SRTM+10: Gerhard Thieles Bordtagebuch

L-? (02.02.2000)

2. Februar 2010

Die Crew.
In der Nacht nach dem Startversuch habe ich wie ein Murmeltier geschlafen. Doch am fruehen Morgen, kurz nach 6 Uhr, werde ich durch ein sachtes Klopfen an Kevin's Tuer wach - Kevin's Zimmer liegt direkt neben meinem. Ich weiss, dass ich noch eineinhalb Stunden schlafen kann, ich weiss aber auch, dass dieses Klopfen etwas bedeutet. Also 'raus aus dem Bett.

Wir erfahren, dass NASA Manager beschlossen haben, die Elektronikbox, die mit ein Grund fuer unsere Startverschiebung gestern war, auswechseln zu lassen. Dom, Janice, Mamoru - unsere "blaue" Schicht - sind schon seit Mitternacht wach und kennen die Entscheidung seit ein paar Stunden. Janet ist ebenfalls geweckt worden. Wir versammeln uns im Konferenzraum, besprechen, wie der Tag heute ablaufen soll. Es wird ein Familientag.

Mit meinen Eltern mache ich unter strahlend blauem Himmel einen schoenen Strandspaziergang. Wir verabreden uns mit Freunden, die zum Start aus Deutschland angereist sind. Und meistens ueberwiegt die Freude ueber das bislang Erlebte und das unverhoffte Wiedersehen die Enttaeuschung ueber das entgangene Starterlebnis. Am naechsten Tag werden wir nach Houston zurueckfliegen und in den folgenden Tagen noch einmal einige Missionsabschnitte im Simulator durchspielen. Dann wieder sieben Tage Quarantaene. Ein Gutes hat die Startverschiebung ja: auf den Trick mit dem Shuttle Boarding Pass werde ich nicht mehr hereinfallen.

Da dies ein Bordtagebuch und kein Bodentagebuch sein soll verabschiede ich mich, bis es heisst: L-1 zum Dritten. Heisst das auch L-1 zum Letzten? 
 


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