Risiko- und Vulnerabilitätsabschätzung urbaner Räume
Bevölkerungsschätzung im Stadtteil Zeytinburnu, Istanbul |
| |
Risiko stellt etwas Zukünftiges dar, und beinhaltet daher Unsicherheit. Risikomanagement beschäftigt sich mit den Prognosen zu erwartender Naturgefahren. Um sich angemessen auf potentielle Katastrophen vorzubereiten, ist die Erzeugung einer substantiellen, aktuellen und flächendeckenden Informationsbasis essentiell. Risiko das Zusammenspiel einer Naturgefahr mit der Vulnerabilität eines Systems dar. Fernerkundung kann räumliche Informationen zur Einschätzung beider Teilkomponenten beisteuern.
Auf der Gefahrenseite ermöglicht beispielsweise ein digitales Oberflächenmodell basierend auf Daten der ‚Shuttle Radar Topography Mission’ die räumliche Abschätzung von besonders gefährdeten Gebieten. Orographische Informationen erlauben eine erste Einschätzung der gefährdeten Gebiete, sei es die Abschätzung von Überflutungsflächen basierend auf Höheninformationen oder sei es beispielweise die Abschätzung hangrutschungsgefährdeter Gebiete mittels einer Hangneigungskarte.
Auf der Vulnerabilitätsseite ermöglicht das hoch detaillierte Stadtmodell, räumliche Muster urbaner Vulnerabilität eines potentiell gefährdeten Systems abzuleiten. Die Gebäudedichte spiegelt die raumbezogene Quantität potentiell gefährdeter Strukturen wider. Die Lokalisierung von Freiflächen und deren Dimension stellt eine Informationsbasis für potentielle sichere Gebiete oder Flächen für Hilfsmaßnahmen dar. Zusätzlich unterstützt die Extrahierung der Hauptverkehrsachsen aus der Landbedeckungsklassifikation die Einschätzung von Zugänglichkeiten.
Des Weiteren können Fernerkundungsresultate mittels interdisziplinärer Methoden einen Mehrwert erfahren. Synergetischen Nutzen bringt die Analyse der physischen Gebäudestrukturen, abgeleitet aus Fernerkundungsdaten mit Methoden des Bauingenieurwesens. So kann mittels der Kapazitäts-Spektrum-Methode zu erwartender Schaden an Gebäuden in Bezug auf simulierte Erdbebeneinwirkungen abgeschätzt werden. Das hoch detaillierte Wissen über die urbane Morphologie ermöglicht indirekt unter Zuhilfenahme von Zusatzdaten über Bevölkerung die Einwohnerverteilung genauestens abzuschätzen. In Kombination mit dem Wissen über Landnutzung wird sogar die dynamische raumzeitliche Abschätzung der Bevölkerung innerhalb des urbanen Raumes möglich.
Dieses präzise Wissen erlaubt die Analyse von Populationsströmen, Einzugsgebieten, die Lokalisierung von raumzeitlichen Bevölkerungsmustern, die Abschätzung von benötigten Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen oder aber auch im Katastrophenfall die quantitative Einschätzung von potentieller Gegenmaßnahmen. Kurz zusammengefasst, die vielfältigen Ansätze ermöglichen aktuelle und in ihrer Dimension richtige Informationen für Entscheidungsträger.