Columbus Blog | 29. Februar 2016 | von Tom Uhlig

Tim Peakes Flying Circus

Samantha Cristoforetti hatte uns, indem sie ihre ISS-Mission unter das Motto "Per Anhalter durch die Galaxis" stellte, eine exzellente Vorlage gegeben, die wir sehr gut für Public Relations nutzen konnten. Für Tim Peake - dem einzigen Briten im europäischen Astronautenkorps - hätte sich meiner Meinung nach die britische Komikertruppe Monty Python gut angeboten - mit deren Film "Das Leben des Brian" die coolen Religionslehrer gerne vor Ostern bei den Schülern punkteten. Zumindest zu meiner Schulzeit...

Monty Python - Tim Peake: damit drängt sich der Titel dieses Blogs geradezu auf - als Hommage an die frühere Comedy-Show der BBC "Monthy Python‘s Flying Circus".##markend##

Der Inhalt ist auch gleich gefunden - zumindest, wenn man mit "Zirkus" so etwas assoziiert wie "aufwändig",  "international", "höchstunterhaltsam" (zumindest für uns im Kontrollraum), "irgendwie Weltklasse", "viel Vorbereitung vonnöten", "an der Grenze des Machbaren“, vielleicht auch etwas wie "nicht ganz ungefährlich"... Es geht um das Airway Monitoring-Experiment, das letzte Woche wieder einmal mit großem Aufwand durchgeführt wurde.

Über den wissenschaftlichen Inhalt des Experiments hat Tim selbst und auch dieser Blog hier schon berichtet - aber vielleicht einmal "Zirkusluft hinter den Kulissen schnuppern" gefällig?

Es ist sicher das komplexeste Experiment, das wir auf der ISS bisher unter europäischer Federführung durchgeführt haben. Denn wir operieren nicht in heimatlichen Gefilden - also in "unserem"  Columbus-Modul, sondern in der US-Luftschleuse. Alles muss also mit den amerikanischen Kollegen abgestimmt werden. Und wir arbeiten nicht bei "normalem Luftdruck", sondern wir bringen die Schleuse auf Unterdruck. Will heissen, dass wir an einem für die Astronauten lebenswichtigen Parameter drehen - weshalb die gesamte "Med Ops"-Community auch mitsprechen will und muss. Die Sicherheitsexperten auf beiden Seiten des Atlantiks müssen involviert werden - und europäische Handware muss im amerikanischen Bereich der ISS betrieben werden.

Man kann den bürokratischen Aufwand, der in der bemannten Raumfahrt betrieben wird, eigentlich kaum zu groß schätzen. Und entsprechend wurde seit Monaten gearbeitet an den Prozeduren, die Schritt für Schritt der Crew den Experimentablauf auflisten, den Dokumenten, die die Zusammenarbeit zwischen der NASA und uns genau detaillieren, den nötigen Flight Rule-Änderungen, die medizinische Randbedingungen und akustische Grenzwerte festschreiben, den formalen Befreiungen von einigen anderen Flight Rules sowie den Regeln für die Benutzung der relevanten Sprechfunkkanäle.

Die verschiedenen notwendigen Einzelaktivitäten mussten nicht nur auf der Timeline (Stundenplan) in der richtigen Sequenz aufgeplant werden - für alle Eventualitäten wurden auch die verschiedenen Abhängigkeiten in einer Flow Chart dokumentiert: Nur so ist sichergestellt, dass Änderungen in Echtzeit in der Sequenz vorgenommen werden können, ohne eine der Randbedingungen eventuell zu übersehen.

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Mit Hilfe der amerikanischen Kollegen sind wir live dabei im Airlock - die Komplexität allein des Versuchsaufbaus selbst ist gut zu erahnen und steht stellvertretend für die komplizierte Gesamtlogistik.
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Über den Autor

Als Kind wollte Tom Uhlig Astronaut werden. Seit 2005 arbeitet er beim DLR und kam dabei seinem Traum sehr nahe. Heute leitet er das Trainingsteam am Columbus-Kontrollzentrum, das die neuen Kollegen an ihre Arbeit im Kontrollraum heranführt und zertifiziert. zur Autorenseite

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