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Geschichte des Standorts



 

 

Wenige Jahre nach den ersten erfolgreichen Flügen der heute legendären „Aviatiker“ auf dem Johannisthaler Flugfeld im Südosten Berlins war es notwendig geworden, die noch junge Flugkunst durch wissenschaftliche Forschungsarbeiten zu unterstützen. Zwar hatte Ludwig Prandtl im Jahr 1907 die Motorschiffstudiengesellschaft, eine der Vorgängerorganisationen des heutigen DLR, gegründet. Jedoch war das nicht die notwendige wissenschaftliche Begleitung des „Flugwesens“. Deshalb forderte Graf von Zeppelin auf einer Vorstandssitzung des Deutschen Museums am 28. September 1909 in München erstmals die Errichtung einer großangelegten Versuchsanstalt für die Förderung der Luftfahrt. (Bild: GBSL)

Video: Die Anfänge der Luftfahrt in Berlin

1909

 

 

 

 

 

 

Am 2. März 1910 beschloss der deutsche Reichstag die Gründung der Reichsanstalt für Luftschifffahrt und Flugtechnik. Zunächst in Friedrichshafen geplant, fiel die Entscheidung zu Gunsten des im September 1909 in Betrieb genommenen zweiten europäischen Motorflugplatzes in Berlin-Johannisthal. (Bild: GBSL)
1910

 

 

 

 

 

 

In der Zeit vom 10. bis 16. Mai 1910 fand in Berlin die internationale Flugwoche statt. Es war allerdings erst der 23.Mai 1911 an dem der Pilot Alfred Frey die Berliner mit einem Berlinrundflug beeindruckte. Er startete mit seinem Doppeldecker nach einem ersten Flug um 7:37 Uhr noch einmal, ohne sein Ziel bekanntzugeben. Sein Kurs führte zuerst zum Britzer Krankenhaus, dann zum Tempelhofer Feld, die Potsdamer Straße entlang zum Potsdamer Platz, über den Tiergarten zur Siegessäule, Reichstag, Brandenburger Tor, Unter den Linden, Schloss, Oberbaumbrücke zurück zum Startplatz. Die Nachricht von diesem Flug verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Hundertausende strömten auf die Straßen, die Polizei war machtlos, im Zentrum brach der Verkehr zusammen. Das bis dahin noch nie dagewesene Erscheinen eines Flugzeuges über dem Häusermeer der Großstadt ließ erstmalig die Möglichkeiten dieses neuen Technikzweiges erahnen. (Bild: GBSL)
1911

 

 

 

 

 

 

Im April 1912 wurde die Gründungsurkunde des Vereins „Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt“ (DVL) unterzeichnet. Die ersten drei wissenschaftlichen Abteilungen der DVL für Motoren und Flugzeuge sowie für die Physik des Fliegens wurden im Frühjahr 1913 eingerichtet. Jedoch musste die junge DVL ihre Aktivitäten mit Beginn des ersten Weltkrieges 1914 wieder einstellen und nahm diese erst 1922 wieder auf. Zu den ersten Aufgaben zählte die Musterprüfung von Luftfahrzeugen. Hierzu gehörte auch das weltweit erste Ganzmetall-Verkehrsflugzeug, die viersitzige Junkers F- 13. In den folgenden Jahren wurde die DVL weiter ausgebaut. Ein kleiner und ein großer Windkanal wurden aufgestellt sowie 1933 der Trudelwindkanal. (Bild: GBSL)
1922

 

 

 

 

 

 

Ab 1933 entstand auf dem Südteil des Flugplatzgeländes das Hauptgebäude der DVL, in dem sich die Direktion, die Verwaltung und technische Büros befanden, sowie weitere Laboratorien und Testeinrichtungen.

In der zweiten Hälfte der dreißigerJahre erfolgte ein weiterer Ausbau der DVL:

  • Flugzeugbau
  • Flugmotorenenbau
  • Angewandtes Fliegen
  • Verwaltung

Gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten. 1940 waren bereits mehr als 2.000 Mitarbeiter tätig. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges entstanden weitere Großversuchsanlagen. Dazu zählte ein Hochgeschwindigkeitswindkanal, der Trudelturm sowie der Niedergeschwindigkeitskanal.Von 1944 bis März 1945 verlegte man Teile der Adlershofer DVL-Anlagen und die zugehörigen Mitarbeiter in weniger gefährdet erscheinende Gegenden Deutschlands. So gelangten Teile von DVL-Instituten nach Braunschweig, München, Garmisch, Strass, Saulgau oder Travemünde. Der letzte Windkanaltest mit einer ARADO-Pfeilflügel fand am 24.März 1945 statt. (Bild: GBSL)

1933

 

 

 

 

 

 

Konrad Zuse und die DVL. Schon lange zeigte die DVL Interesse an rechnergestützten Untersuchungen in der Flugtechnik. Der damals noch unbekannte und heute als Pionier der Computerindustrie geltende Konrad Zuse hat bereits im Jahr 1938 seine erste elektro-mechanische Rechenanlage Z1 fertiggestellt. 1940 waren die Arbeiten an seiner zweiten Rechenmaschine, der Z2 beendet, mit der er das Interesse von Professor Teichmann erweckte, der bei der DVL in Berlin beschäftigt war. Teichmann erhoffte sich mit Hilfe einer solchen Maschine die Probleme des Flügelflatterns, deren Analyse für damalige Verhältnisse viel Rechenaufwand erforderte, besser untersuchen zu können.

Zuse erhielt von der DVL den Auftrag, eine programmierbare Rechenmaschine zu konstruieren und konnte 1941 mit einer Hand voll Wissenschaftlern die vollautomatische, programmgesteuerte und frei programmierbare Rechenanlage Z3 präsentieren. Im weiteren Verlauf seiner Tätigkeit bei der DVL entwickelte Zuse ab 1942 die verbesserte Z4, doch die Arbeit in Berlin wurde wegen der schwierigen Kriegsverhältnisse abgebrochen und Zuse flüchtete mit seiner nahezu fertigen Z4 aus Berlin. 1950 konnte die Z4 mit einigen Verbesserungen in der ETH Zürich aufgestellt werden.(Bild: Konrad Zuse Archiv)

1941

 

 

 

 

 

 

Mit Ende des 2. Weltkrieges, am 19. April 1945, musste die DVL ihre Arbeiten in Berlin-Adlershof beenden. Die vorhandenen technischen Anlagen wurden zu großen Teilen demontiert und im Rahmen von Reparationsleistungen in die Sowjetunion gebracht. (Bild: GBSL)
1945

 

 

 

 

 

 

Im Frühjahr 1950 zog das erste Akademie-Institut in Adlershof ein, das Heinrich Hertz-Institut für Schwingungsforschung (HHI). Es folgten weitere Institute und wissenschaftliche Einrichtungen, die sich nach und nach ansiedelten bzw. neu gründeten (Bild: GBSL):

  • Institut für anorganische Chemie mit dem Arbeitsbvereich Mineralsalzforschung
  • Labor für Kunststoffe
  • Institut für Optik und Feinmechanik (ab 1957 Institut für Optik und Spektroskopie)
  • Institut für Kristallphysik
  • Institut für organische Chemie
  • Arbeitsgruppe Kristallstrukturanalyse
1950

 

 

 

 

 

 

Zu einem Wahrzeichen des Adlershofer Forschungszentrums wurde das im Jahr 1958 fertiggestellte 36-m-Radioteleskop. Dieses seinerzeit zweitgrößte Instrument Europas diente der Durchmusterung unserer Galaxis nach Radiostrahlungsquellen, bei 54cm Wellenlänge, wozu es nur einer Schwenkmöglichkeit der Teleskopschale in der Meridianebene bedurfte (sogenanntes Passageinstrument). (Bild: GBSL)
1958

 

 

 

 

 

 

  Von besonderer Bedeutung war die Zusammenarbeit der AdW der DDR mit der UdSSR im Rahmen des 1967 unterzeichneten Interkosmosprogramms, einem Abkommen auf Regierungsebene. Aus den mit der Raumforschung befassten Struktureinheiten des Heinrich-Hertz-Instituts wurde 1972 zunächst eine selbstständige Forschungsstelle für kosmische Elektronik und 1973 dann das Institut für Elektronik gebildtet. Dieses neue Institut erhielt die Federführung in der Kosmosforschung. DDR-Forscher waren von 1969 bis 1975 an den erfolgreichen Starts der künstlichen Erdsatelliten „Interkosmos“ 1 bis 4, an zwei Großraketen mit Vertikalbahnen und an vier meteorologischen Raketen beiteiligt.
In diesem Zusammenhang entwickelte der wissenschaftliche Gerätebau der DDR Bordapparaturen, die nicht nur den spezifischen Anforderungen des Kosmosprogramms genügten, sondern auch allgemeinen Kriterien eines fortschrittlichen Apparatebaus entsprachen. Zu diesen Bordgeräten gehörten das Infrarot-Fourier-Spektrometer (IFS) zur Fernerkundung der Atmosphäre und die Multispektralkamera MKF-6 zur Fernerkundung der Erde.
1967

 

 

 

 

 

 

Die Multispektralkamera MKF-6, die 1967 im Raumschiff „Sojus22“ eingesetzt wurde, lieferte bei 260 km Flughöhe Bilder, auf denen Objekte der Größe zehn Meter mal zehn Meter auf der Erdoberfläche gut zu erkennen waren. Damit war es, neben Anwendungsfeldern in Wasser- und Landwirtschaft sowie in Geologie und Bergbau möglich, geometrisch genaue kleinmaßstabliche Karten im Bereich des staatlichen Vermessungswesens weitaus rationeller als mit herkömmlichen Methoden zu erstellen.
Hohe praktische Bedeutung hatte auch das im Wettersatelliten „Meteor 25“ eingesetzte Infrarot-Fourier-Spektrometer für die Messung der Temparaturverteilung über dem Atlantik, aus der sich Wetterprognosen für den mitteleuropäischen Raum ableiten ließen. (Bild: DLR)
1976

 

 

 

 

 

 

Die Wurzeln des 1981 gegründeten Institutes für Kosmosforschung (IKF) gehen bis in die 1960er Jahre zurück; über das Heinrich-Hertz-Institut, dessen Gründung eng mit der Beteiligung am Interkosmos-Programm verbunden war, die Forschungsstelle für kosmische Elektronik und das Institut für Elektronik. Das wissenschaftliche Profil des IKF wurde durch Grundlagen- und angewandte Forschung sowie technische Entwicklungen zur Nutzung der Raumfahrt bestimmt. Die Forschungsschwerpunkte lagen auf den Gebieten der Fernerkundung der Erde und der Extraterrestrik sowie der Materialforschung unter Weltraumbedingungen.

Zusätzlich zu den vorhandenen wissenschaftlichen Einrichtungen wurden im IKF die technischen Möglichkeiten zur Simulation von Weltraumbedingungen geschaffen. Damit konnten die für den Einsatz im Weltraum vorgesehenen Geräte und Anlagen nicht nur in Adlershof entwickelt und gefertigt, sondern auch für den Einsatz im Weltraum getestet und qualifiziert werden. (Bild: GBSL)

Missionen und Projekte am IKF

  • Venera
  • Phobos
  • Höhenforschung/Atmosphärenforschung
1981

 

 

 

 

 

 

Das DLR kehrt an seine Wurzeln zurück. Sechs Monate nach den politischen Veränderungen in der DDR, am 20. April 1990, unterzeichnete das DLR mit dem IKF eine Vereinbarung, deren Ziel es war, die Forschungsarbeiten beider Einrichtungen aufeinander abzustimmen. Dies bezog sich seitens des IKF vor allem auf die Extraterrestrische Physik und die spektrometrische Fernerkundung, aber auch auf die Entwicklung optoelektronischer Sensorsysteme und die Entwicklung sowie die Prüfung von Nutzlasten für sowjetische Forschungsraketen. Zusätzlich in den Vertrag wurde der Ausbau und Betrieb der Satellitenbodenstation in Neustrelitz aufgenommen. Das wissenschaftliche und technische Know-How sowie die Kompetenz des ehemaligen IKF konnten damit erhalten werden und wurden in die neuen Strukturen der gesamtdeutschen Forschungslandschaft eingebracht. (Bild: DLR)

Video: Der DLR Standort Berlin-Adlershof

1990

 

 

 

 

 

 

Am 1. Januar 1992 entstanden am Standort Berlin-Adlershof die beiden neuen DLR-Institute für Weltraumsensorik und Planetenerkundung. Nach strukturellen Veränderungen arbeiten heute am Standort Berlin-Adlershof die Institute für Planetenforschung und Verkehrsforschung sowie die Einrichtung für Optische Informationssysteme des Institutes für Robotik und Mechatronik und eine Abteilung für Gewässerfernerkundung des Institutes für Methodik der Fernerkundung. Zum Standort gehören ebenfalls die Außenstellen in Berlin-Charlottenburg mit der Abteilung für Turbulenzforschung des Kölner Institutes für Strömungsmechanik und in Neustrelitz, wo in den Bereichen Kommunikation und Navigation sowie in der Erdbeobachtung geforscht wird. Seit 2008 ist Neustrelitz ein eigenständiger Standort des DLR. (Bild: DLR)

Video: Standort Neustrelitz

Video: Berlin-Charlottenburg

1992

 

 

 

 

 

 

Heute ist das DLR in Berlin-Adlershof an allen namhaften Missionen beteiligt, deren Weg durch unser Sonnensystem führt; Cassini-Huygens zum Saturn und Galileo zum Jupiter mit seinen Monden sowie die Kometenmission Rosetta und Corot, die Suche nach extrasolaren Planeten. Mit der HRSC-Kamera auf MarsExpress stellt das DLR in Berlin-Adslershof einen entscheidenden Anteil am wissenschaftlichen Programm der Mission zum Roten Planeten. Der im Oktober 2001 in die Erdumlaufbahn gebrachte „fliegende Feuermelder“ und Technologieträger BIRD, ist der erste Infrarot-Satellit zur Feuerdetektion aus dem All. Jedoch sind die Adlershofer Wissenschaftler nicht nur an der Planung und Vorbereitung von Weltraummissionen beteiligt, sondern auch an der Durchführung und der Auswertung der wissenschaftlichen Ergebnisse. (Bild: DLR)
2005

 

 

 

 


Zuletzt geändert am: 24.02.2011 08:48:04 Uhr
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