News Archiv 2005

ESA-Ministerrat berät in Berlin über die Zukunft der europäischen Raumfahrt

25/11/2005

Luftaufnahme - Berlin, Reichstag und Kanzleramt
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Europäische Weltraumkonferenz am 5. und 6. Dezember 2005 im Auswärtigen Amt

Am 5. und 6. Dezember 2005 tagt der Ministerrat der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Berlin. Der ESA-Ministerrat kommt regelmäßig alle drei bis vier Jahre zusammen, um Grundsatzentscheidungen für die gemeinsame europäische Raumfahrtpolitik zu treffen. Der ESA-Ministerrat ist das wichtigste und höchste Entscheidungsgremium für die europäische Raumfahrt.

Da Deutschland derzeit mit Herrn Michael Glos, dem neuen Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, den Ministerratsvorsitz innehat, treffen sich in diesem Jahr die Minister und Delegierten aus den 17 Mitgliedstaaten der ESA und aus Kanada sowie Beobachter aus weiteren europäischen Ländern in der Bundeshauptstadt. Tagungsort ist das Konferenzzentrum des Auswärtigen Amtes. Zu Beginn der Konferenz wird turnusmäßig ein neuer Vorsitzender gewählt. Hierfür ist der niederländische Wirtschaftsminister und stellvertretende Premier Minister Laurens Jan Brinkhorst vorgeschlagen, der zu Beginn der Konferenz gewählt werden soll. Er wird dann den Ministerrat leiten.

 Berlin aus 4.600 Meter Höhe
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Deutschland stellt mit dem Vorsitzenden des Vorstandes des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Prof. Dr. Sigmar Wittig, auch den Vorsitz des ESA-Rates. Er trifft die programmatischen und finanziellen Entscheidungen für die europäische Weltraumpolitik und kontrolliert die Geschäfte der ESA.

Die fachliche Beratung der deutschen Delegation unter Vorsitz des Bundesministers Michael Glos erfolgt durch die Raumfahrt-Agentur des DLR. Dr. Ludwig Baumgarten ist das zuständige Vorstandsmitglied des DLR für die Raumfahrt-Agentur und derzeitiger Leiter der deutschen ESA-Ratsdelegation.

 

Wichtige strategische und politische Grundsatzentscheidungen für die europäische Raumfahrt

Drei strategische Themen stehen bei den Beratungen im Vordergrund:

  • Bei ihrer Langfristplanung will die ESA bis zum Jahre 2015 verstärkt auf wissenschaftliche Entdeckungen und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie setzen. Alle wissenschaftlichen und technologischen Vorhaben sollen hieran gemessen werden.
  • Bei den Trägersystemen soll sichergestellt werden, dass der strategisch wichtige autonome Zugang zum Weltraum gewahrt wird. Dies erfordert eine Abstimmung über die künftig bevorzugte Nutzung der europäischen Systeme, insbesondere der Ariane 5 und der russischen Mittellastrakete Sojus von Kourou aus.
  • Außerdem wird ein Entschluss über die Weiterentwicklung der ESA in dem sich wandelnden politischen Umfeld erwartet. Hier geht es neben den Beziehungen zur EU und der Einbindung der neuen EU-Beitrittsländer auch um eine effizientere interne Struktur der Weltraumorganisation.
    Ferner steht eine Reihe von Programmbeschlüssen an.

Stärkung von Wissenschaft und Industrie - Deutschland mit Frankreich größte europäische Weltraumnation

Venus Express
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Wesentliches Ziel der Konferenz ist es, die ESA-Programme auf hohem Niveau fortzuführen. Sie setzen wichtige Impulse für Forschung, Technologie und Innovation. Damit wird die ESA auch weiterhin einen starken Beitrag zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit Europas leisten. Deutschland beteiligt sich an den herausragenden wissenschaftlichen und technologischen Vorhaben, die anspruchsvolle Herausforderungen für die deutschen Forscher und Ingenieure bieten. Deutschland bleibt mit Frankreich die größte europäische Weltraumnation. So zahlte Deutschland 2004 rund 590 Millionen Euro in das gemeinsame Programm, das entspricht 22 Prozent aller Beiträge.

Stabilität im Wissenschaftsprogramm - Deutschland behält Führungsrolle

Das Wissenschaftsprogramm der ESA kann als deren Flaggschiff bezeichnet werden. Es ist das größte Programm der ESA, an dem sich alle Mitgliedstaaten beteiligen. 24 Missionen wurden während der 30-jährigen Geschichte der ESA erfolgreich auf ihren Weg ins All geschickt.

Am Wissenschaftsprogramm und dem allgemeinen Haushalt der ESA müssen sich alle Mitglieder beteiligen. Sie werden turnusgemäß für weitere fünf Jahre auf Basis von Einstimmigkeit beschlossen. Die Grundlage für den jährlichen Beitrag ist die wirtschaftliche Kraft der Mitglieder (Bruttosozialproduktschlüssel). Deutschland bezahlt jeweils 21,85 Prozent für die beiden Bereiche. In der Vergangenheit waren dies auch schon einmal 24 Prozent.

Der ESA-Haushalt umfasst die Verwaltungs- und Stabskosten, die Infrastruktur der Standorte sowie vorbereitende Studien- und Technologieprogramme. Für ihn wird von den ESA-Mitgliedern eine nominal konstante Fortschreibung angestrebt. Beim Wissenschaftsprogramm hingegen ist Deutschland offen für eine begrenzte Inflationsanpassung, um seine Führungsrolle behaupten zu können.

Weiterhin großes deutsches Engagement in der Erderkundung

 Die Trägerrakete Ariane 5 ECA
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Von besonderer Bedeutung für Deutschland ist die Erdbeobachtung. Erderkundung heißt, aus der Ferne das Ökosystem Erde genauer zu beobachten und zu analysieren. Letztlich dient diese Analyse der Daseinsvorsorge. Sowohl die gemeinsame Initiative zur Umwelt- und Sicherheitspolitik von ESA und EU (GMES – Global Monitoring for Environment and Security) als auch das Programm der ESA zur Erdbeobachtung bilden forschungs- und industriepolitische Schwerpunkte der Bundesregierung. Deutschland ist hier zu 25 bzw. 22 Prozent beteiligt.

Auf dem Ministerrat in Berlin sollen die Mitgliedstaaten die Fortschreibung des Programms (EOEP-3) für den Zeitraum 2008 bis 2012 zeichnen. Deutschland bleibt hierbei der größte und wichtigste Partner in der europäischen Erderkundung.

Europas autonomer Zugang zum Weltraum - Fortentwicklung der europäischen Trägerkapazität

Deutschland drängt auf die wirtschaftliche Nutzung der europäischen Trägersysteme, insbesondere vor dem Hintergrund eines größer werdenden internationalen Marktes. Für Europa ist der gesicherte Zugang zum Weltraum mit einem eigenen Träger von größter strategischer Bedeutung. Nur hierdurch kann Europa ungehindert und unabhängig von anderen Weltraummächten das All in so wichtigen Bereichen wie der Erdbeobachtung, Meteorologie, Aufklärung, Kommunikation und Navigation nutzen. Erst durch den unabhängigen Zugang zum Weltraum ist es Europa möglich, in diesen Zukunftstechnologien eine Vorreiterrolle zu spielen.

Um dieses Ziel zu erreichen, beteiligt sich Deutschland in großem Umfang am Programm der Ariane 5, Europas leistungsfähigster Trägerrakete. Deutschland beteiligt sich weiterhin an dem künftigen Start des russischen Trägers Sojus vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou / Französisch Guyana und dem Vorbereitungsprogramm für eine zukünftige europäische Schwerlastrakete.

Internationale Raumstation ISS - Forschung in der Schwerelosigkeit

 ATV auf dem Weg zur ISS
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16 Nationen betreiben derzeit ein gemeinsames Großforschungslabor im Weltall, die Internationale Raumstation ISS. Es ist das größte wissenschaftlich-technische Projekt in der Geschichte der Menschheit. Seit dem "Erstbezug" am 31. Oktober 2000 forschen Astronauten auf der ISS, darunter auch mit exzellenten Experimenten aus Deutschland. ISS-Partner sind die USA, Russland, Mitgliedstaaten der ESA, Kanada sowie Japan.

Durch den Ausfall des amerikanischen Space Shuttle hat sich der Aufbau der ISS verzögert. Angesichts der noch immer bestehenden Unwägbarkeiten drängt Deutschland als europäischer Programmführer auf eine Begrenzung der Kosten. So wurden wegen der zeitlich reduzierten Nutzung für die Raumstation (Ende der Shuttleflüge voraussichtlich 2010) zwei Starts des in Europa entwickelten Automatisierten Transferfahrzeuges ATV eingespart. Im Rahmen des ESA-Programms ist Deutschland zu 41 Prozent am Aufbau, zu etwa 38 Prozent an den europäischen Betriebskosten der ISS beteiligt.

Auch das allgemeine Programm zur Forschung in Schwerelosigkeit soll in Berlin fortgeschrieben werden. Es bildet den Schwerpunkt der europäischen Nutzung der Internationalen Raumstation ISS. Mit ihm sollen die europäischen Investitionen in die Raumstation umgesetzt werden in konkrete Ergebnisse der Grundlagen- und angewandten Forschung.

Die Mikrogravitationsforschung ist ein Bereich, in dem deutsche Wissenschaftler exzellent sind, und der auch weiterhin stark von deutscher Seite gefördert wird. Neben einem starken nationalen Engagement hat Deutschland einen großen Anteil am europäischen Programm.

Telekommunikation - Grundlage der modernen Informations- und Wissensgesellschaft

Die Mission ExoMars
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Die Nutzung des Erdorbits für die Informationsverteilung ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden: Ein Drittel aller deutschen Haushalte empfängt ihr Fernsehprogramm über Satellit; Satellitenkommunikation ist eingebunden in den high-speed Datentransport des World Wide Web; über Satellit halten wir Kontakt zu deutschen Sicherheitskräften in Krisengebieten und übermitteln wichtige Planungsdaten. Telekommunikation gehört wesentlich zu einer modernen Infrastruktur, welche die Voraussetzung für die heutige Informations- und Wissensgesellschaft ist.

Die Programme der Europäischen Weltraumorganisation ESA tragen entscheidend dazu bei, dass Europa über neueste Technologien für die Satellitenkommunikation verfügt. Neben seinen nationalen Vorhaben trägt Deutschland bisher 7,7 Prozent des Kommunikationsprogramms der ESA.

Auf der Suche nach Lebensspuren im All - Das Explorationsprogramm der ESA

In Berlin wird über die Initiative der ESA zur Exploration des Sonnensystems (AURORA) verhandelt. Das Programm enthält drei Elemente:

  • Die Mission ExoMars mit Landestation, Rover und Tiefenbohrer. ExoMars ist auf die Suche nach Leben auf und unter der Oberfläche des Mars sowie die geophysikalische Charakterisierung unseres Nachbarplaneten ausgerichtet. Deutschland kann zu dieser Mission herausragendes wissenschaftliches und industrielles Know-how beisteuern. Daher wird sich die deutsche Beteiligung an AURORA auch auf diese Mission konzentrieren.
  • Ein technisches Kernprogramm zur Vorbereitung künftiger Missionen.
  • Das bemannte Transportsystem Clipper, das gemeinsam mit Russland realisiert werden könnte.

Die genauen künftigen deutschen Programmbeteiligungen werden sich in Höhe und prozentualem Umfang auf der Konferenz von Berlin entscheiden.


Kontakt
Dr. Niklas Reinke
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Raumfahrtmanagement
, Raumfahrt-Strategie und Programmatik
Tel: +49 228 447-394

Fax: +49 228 447-386

E-Mail: Niklas.Reinke@dlr.de
Eduard Müller
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Redaktion Print

Tel: +49 2203 601-2805

Fax: +49 2203 601-3249

E-Mail: Eduard.Mueller@dlr.de
Andreas Schütz
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Geschäftsführung Berlin-Adlershof
, Kommunikation
Tel: +49 30 67055-130

Fax: +49 30 67055-120

E-Mail: Andreas.Schuetz@dlr.de
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Satellitengestütztes Umwelt- und Sicherheitssystem GMES "Flaggschiff" der künftigen Raumfahrtaktivitäten der EU (http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/tabid-11/129_read-2336/usetemplate-print/)
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ESA-Erderkundungsprogr. (http://www.dlr.de/Portaldata/1/Resources/portal_news/NewsArchiv2005/Erdbeobachtung.pdf)
GMES (http://www.dlr.de/Portaldata/1/Resources/portal_news/NewsArchiv2005/GMES.pdf)
Europäisches Trägerprogr (http://www.dlr.de/Portaldata/1/Resources/portal_news/NewsArchiv2005/Trger.pdf)
Internationalen Raumstation (http://www.dlr.de/Portaldata/1/Resources/portal_news/NewsArchiv2005/ISS2.pdf)
Forschung in Schwerelosigkeit (http://www.dlr.de/Portaldata/1/Resources/portal_news/NewsArchiv2005/Micrograv2.pdf)
ESA-Telekommunikationspr. (http://www.dlr.de/Portaldata/1/Resources/portal_news/NewsArchiv2005/Telekommunikation2.pdf)
Weltraum-Exploration (http://www.dlr.de/Portaldata/1/Resources/portal_news/NewsArchiv2005/Exploration2.pdf)
Raumfahrtausstellung in Berlin (http://www.dlr.de/Portaldata/1/Resources/portal_news/NewsArchiv2005/raumfahrtausstellung_berlin.pdf)