Raumfahrt | 27. Juni 2016 | von Fabian Walker

Alles sauber auf der ISS

Quelle: NASA
Gesunde Umgebung für die Crew der Expedition 47 auf der ISS. Erste Reihe von links: ESA-Astronaut Timothy Peake, NASA-Astronaut Timothy Kopra und Roscosmos-Kosmonaut Yuri Malenchenko. HIntere Reihe von links: Die russischen Kosmonauten Oleg Skripochka und Alexey Ovchinin mit NASA-Astronaut Jeff Williams.

Ich glaube, meine Geschwister und ich waren schon "aus dem Gröbsten raus" , aber "Löwenzahn" haben wir trotzdem noch hin und wieder gerne geschaut. Eines Sonntags stieg Peter Lustig dabei in die Kanalisation hinab. An die genaue Story kann ich mich nicht mehr erinnern, wohl aber daran, dass wir nach der Sendung den nächsten Kanaldeckel bei uns im Dorf gesucht und geöffnet haben, um zu sehen, ob sich dort unten  auch eine verborgene Welt verbirgt. Was wir vorfanden war natürlich nicht ganz so eindrucksvoll wie es in einer Großstadt gewesen wäre, wo sich in der Tat eine Infrastruktur auftut, die niemand dort vermutet: Eben nicht nur ein Rohrgewirr, sondern riesige Wasserstraßen, gigantische Säle... Und all dies, um unsere Umgebung sauber zu halten.

An dieses Kindheitserlebnis muss ich jedes Mal denken, wenn mir hier im Columbus-Kontrollzentrum regelmäßig der Umweltbericht der Internationalen Raumstation ISS ("Integrated Environmental Report") von unseren Biomedical Engineers (BMEs) ins Postfach flattert. Natürlich ist einem klar, dass die Umweltbedingungen auf der Raumstation überwacht werden müssen. Auf  der ISS leben schließlich Menschen, die sauberes Wasser, saubere Luft und einen gesunden Lebensraum brauchen. Aber wie  komplex dieses Thema ist und wieviel Arbeit nötig ist, das überrascht dann doch irgendwie.##markend##

Wenn ich den Bericht durchblättere, stoße ich zuerst auf das "Akustikkapitel". Klar, auf der ISS laufen zahlreiche Maschinen, Aggregate und Geräte - dass aber deren Lautstärke zum Problem werden könnte? Auf einer Seite mit verschiedenen Tabellen und Graphen hat das Johnson Space Center Acoustic Office die Lautstärkemessungen, die mit verschiedenen Instrumenten regelmäßig an verschiedenen Orten auf der ISS genommen werden, zusammengetragen. Diese werden in Relation zu den ISS-Anforderungen und den Grenzwerten für dauerhafte und zeitweise Hörschäden gesetzt sowie die akustischen "Hauptumweltverschmutzer" aufgeführt und die entsprechend getroffenen Gegenmaßnahmen erläutert. Beispielsweise laufen ständig überall Ventilatoren, um die Luft aktiv zu bewegen.

Auf der nächsten Seite folgt der mikrobiologische Report. Glücklicherweise ist der nicht allzu detailliert; gemessen wird sicher wesentlich spezifischer. Die Zusammenfassung für Nicht-Biologen gibt nur für Luft, Trinkwasser und die Oberflächen des ISS-Inneren an, wie häufig und an welchen Orten hierfür Proben entnommen wurden, wann der Zeitpunkt der letzten und der nächsten Probennahme war sowie das Ergebnis: Die Messwerte liegen "innerhalb der definierten Grenzwerte". Glücklicherweise keine lateinischen Pilz- oder Bakteriennamen... Zum Großteil werden die Messungen an Bord durchgeführt. Die Astronauten machen Abstriche, legen dann Zellkulturen an und schicken die Fotos von dem, "was da so gewachsen ist", zur Analyse herunter. Auch heimkehrenden Raumschiffen wird ein Set an Proben mitgegeben, die dann in Labors auf der Erde analysiert werden.

Dann folgen drei Seiten mit Information über die Strahlung, die ja im Weltraum höher ist als auf der Erde. Ich zähle fünf Typen von aktiven Strahlungsdetektoren auf der ISS und drei passive Typen - ein riesiger Aufwand. Aber Sorgen um unsere Astronauten muss ich mir nicht machen: Alles im Limit! Und der "Weltraumwetterbericht" der letzten Wochen schaut auch OK aus: Die Sonnenaktivitäten hielten sich im Rahmen, genauso das geomagnetische Verhalten der Erde und die "Solar Particle Events" waren auch nicht dramatisch.

Dann kommen die TEC-Daten (Toxicology and Environmental Chemistry) und beinhalten ebenfalls gute Neuigkeiten: Alle Werte liegen unter den SMACs-Limits (Spacecraft Maximum Allowable Concentrations). Auch hier gibt es wieder die verschiedensten Messverfahren, die verschiedensten Substanzen, denen in der Luft und im Trinkwasser nachgespürt wird. Zum Teil automatisch, zum Teil wird den Astronauten auf ihrer Timeline in regelmäßigen Abständen eine Aktivität eingeplant, um mit bestimmten Messgeräten eine Analyse zu machen. Luft- und Wasserproben werden teilweise von ablegenden Raumschiffen für die Bodenlabors mitgenommen.

Das Fazit: Die Astronauten leben in einer unbedenklichen Umgebung. Beruhigt schiebe ich den Bericht in meine Ablage.

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Über den Autor

Als Kind wollte Tom Uhlig Astronaut werden. Beim DLR kam er dabei seinem Traum sehr nahe: Er arbeitete als Columbus-Flugdirektor an der Konsole und leitete sowohl das Col-CC-Trainingsteam als auch Gruppe für den Betrieb von geostationären Satelliten bis Dezember 2016. zur Autorenseite

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