Aeronautics Blog | 10. August 2015

HALO - Flug in den Monsun

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Es ist kurz nach Mitternacht. Am frühen Morgen soll HALO zum ersten Messflug in den asiatischen Monsun aufbrechen. Gestartet wird von Gan auf dem Atoll Addu im indischen Ozean. Die Messbedingungen sind nach den Vorhersagen optimal. Noch warten wir im strömenden Tropenregen erwartungsvoll auf den Transportcontainer mit dem notwendigen Equipment zum Vorbereiten der Instrumente. Er ist seit fünf Tagen überfällig. Wenn er in 30 Minuten nicht am Flughafen ankommt, müssen wir den Flug absagen. Dann endlich die große Erleichterung. Der Container wird doch noch angeliefert und die nächtliche Flugvorbereitung bis zum Start am Morgen kann beginnen. weiterlesen

Aeronautics Blog | 12. Juni 2015 | von Falk Dambowsky

Rendezvous in Keflavik

Wenn man am internationalen Flughafen in Keflavik/Island fern des Passagierterminals durch die Räumlichkeiten des lokalen Handling-Agenten South-Air schreitet, findet man, eingerahmt an den Wänden, das Who-is-Who deutscher und amerikanischer Luftfahrtforschung. Normalerweise sind Geschäftsflieger hier auf der Durchreise zwischen den Kontinenten. Während ihre Business-Jets betankt werden, haben die Reisenden Gelegenheit bei Kaffee und Keksen die Bilder der berühmten Luftfahrzeuge und die darauf stehenden Widmungen zu bestaunen.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Erinnerungen an vergangene DLR-Forschungsmissionen mit Falcon und HALO in Island

Allein zweimal findet man die DLR-Falcon in Erinnerung an größere Forschungsaufenthalte (2003 und 2009). Das vom DLR betriebene deutsche Atmosphärenforschungsflugzeug HALO war 2012 hier, als es auf einer Mission von Pol zu Pol unterwegs war. Daneben finden sich Forschungsflieger der NASA, so das legendäre Höhenforschungsflugzeug ER-2, dessen Piloten wie Astronauten anmuten, wenn sie im Druckanzug ins Cockpit steigen und 21 Kilometer hoch über der Erdoberfläche weit in die Stratosphäre vordringen.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Bild des NASA-Höhenforschungsflugzeugs ER-2 mit Widmung des Piloten

Daneben eine Gulfstream C-20A, die mit spezieller Radartechnik ausgestattet ebenfalls im Mai 2015 in Island war. Und nun auch die DC-8 der NASA, die bei den aktuellen Flugversuchen Seite an Seite mit der Falcon flog. Dabei ist diese DC-8 mittlerweile ein Unikat als letzte ihrer Art, die noch nicht zum Frachter umgebaut oder außer Dienst gestellt wurde.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Ankunft der Do-228 CFFU in Keflavik. Im Hintergrund steht die DC-8 der NASA

Bei der schon besonderen Zweisamkeit von Falcon und DC-8 sollte es allerdings nicht bleiben. Kurz vor Ende der ADM-Mission stieß die Do-228 CFFU des DLR dazu. Sie war zuvor mehrere Wochen auf Grönland im Einsatz, um ein neues Radargerät zu testen, das Eis und dessen Struktur bis zu 50 Meter tief erfassen kann. Um in der arktischen Polarregion über Grönland für alle Fälle gerüstet zu sein, hatte die Crew immer die passende Notfallausrüstung dabei, Kälteschutzanzüge inklusive.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Polare Notfallausrüstung an Bord der Do-228 CFFU

Für den Überflug nach Island fiel diese Ausrüstung so ins Gewicht, dass die lange Strecke über Wasser ohne Tankstopp nur mit minimierter Crew möglich war. Die beiden Piloten und der Bordtechniker reisten an Bord der Do-228, die wissenschaftlichen Kollegen mussten über eine Linienverbindung den Weg nach Island mit einigen Tagen Verspätung finden.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Die Piloten Steffen Gemsa und Thomas van Marwick vor der Do-228 CFFU

Während Falcon und DC-8 ihre Mission beenden, bleibt die Do-228 noch etwas am international beliebten "Forschungsflughafen" in Keflavik. Für die Crew schließt sich nach ihrem Grönlandaufenthalt eine kürzere Flugkampagne auf Island an, bei der das Wissenschaftsteam um Ralf Horn vom DLR-Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme verschiedene Lavafelder befliegt. Das neue Radarsystem soll neben der Fähigkeit, Eisstrukturen zu offenbaren, auch zeigen, wie es die Rückstreueigenschaften und Topographie erstarrter Lava erfassen kann.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Blick aus dem Fenster der Do-228 CFFU im Anflug auf den Flughafen Keflavik

Dafür ist Island als großflächige vulkanische Insel der ideale Ort. Bei ihren irdischen Messungen haben die Forscher handfeste außerirdische Anwendungen im Blick. Die neue Radartechnik soll eines Tages auf einer NASA-Raumsonde zur Venus fliegen und per Radar durch die optisch undurchdringlichen Schwefelsäure-Wolken hindurch, neue Erkenntnisse über die vulkanisch geprägte Kruste unseres Nachbarplaneten liefern.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Blick auf ein isländisches Lavafeld


 

Aeronautics Blog | 01. Juni 2015

Ein Wollknäuel für die Wissenschaft

Tanken in Grönland
Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Tanken in Grönland vor dem Air Greenland Hangar

Für mich als Forschungspilot ist es eher ungewöhnlich, ein Flugzeug wie derzeit die DLR-Falcon einfach nur wie einen Passagierflieger von A nach B zu fliegen. Unsere Flugwege folgen anderen Zielen, die uns die Wissenschaft immer wieder vorgibt. Meist startet man an einem Ort um verschiedene Ziele nacheinander anzufliegen, um dann am Ende des Tages wieder zurück an der "Basis" einer Forschungsflugkampagne, wie hier in Kevlavik/Island, anzugelangen. In der aktuellen Kampagne "ADM" werden Islandtiefs gemessen. Manchmal kann es auch passieren, dass man zwischenlanden muss, meist zum Tanken wie derzeit hin und wieder in Kangerlussuaq auf Grönland, um anschließend den Forschungsflug fortzusetzen.

Schaut man sich dann nach einem bewegten Forschungsflugtag einmal den per GPS aufgezeichneten Weg am Himmel an, sieht man manchmal erstaunliche Muster: Oft ist es nur ein eher wirres Gekrakel, manchmal entdeckt man aber auch fast schon künstlerische Strukturen. Am 16. Mai ergab sich so ein ästhetisches Bild über Grönland.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
GPS-Track des Fluges vom 16. Mai 2015

Auf dem Bild sieht man einen Ausschnitt des Flugweges der DLR-Falcon, mit der wir hintereinander zweimal für jeweils etwa eine halbe Stunde mit einer konstanten Querneigung von 20 Grad gekreist sind. Dies taten wir, weil der Laser des Lidars in dieser Zeit senkrecht nach unten strahlen sollte. Wir kamen von Norden in das Messgebiet geflogen und begannen südwestlich mit dem Manöver (im Bild unten links). Durch den Wind, der unser Flugzeug etwas abtrieb, entstand schließlich der spiralförmige Flugweg, ganz ähnlich einem Wollknäuel.

Eine besondere Herausforderung ist es, ein solches Manöver mit den Flugsicherungsstellen abzustimmen. Schon unter "normalen" Bedingungen, also in Gebieten mit regulärer Radarabdeckung über den Kontinenten, ist dies nicht ganz einfach. Bedenkt man, dass dieses Wollknäuel über dem Grönländischen Inlandeis entstand, wo der zuständige Fluglotse keine Unterstützung durch ein Radarbild hat und zusätzlich auch noch die Kollegen der NASA DC-8 im gleichen Gebiet unterwegs waren, ist es umso anspruchsvoller sich zu koordinieren. Dies ist nur durch eine aufwändige Abstimmung mit den verschiedenen Flugsicherungsstellen vor dem Flug und einer intensiven Kommunikation mit den Fluglotsen und den DC-8 Piloten während des Fluges möglich. So entsteht in gemeinsamer Arbeit über Grenzen hinweg solch ein erstaunlich geordnetes Muster, das uns in der Forschung ein Stückchen mehr Erkenntnis bringt.

Weitere Blogeinträge zur Kampagne gibt es auf dem ESA-Blogportal "campaigns at work".

Aeronautics Blog | 29. Mai 2015

Im Jet: Erkundung starker Winde bei Island

Betanken der Falcon vor dem Start
Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Betanken der Falcon vor dem Start, im Hintergrund steht die DC-8 der NASA (3. von vorne).

Manchmal braucht man einfach Glück, vor allem beim Wetter reichen nicht nur die Vorhersagen, sondern oft ist das kleine Quäntchen zusätzlich nötig, damit es wirklich klappt. Eines der Ziele der aktuellen Forschungskampagne auf Island ist es, neben der Erprobung neuer Lidar-Technik die starken Veränderungen der Windgeschwindigkeiten in sogenannten Jetstreams (schnell strömende, stark mäandrierende Luftmassen) zu beobachten.

Wenn man von Island aus startet, liegt die ideale Zielregion für ein solches Vorhaben in der Nähe dieser starken Strömungen über dem Nordatlantik innerhalb der Reichweite des Flugzeugs. Die Bedingungen am Freitag, den 15. Mai 2015, waren für uns wie geschaffen, um diesem Ziel einen entscheidenden Schritt näher zu kommen und mit der DC-8, einem Forschungsflugzeug der NASA, sowie unserer Falcon zur Erkundung starker Jetstreams aufzubrechen. weiterlesen

Aeronautics Blog | 16. Mai 2014 | von Falk Dambowsky

Gruppenfoto mit NASA-Chef Charlie Bolden

Quelle: NASA
Gemeinsam mit Charlie Bolden vor der Falcon

Parallel zu den gemeinsamen Flugversuchen von DLR und NASA, hatte die amerikanische Raumfahrtbehörde in Kalifornien am 13. Mai 2014 einen besonderen Termin im Kalender. Dieser Tag war der großen Legende Neil Armstrong gewidmet. Nachdem Armstrong im August 2012 mit 82 Jahre verstorben war, ehrte die NASA ihren "First Man on the Moon" nun mit der Umbenennung eines ihrer Forschungszentren.

Das ehemalige Drydon Flight Research Center in Kalifornien auf der Edwards Air Force Base wurde in Armstrong Flight Research Center umbenannt. Von hier startete der spätere Ausnahmeastronaut Anfang der 50er-Jahre zu Testflügen mit den Raketenflugzeugen Bell X-1 und North American X-15. Eine Veranstaltung mit NASA-Administrator Charlie Bolden würdigte Armstrongs Verdienste und vollzog die offizielle Namensänderung des NASA-Forschungszentrums von Dryden in Armstrong Flight Research Center. weiterlesen

Aeronautics Blog | 15. Mai 2014 | von Falk Dambowsky

Ein Morgen an der Falcon

Der Himmel über Palmdale zeigt sich in einer malerischen Mischung aus weiß und blau. Ein Netz aus Kondensstreifen durchkreuzt ihn. Die Atmosphärenforscher sind gespannt auf ihre Messungen. Wird der Biotreibstoff im Flug weniger Rußpartikel im Abgas und weniger Eiskristalle in den Kondensstreifen zeigen? Um acht Uhr morgens ist die Falcon des DLR schon ausgehallt, wie es im Fliegerdeutsch treffend heißt.

Die Vorbereitungen von Technikern und Wissenschaftlern für den Messflug laufen. "Zur Vorbereitung und Durchführung eines Messfluges ist das Zusammenwirken vieler Kollegen vom DLR-Institut für Physik der Atmosphäre und der DLR-Forschungsflugabteilung nötig", erzählt Missionsleiter Hans Schlager auf dem Weg zur Falcon. Für 11:30 Uhr ist der Start geplant.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Dieselaggregat und externe Klimaanlage vor der Falcon

Nähert man sich dem Forschungsflieger über das Vorfeld, verstärkt sich mit jedem Schritt das Dröhnen eines Dieselaggregats. Die Messinstrumente der Falcon benötigen Strom. Ein Teil der Geräte muss schon Stunden vor dem Start warmlaufen, um während des Flugs verlässlich zu arbeiten. Daneben befindet sich eine externe Klimaanlage, die die Abwärme der Messgeräte aus der Kabine transportiert und die Temperaturen für die Wissenschaftler beim Kalibrieren ihrer Geräte erträglich macht. weiterlesen

Aeronautics Blog | 07. Mai 2014 | von Falk Dambowsky

Im Hangar der NASA

Es ist eine edle Gesellschaft in der sich die DLR-Falcon hier im Hangar des Armstrong Flight Research Center in Palmdale/Kalifornien befindet, während sie auf den ersten gemeinsamen Forschungsflug vorbereitet wird. Schräg gegenüber parkt die Falcon der NASA, die gemeinsam mit der DLR-Falcon die Vermessungen der Emissionen und Kondensstreifen bei alternativen Treibstoffen übernimmt. weiterlesen