Space Blog | 27. Januar 2017 | von Philip Kausche | 3 Kommentare

Erster europäischer Start in diesem Jahr

Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - P. Baudon
Die Sojus auf dem Weg zum Startplatz. Das blaue Stahlkonstrukt unterhalb der Rakete ist die Vorrichtung, um die Rakete am Startplatz aufzurichten.

+++ Update: Die Sojus ist um 02:03 Uhr erfolgreich gestartet. +++

Auch in diesem Jahr versuche ich zu jedem Start aus Europa einen Blogbeitrag zu schreiben. Der erste ist für heute Nacht geplant. Um 2:03 Uhr deutscher Zeit soll eine "europäisierte" Sojus vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guayana, starten. Hier geht's zur Live-Übertragung.

Warum die aus Russland stammende Sojus auch für Europa startet sowie Informationen über die technischen Details, können hier nachgelesen werden.##markend##

Dies ist aber nicht nur der erste europäische Start in diesem Jahr, sondern auch der erste Start einer Sojus aus Französisch-Guayana in einen geostationären Transferorbit (GTO). Dieser Orbit wird üblicherweise nur von Ariane 5 angeflogen, da der Schwerlastträger in der Regel Telekommunikationssatelliten transportiert. Normalerweise fliegt Sojus niedrige und mittlere Erdorbits an und transportiert dann Satelliten für die Erdbeobachtung oder Galileo-Satelliten. Sojus ist jedoch in der Lage, alle relevanten Orbits anzufliegen. Daher ist der Träger extrem flexibel einsetzbar und eine hervorragende Ergänzung zur Ariane 5 und Vega. Für die ganz großen Telekommunikationssatelliten, wie sie Ariane 5 transportiert, ist er allerdings zu schwach.

Spanischer Satellit mit deutscher Technologie

Quelle: ESA/CNES/Arianespace - Photo Optique Video du CSG - P. Baudon
Die Sojus kurz vor dem Aufrichten. Kein Ort, an dem man sich aufhalten sollte: Die Grube wird beim Start zum Inferno.

An Bord der Sojus befindet sich ein Telekommunikationssatellit, der in einem geostationären Transferorbit abgesetzt werden soll. Dies ist ein stark elliptischer Orbit, von dem aus der Satellit dann seine eigentliche kreisrunde Bahn in zirka 36.000 Kilometern Höhe um die Erde ansteuert.

Der Satellit trägt den Namen Hispasat 36W-1, und mit ihm wird zum ersten Mal die SmallGEO-Satellitenplattform zum Einsatz kommen. SmallGEO wurde in einer öffentlich privaten Partnerschaft (Public-Private-Partnership) zwischen der Europäischen Weltraumorganisation ESA und dem privaten Satellitenbetreiber Hispasat im Programm "ESA ARTES SGEO" entwickelt, in der Deutschland als größter Beitragszahler die Programmführung übernommen hat. Der Auftrag für Entwicklung und Bau ging an das deutsche Unternehmen OHB System aus Bremen.

Der Hispasat-Satellit ist allerding alles andere als "small". Er bringt beim Start 3.220 Kilogramm auf die Waage und ist etwa 5 Meter mal 2,5 Meter mal 3,1 Meter groß. Allerdings bringt es ein großer Telekommunikationssatellit locker auf das doppelte Gewicht - dagegen wirkt der Hispasat dann doch wieder eher klein. Befindet sich Hispasat dann in seiner endgültigen Orbitposition, deckt er ein Gebiet ab, das sich von Spanien über Portugal, die kanarischen Inseln bis hin zu Südamerika erstreckt.

Quelle: ESA - Stephane Corvaja, 2017
Die Rakete ist aufgerichtet. Allerdings fehlen noch die Oberstufe und die Nutzlast an der Spitze der Rakete. Im Hintergrund sieht man den mobilen Startturm, der schützend über die Rakete geschoben wird. Danach wird die Oberstufe mit der Nutzlast auf der Rakete montiert. Zum Start wird der Startturm wieder entfernt.

Von Null auf über 32.000 Stundenkilometer in 27 Minuten

Die Sojus-Rakete wird gerade einmal 32 Minuten brauchen, bis der Satellit abgesetzt werden kann. Die insgesamt 32 Triebwerke der vier Booster und der Hauptstufe entwickeln beim Start einen Schub von über 400 Tonnen, die den über 300 Tonnen schweren Träger in die Luft bringen. In etwa 70 Metern Höhe wird die Sojus ein Wendemanöver in Richtung Osten beginnen. Die Flugbahn wird im Laufe des Flugs dann immer flacher. Um einen stabilen Orbit zu erreichen, muss die Rakete zum einen möglichst schnell die dichten Luftschichten der Erde verlassen, und zum anderen - noch wichtiger - eine hohe Geschwindigkeit um die Erde erreichen. Nach Brennschluss der Fregat-Oberstufe haben Oberstufe und der darauf befestigte Satellit eine Geschwindigkeit von über 9000 Meter pro Sekunde. Etwa fünf Minuten später wird dann der Satellit abgesetzt.

In diesem Jahr sollen insgesamt 13 europäische Träger gestartet werden: davon siebenmal die Ariane 5, dreimal die Vega und die Sojus zweimal. Unter anderem wird die Ariane 5 vier weitere Galileo-Satelliten ins All bringen.

Bis zum nächsten Start!

Weiterführende Informationen:

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Über den Autor

Philip Kausche hat an der TU Berlin Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Nach seiner Promotion wechselte er im Jahr 2015 innerhalb des DLR von Berlin-Charlottenburg nach Bonn-Oberkassel in die Abteilung Trägersysteme des Raumfahrtmanagements. Seitdem betreut er dort u.a. als Projektmanager das Programm zur Nutzungsphase des europäischen Schwerlastträgers Ariane 5. zur Autorenseite

Kommentare

3 Kommentare | RSS-Feed Kommentare
Siegfried König
27. Januar 2017 um 11:58 Uhr

Lieber Herr Kausche,
Die Grube wird nicht zum Inferno, weil der Boden der Grube eine ahrbare Plattform ist, die vor dem Start unter den Starttisch gerollt wird. Beim ersten Start in Wostotschny wurde die Trennwand zum Abgasschacht abgerissen.
Mit freundlichen Grüßen
Siegfried König

Philip Kausche | www.dlr.de/rd
27. Januar 2017 um 13:41 Uhr

Lieber Herr König,
natürlich haben Sie Recht, dass die (Arbeits-)Plattform vor dem Start entfernt wird, damit der Abgasstrahl weggeführt werden kann. Ob man die Grube nun noch als Grube oder als Schacht bezeichnet, darüber könnte man sicher diskutieren. Nichtsdestotrotz entsteht in der Grube - oder in dem Schacht - eine Umgebung, in der man sich während des Starts lieber nicht aufhalten sollte.

Beste Grüße und ein schönes Wochenende,
Philip Kausche

Andreas R | issposition.com
17. Februar 2017 um 05:24 Uhr

Ob Grube oder Schacht, darüber braucht man wahrscheinlich nicht zu diskutieren... trotzdem ein interessanter Beitrag, Danke!
Liebe Grüße Andreas

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