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SRTM+10: Gerhard Thieles Bordtagebuch

Landing day (22./23.02.2000)

23. Februar 2010

Die Endeavour im Landeanflug auf Cape Canaveral, Florida

"She sure was a wonderful ship"

Die "Endeavour" verwandelt sich wieder in ein Raumfahrzeug. In den vergangenen Tagen hatten Computer und wissenschaftliche Apparaturen das Bild bestimmt. Doch jetzt bereiten wir uns auf die Landung vor.

Im middeck sieht es aus wie in einem Bekleidungsgeschaeft. Unsere orangefarbenen Launch-and-Entry-Suits sind saeuberlich aufgereiht, Helme, Handschuhe und Schuhe schweben griffbereit. Janice und ich helfen der Crew beim Anlegen der Raumanzuege. Wir sind bereit fuer den Deorbit-Burn, die Bremszuendung.

Die Endeavour im Landeanflug auf Cape Canaveral, Florida.
Der Wiedereintritt in die Erdatmosphaere ist lauter als ich erwartet hatte. Es ist, als ob ein Flugzeug neben uns starten wollte und minutenlang mit vollem Schub auf der Startbahn stuende. Erst als heftiges Ruetteln - danke, Kevin, fuer die Vorwarnung! - anzeigt, dass wir unter die Schallmauer abgebremst haben, wird es leiser. Im middeck koennen wir den Landeanflug nicht sehen. Aber wir verfolgen gespannt die Stimmen im Cockpit und wissen genau wo wir sind: "10000 feet - runway in sight", "3000 feet - preflare", "2000 feet - arm the gear", "500 feet - gear down, please". Es ist wie im Simulator, es stimmt einfach alles. Das Aufsetzen auf die Landebahn merke ich kaum. "Wheelstop, Houston." Janice und ich schnallen uns von den Sitzen los. Beim Aufstehen merke ich, dass Erdschwerkraft tatsaechlich etwas mit Schwere zu tun hat. Wir stehen etwas unsicher auf den Beinen, irgendetwas zum Festhalten ist stets in Reichweite. Die ersten Gesichter winken durch das Fenster in der Ausstiegsluke zu uns herein. Es sind lachende Gesichter.

Wir kriechen durch die Ausstiegsluke, Haende strecken sich uns entgegen, helfen uns beim Aufrichten. Jemand reicht mir eine Wasserflasche, Schulterklopfen, Umarmen. "Congratulations", "Well done". Wir tauschen unsere schweren Launch-and-Entry-Suits gegen leichtere "flight suits". Beim anschliessenden Crew-Walkaround fuehle ich eine tiefe Verbundenheit mit unserer Raumfaehre Endeavour. She sure was a wonderful ship!

"Touchdown" am Kennedy Space Center.

Ein Bus bringt uns zurueck zum Astronaut Crew Quarter. Als sich die Tueren des Aufzuges im dritten Stock oeffnen, stehen unsere Familien da. Es ist ein Umarmen und Druecken, ein Lachen und Weinen und Nicht-mehr-loslassen-wollen.

Die ersten medizinischen Untersuchungen warten auf uns. Ich bin muede und moechte nur noch schlafen. Doch als wir endlich mit unseren Familien im Hotel angekommen sind, zieht es mich hinaus. Mit Karin mache ich noch bis weit nach Mitternacht einen Spaziergang am Strand. Ich merke keine Muedigkeit und keine unsicheren Beine. Wir schauen hinaus ueber den Atlantik, schwarze Wogen rollen unablaessig an den Strand. Der Himmel zieht sich zu, doch durch eine Wolkenluecke leuchtet uns ein Stern. Ich weiss, ich bin wieder auf der Erde.

 


Zuletzt geändert am: 22.02.2010 10:42:09 Uhr