Energie | 13. Dezember 2010 | von Jan Oliver Löfken | 4 Kommentare

Energie-Frage der Woche: Völlig autark – Gibt es auch einen Weg zur kompletten Selbstversorgung mit Energie?

Der Strom wird nahezu jedes Jahr teurer, Gas- und Ölpreise tendieren ebenso stetig nach oben. Um seine eigenen vier Wände mit Wärme und Elektrizität zu versorgen, sind fast alle Bundesbürger auf die Lieferungen von Stadtwerk oder Stromanbieter angewiesen. Gibt es nicht einen Weg, sich aus diesen Zwängen zu befreien?

Über die Hälfte aller Deutschen lebt in gemietetem Wohnraum. Für diese große Gruppe ist die Umstellung auf eine eigene Wärme- oder Stromversorgung eher schwierig, da der Einbau entsprechender Anlagen nicht selten mit hohen Investitionskosten verbunden ist. Für eine Mietwohnung ist eventuell der  Einbau eines Kamins möglich und erschwinglich, um mit einem heimeligen Holzfeuer auch die Heizkosten etwas senken zu können.

Energiesparen steht an erster Stelle

Bewohner von Eigentumswohnungen oder noch besser einem eigenen Haus haben deutlich mehr Möglichkeiten. An erster Stelle steht jedoch das Einsparen, Elektrogeräte mit hoher Energieeffizienz und eine Wärmedämmung senken den Energiebedarf sinnvoll. Für die Selbstversorgung mit Energie bieten sich dann zahlreiche Technologien an: So kann das wärmere Erdreich in einigen Metern Tiefe über Erdsonden und Wärmepumpen zum Heizen des Eigenheims genutzt werden. Der Strom von Solarzellen auf Dächern in guter Ausrichtung zu Sonne kann gegen eine zugesicherte Vergütung ins Stromnetz eingespeist werden oder den Eigenbedarf decken.

Wer die teure Bohrung für eine Erdsonde scheut, kann sich mit einem modernen Holzpellet-Brenner von der Preisentwicklung auf dem Öl- und Gasmarkt abkoppeln. Doch auch hier ist in Zeiten größerer Nachfrage mit Preissteigerungen für das Brenngut zu rechnen. Wer für eine autarke Stromversorgung nicht über eine große Dachfläche mit viel Sonneneinstrahlung verfügt, könnte auf ein Kraftwerk im Keller auf der Basis von Brennstoffzellen zurückgreifen. Erste Geräte stehen bereits vor der Marktreife und werden meist mit Erdgas betrieben. Die Bindung an den Stromanbieter wird dadurch im Prinzip nur durch eine neue Abhängigkeit vom Gaslieferanten ersetzt und der gehört nicht selten zum gleichen Unternehmen wie der Stromversorger.

Ein Haus, das Energie erzeugt

Im Prinzip sind nachträgliche, energiesparende Umbauten eines Hauses immer teurer als die direkte Installation bei einem Neubau. Nach dem Passivhaus, das nur sehr wenig Energie benötigt, und dem Nullenergiehaus, das im Jahresmittel keine Energie von außen beziehen soll, existieren bereits Konzepte für das Plusenergiehaus. Dieses erzeugt dank Solarzellen, Brennstoffzellen, Wärmepumpen und herausragender Dämmung mehr Energie als zur Eigenversorgung nötig. Ein Prototyp wurde mit Unterstützung der Bundesregierung in Leichtbauweise entwickelt und befindet seit diesem Jahr auf einer Tournee durch das Bundesgebiet. Noch werden nur wenige Bauherren aus Kostengründen ein Plusenergiehaus bauen können. Doch bietet die Wanderausstellung zahlreiche Ideen, wie man seinen Energiebedarf wenigstens zu einem Teil senken oder selbst decken kann.

Weitere Informationen zum Projekt Plus-Energie-Haus

Bild: Plus-Enerige-Haus, Quelle: BMVBS / Christoph Vohler.

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Über den Autor

Der Energiejournalist Jan Oliver Löfken schreibt unter anderem für Technologie Review, Wissenschaft aktuell, Tagesspiegel, Berliner Zeitung und das P.M. Magazin. Derzeit diskutiert er im DLR-Energieblog aktuelle Themen rund um die Energiewende. zur Autorenseite