren Energiebedarf in Zukunft komplett aus regenerativen Quellen decken. Neben der Gebäudesanierung soll dieses Ziel mit Solaranlagen, einem Bürgerwindpark und Biomasse-Kraftwerken erreichbar werden. Ein intelligentes Stromnetz würde Angebot und Nachfrage ausgleichen und die Grundlage für eine größere Elektromobilflotte legen. "Von den Lösungen wie auch den Schwierigkeiten kann eine Vielzahl von Kommunen profitieren", sagt die Koordinatorin des Wolfhagener Konzepts, Christina Sager vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik.

Die fünf Gewinner können ihre Konzeption in den kommenden drei bis fünf Jahren umsetzen – mit einer Unterstützung von bis zu einer Million Euro pro Jahr. Bundesforschungsministerin Annette Schavan hofft aber, dass auch alle anderen Teilnehmer von dem Wettbewerb profitieren und dass "neue Konzepte und Forschungsergebnisse Eingang in die Stadtplanung finden".

Weitere Informationen:

BMBF-Wettbewerb "Energieeffiziente Stadt"

Die DLR-Energiefrage der Woche im Wissenschaftsjahr "Die Zukunft der Energie"

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das Wissenschaftsjahr 2010 unter das Motto "Die Zukunft der Energie" gestellt. Aus diesem Anlass beantwortet der Wissenschaftsjournalist Jan Oliver Löfken in diesem Jahr jede Woche eine Frage zum Thema Energie in diesem Blog. Haben Sie Fragen, wie unsere Energieversorgung in Zukunft aussehen könnte? Oder wollen Sie wissen, wie beispielsweise ein Wellenkraftwerk funktioniert und wie effizient damit Strom erzeugt werden kann? Dann schicken Sie uns Ihre Fragen. Wissenschaftsjournalist Jan Oliver Löfken recherchiert die Antworten und veröffentlicht sie jede Woche in diesem Blog.   


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Über den Autor

Der Energiejournalist Jan Oliver Löfken schreibt unter anderem für Technologie Review, Wissenschaft aktuell, Tagesspiegel, Berliner Zeitung und das P.M. Magazin. Derzeit diskutiert er im DLR-Energieblog aktuelle Themen rund um die Energiewende. zur Autorenseite

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