Space Blog | 08. Dezember 2016 | von Tom Uhlig

Rangieren im Orbit gegen den "Paprika-Effekt"

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Das Gravitationsfeld der Erde entspricht in macher Hinsicht einer Paprika: Die eigentlich an einem festen Orbit über der Erdoberfläche stehenden geostationären Satelliten driften in Richtung der Furchen - "energetisch günstiger"

Seitwärts einparken, das habe ich als "Landei" schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr gemacht - zumindest nicht in einer Großstadt wie München, wo Parklücken nur unwesentlich länger ist als mein Kleinwagen. Prompt brauche ich mehrere Anläufe, um eine einigermaßen angemessene Entfernung von der Bordsteinkante zu haben - die anderen Verkehrsteilnehmer sind freilich begeistert und applaudieren mit einem enthusiastischen Hupkonzert. Geschafft, vielleicht nur noch ein bißchen zurücksetzen, damit der knappe Rangierabstand gleichmäßig auf meinen Vorder- und Hintermann verteilt ist. Lustigerweise erinnert mich die Situation aus dem Straßenverkehr an den gestrigen Morgen im Kontrollraum, als Flugdirektorkollege Andreas Kolbeck und ich mit einem unserer geostationären Satelliten ein "Manöver geflogen" sind.

Die GEOs stehen ja von der Erde aus betrachtet an einer gleichbleibenden Position - und zwar in einer vorgegebenen Box, die sie nicht verlassen dürfen - im geostationären Orbit auf einer Höhe von 36.000 Kilometern über dem Äquator geht's eng her. weiterlesen

Space Blog | 05. Dezember 2016 | von Philip Kausche

Vorletzter Start von Kourou in diesem Jahr

+++ Update +++ Die Vega ist um 14:52 Uhr erfolgreich gestartet, der Satellit Götürk-1 wurde knapp 57 Minuten später in seinem Orbit abgesetzt. Der nächste Vega-Start wird voraussichtlich im März 2017 stattfinden.

Quelle: ESA/CNES/Arianespace
Erfolgreicher Start der Vega-Rakete.
Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - JM Guillon
Ankunft der Spitze der Vega-Rakete am mobilen Startturm des Vega-Startplatzes in Kourou. Im Hintergrund der mobile Startturm, in dem bereits die Rakete auf ihren Passagier wartet.

Während wir in Deutschland gerade den zweiten Advent hinter uns gebracht haben und langsam auch dem Letzten klar wird, dass wir unweigerlich auf Weihnachten zugehen, herrscht auf dem europäischen Weltraumbahnhof noch emsiger Betrieb. Und fast so sicher wie das Weihnachtsfest am Ende des Monats, wird eine Vega-Rakete heute Nachmittag um 14:51 Uhr deutscher Zeit von Kourou aus in den Himmel starten. Übertragen wird der Start auf www.arianespace.com; der Livestream beginnt etwa 20 Minuten vor dem Start. weiterlesen

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Space Blog | 18. November 2016 | von Lysan Pfützenreuter

Deutsch-brasilianische Kooperation besteht erste Feuertaufe

Als ich eintraf, ertönte bereits die erste Warnung über dem Standort: Noch 20 Minuten bis zum Test. Ab diesem Zeitpunkt heißt es für alle im Kontrollraum, sich bereit zu machen. Für alle anderen ist es ein Signal, den Gefahrenbereich des Teststands aus Sicherheitsgründen zu verlassen. Der Kontrollraum füllt sich schnell. Alle Beteiligten nehmen ihre Plätze ein, dazu gehörten Verantwortliche für die Testvorbereitung und Testdurchführung, zusätzlich noch Sicherheitsbeauftragte, Feuerwehr und natürlich die Nutzer des Prüfstandes, deren Prüfling getestet werden soll. weiterlesen

Space Blog | 09. November 2016 | von Tom Uhlig

Außergewöhnlicher "Zuschauer" beim Simulationslauf für einen geostationären Satelliten

Käpt´n Blaubär beim GSOC
Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Käpt´n Blaubär - Ein Zuschauer im Kontrollraum

Zahlreiche Codezeilen laufen über den großen Bildschirm in einem Kontrollraum des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums, kurz GSOC (German Space Operations Center). Alles Kommandos, die an einen Satelliten im All geschickt werden - diesmal ist es allerdings eine Simulation. Bei aller Konzentration, die wir bei unserer Arbeit brauchen, ein außergewöhnlicher Zuschauer ist ab und zu willkommen. Heute "schaut" uns Käpt‘n Blaubär, die beliebte Figur aus der Sendung mit der Maus, bei der Arbeit zu. Er hat gut lachen. Er hat keinen Stress. Wir dagegen sind sehr beschäftigt: Unter den aufmerksamen und erfahrenen Augen von Flugdirektor Franck Chatel und Mission Operations Director Ralf Faller testen wir gerade einen Satelliten in seiner "geostationären Box" aus - aber nur in der Theorie. In Wirklichkeit steht die kleinwagengroße Maschine noch in einem Reinraum und wartet auf ihren Transport nach Kourou.

Mit dieser Simulation wird unser Team auf ein komplexes Zusammenspiel trainiert, verschiedene Prozeduren und Kommandosequenzen, die fließend und fehlerfrei durchlaufen werden müssen. Unsere Flight Controller müssen mit den Tools an der Konsole wie im Schlaf umgehen können und stets wissen, wer mit wem interagieren muss, wo die notwendigen Daten und Dateien zu finden sind. Und auch unter Stress müssen Probleme mit dem Satelliten oder dem Bodensystem gelöst werden können. weiterlesen

Space Blog | 19. Oktober 2016 | von Bernadette Jung

Wie Forscher die neuesten Erdbeobachtungsdaten nutzen - Teil 2

Quelle: DLR/NASA GSFC/Lee
Höhenmodell des Mangrovenwaldgebiets Sundarbans

Im zweiten Teil der Serie zum TerraSAR-X und TanDEM-X Science Meeting in Oberpfaffenhofen stellen wir weitere Anwendungsgebiete für Satellitendaten vor. Diesmal geht es zum Beispiel um die Bestimmung von Biomasse mit Hilfe der "Erdbeobachter aus dem All". Noch bis Donnerstag, 20. Oktober 2016 nutzen internationale Wissenschaftler den Kongress, um ihre Forschungsergebnisse zur satellitengestützten Erdbeobachtung zu zeigen und sich auszutauschen.

Hoch über dem Sumpf

Nass, warm und salzig - so mögen es Mangroven. Nur im Meerwasser oder Brackwasser von Flüssen fühlen sich die tropischen Bäume wohl. Gemeinsam mit anderen wasserliebenden Pflanzen und Sträuchern können sie sich zu ganzen Wäldern beziehungsweise Sümpfen ausbreiten. An den Küstenregionen bieten sie den Menschen Schutz vor Landverlust durch Küstenerosionen und puffern Sturmflutwellen und Tsunamis ab. Weltweit kommen Mangrovenwälder auf rund 150.000 Quadratkilometer Gesamtfläche. Das bedeutet auch enorme Mengen an Biomasse - Pflanzenteile, die als natürliche Kohlenstoffspeicher das Klima beeinflussen. Doch wieviel Biomasse steckt genau in diesen Wäldern? Und wie steht es um den Zustand dieser unwegsamen Gebiete? weiterlesen

Space Blog | 18. Oktober 2016 | von Bernadette Jung | 2 Kommentare

Wie Forscher die neuesten Erdbeobachtungsdaten nutzen - Teil 1

KIOST inertial DEM
Quelle: DLR/KIOST/NASA GSFC
Höhenmodell eines Küstengebiets

Wissenschaftler aus der ganzen Welt sind in Oberpfaffenhofen zum TerraSAR-X und TanDEM-X Science Meeting zusammengekommen. Vier Tage lang, vom 17. bis 20. Oktober 2016 haben sie Gelegenheit, ihre Ergebnisse aus den Daten der zwei Erdbeobachtungsatellitenmissionen zu zeigen und sich auszutauschen. Rund 200 Präsentationen geben einen Überblick über den neuesten Forschungsstand in der satellitengestützten Erdbeobachtung. Die Radardaten kommen in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Bereichen zum Einsatz, von der Klimaforschung über die Geowissenschaften bis hin zur Forstwirtschaft, Infrastrukturplanung und Methodik der Fernerkundung.

Begleitend zum Science Meeting stellt der SpaceBlog einige Arbeiten vor. Die kurzen Beispiele skizzieren, auf welche Weise die Daten der deutschen Radarmissionen Forscher weltweit unterstützen. weiterlesen

Space Blog | 04. Oktober 2016 | von Philip Kausche

Ariane 5 bringt zwei Satelliten und ein ESA-Experiment ins All

Die Ariane 5 auf dem Weg vom Integrationsgebäude in das
Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - G BARBASTE
Die Ariane 5 auf dem Weg vom Integrationsgebäude in das "Final Assembly Building". Dort werden die Satelliten mit der Nutzlastverkleidung auf der Rakete montiert.

+++ UPDATE +++
Der Ariane-Start gestern Abend war erfolgreich und ist damit der 74. erfolgreiche Start einer Ariane 5 in Folge. Der ursprünglich für den 4. Oktober geplante Start musste wegen starker Höhenwinde um 24 Stunden verschoben werden: Aufzeichnung des Starts.

Während wir in Deutschland gestern den Tag der Deutschen Einheit gefeiert haben, wurden in Kourou die letzten Vorbereitungen für einen Ariane-5-Start getroffen. Die Rakete steht inzwischen abflugbereit an ihrem Startplatz in Französisch-Guayana. Der Start wird voraussichtlich um 22:30 Uhr erfolgen und kann unter arianespace.com live verfolgt werden. Dies wird der fünfte Start einer Ariane 5 in diesem Jahr sein. An Bord befinden sich zwei Telekommunikationssatelliten und ein besonderes Experiment der ESA. weiterlesen

Space Blog | 15. September 2016 | von Philip Kausche

Vega startet Satellitenkameras für Peru und Google

Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - JM Guillon
Letzte Montagearbeiten vor dem Abflug: Der obere Teil der Vega wird auf die AVUM-Oberstufe der Rakete montiert.

+++ Update 16.09.2016 +++
Der gestrige Start der Vega war erfolgreich. Die Aufzeichnung des Starts gibt es hier.

Heute Nacht um 3:43 Uhr deutscher Zeit wird zum insgesamt siebten Mal der europäische Kleinlastträger Vega von Französisch-Guyana aus ins All starten. Vega hat gleich fünf kleine Erdbeobachtungssatelliten an Bord. Nachtaktive Menschen können sich den Start live unter www.arianespace.com ansehen. Die Satelliten und die dazugehörigen Adapter haben zusammen eine Masse von etwa 1230 Kilogramm.

Der größte Satellit an Bord der Vega ist ein Peruanischer Erdbeobachtungssatellit mit dem Namen PerúSAT-1. Der Satellit wurde im Auftrag der Peruanischen Raumfahrtagentur CONIDA von Airbus Defence and Space gebaut und hat eine Masse von circa 430 Kilogramm. Es ist der erste Erdbeobachtungssatellit Perus überhaupt. Er wird für eine Vielzahl von Erdbeobachtungsaufgaben eingesetzt werden: im Katastrophenschutz und -management, für Fischerei, Ozeanographie, Forstwirtschaft, Klimabeobachtung, Kartographie, Bergbau, Geologie, Gesundheitsmanagement, Land- und Forstwirtschaft und Hydrologie. weiterlesen

Space Blog | 31. August 2016 | von Manuela Braun

Zurück in der dicken Luft auf Meereshöhe

Quelle: DLR (CC-BY 3.0)
Ab in die Röhre: Zur Untersuchung ihres Hirns kamen alle Probanden der Studie nach dem Abstieg in das MRT.

Die Ausbeute der Höhenkrankheitsstudie in den Walliser Alpen ist groß: Fast 1500 Probengefäße mit dem Blut der Probanden, die bei minus 80 Grad Celsius im Trockeneis gefroren von der Regina Margherita-Hütte aus 4554 Metern Höhe zurück ins DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin nach Köln transportiert wurden. Dazu kommen knapp 200 Urinproben, 44 Speichelproben und 66 Blutbilder. Die Probanden selbst steuern noch elf sorgfältig geführte "Tagebücher" bei, in denen sie festhielten, wie stark sich die Symptome der Höhenkrankheit bei ihnen auswirkten. Und auch 22 Messwerte für den Blutdruck der Studienteilnehmer und 22 Messwerte für ihre Sauerstoffsättigung im Blut gehören zur Datensammlung, die für den Studienarzt Ulrich Limper vor allem eines bedeuten: eine detaillierte Auswertung, die mehr als ein halbes Jahr dauern wird.

Abschied von der Bergstation

Am Montag, 22. August, hatten die Probanden ein letztes Mal ihr morgendliches Ritual durchgeführt: Aufwachen, noch im Liegen Blutdruck und Sauerstoffsättigung messen und anschließend auf die Waage. Ein letztes Mal hatte der ärztliche Leiter der Studie Blutproben genommen. Um 7 Uhr macht sich dann die erste Gruppe mit dem Bergführer über den Gletscher auf den Weg zur Seilbahnstation Punta Indren, um nach 1600 Höhenmetern von dort aus mit der Gondel ins Tal zu fahren. Die zweite Gruppe packt in dieser Zeit die Ausrüstung auf der Margherita-Hütte ein. Ultraschallgerät, kistenweise Proben im Trockeneis, Gepäck, 600 Kilogramm müssen wieder für den Rücktransport per Hubschrauber vorbereitet werden. weiterlesen