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News-Archiv Oberpfaffenhofen

Nachwuchs für die Fernerkundung: Prof. Dech lädt wissenschaftlichen Nachwuchs nach Oberpfaffenhofen ein

4. Februar 2011

Seit mehr als zehn Jahren lädt Prof. Stefan Dech, Direktor des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums (DFD) in Oberpfaffenhofen und Ordinarius des Lehrstuhls für Fernerkundung am Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg, im Rahmen seiner Vorlesungsreihe an der Würzburger Universität regelmäßig Studenten nach Oberpfaffenhofen ein.

 Nachwuchs für die Fernerkundung: Studierende der Universitäten Würzburg und Bayreuth
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130 Studierende der Universitäten Würzburg und Bayreuth besuchten am 21. Januar 2011 das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen und informierten sich dort über aktuelle Forschungsthemen und -projekte. Im Rahmen dieser Veranstaltung gab uns Prof. Dech einen Einblick in seinen Arbeitsbereich:

Herr Professor Dech, was bedeutet für Sie Nachwuchsförderung?

Prof. Dech: Sehr viel. Erstens macht es mir einen Riesenspaß, mit jungen Leuten zu arbeiten und mich für sie einzusetzen. Und zweitens macht es mir unser faszinierendes Fach leicht. Denn die Fernerkundung ist in der Geographie mittlerweile eine der wichtigsten Teildisziplinen zur Erfassung von flächendeckenden Parametern des Systems Erde. Und umso wichtiger ist es, engagierte junge Menschen zu begeistern und frühzeitig mit dem DLR – und natürlich mit dem DFD – bekannt zu machen.

Sie haben Ihren Gästen heute einen Einblick in die Aktivitäten Ihres Instituts gegeben. Welche Themen haben die Studenten besonders interessiert?

 Satellitenkarte des Mekong-Deltas
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Prof. Dech: In der Vorlesung werden alle Grundlagen der Fernerkundung vermittelt: Physikalische Gesetze, Technologien und Anwendungen von optischen und Radar-Systemen, Techniken der Datenverarbeitung und Vieles mehr. Beim Besuch in Oberpfaffenhofen lege ich dann den Schwerpunkt auf anwendungsnahe Projekte. Diesmal zum Beispiel wurde die Entwicklung eines Geoinformationssystems im Mekong-Delta in Vietnam und Projekte zum Monitoring des urbanen Raums sowie zu Klimafragestellungen vorgestellt. Das Interesse war besonders hoch bei der Diskussion zum Abschmelzen des Inlandeises, zur Frage der globalen Klimaerwärmung und zur zukünftigen Energieversorgung.

Wie viele Diplomanden und Doktoranden sind aktuell am DFD bzw. an Ihrem Lehrstuhl beschäftigt?

Prof. Dech: Alleine am Lehrstuhl in Würzburg arbeiten ca. 30 Mitarbeiter, die eng mit dem DFD in Projekten zusammenarbeiten. Die meisten Kollegen promovieren im Rahmen der Projekte, engagieren sich aber auch in der Lehre. Und im DFD sind weitere gut 20 Wissenschaftler mit ihrer Promotion betraut. Parallel haben wir pro Jahr sicher 30-40 Diplomanden und Praktikanten. Das ist schon eine Menge. Aber wir investieren sehr gerne Zeit und Energie in den Nachwuchs. Das hält auch die erfahrenen Mitarbeiter jung.

Leisten die Studenten schon während ihres Studiums Beiträge zu laufenden Projekten?

Prof. Dech: Am Lehrstuhl als wissenschaftliche Hilfskräfte oder als Praktikant im DFD "on the job". So kann man früh Einblick bekommen in die Aufgaben und Herausforderungen des späteren Berufsfelds als Wissenschaftler in der Fernerkundung.

Wird hier bereits Talent und Potential deutlich, das man dann auch gerne für das Institut gewinnen und behalten möchte?

 Prof. Stefan Dech
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Prof. Dech: Ja sicher. Das ist ja unser Ziel. Man merkt recht schnell, welche Studenten besonders interessiert und talentiert sind. Wir schauen schon genau hin und sprechen die Besten an, motivieren sie schon während der Diplom- oder Masterarbeit, an eine Promotion zu denken oder in einem Projekt weiterzuarbeiten. Und einige werden schließlich Doktorand und machen auch Karriere im DFD oder anderswo im DLR.

Wie viele Fernerkundungsabsolventen aus Würzburg wurden bisher im DFD eingestellt?

Prof. Dech: Sicher um die 20 Wissenschaftler. Drei davon sind heute bereits erfolgreiche Arbeitsgruppenleiter im DFD und tragen Projekt- und Personalverantwortung. Eine Entwicklung, die ich natürlich mit großer Freude beobachte.

Sie begeistern Ihre Studenten mit dem Studienfach Fernerkundung. Motivieren die zum Teil humanitären Themen Ihres Instituts (z. B. satellitengestützte Hilfe bei Umwelt- und Naturgefahren) die Studenten besonders, sich mit dem Thema Fernerkundung zu beschäftigen und eventuell einmal DFD-Mitarbeiter zu werden?

Prof. Dech: Ja, das kann man sicher sagen. Es ist einfach eine große Trumpfkarte, dass wir mit unseren Verfahren auch Menschen in Not helfen können – zum Beispiel im ZKI (Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation) mit der Notfallkartierung nach Naturkatastrophen – oder durch die Entwicklung von Umwelt- und Kriseninformationssystemen. Aber auch das Erforschen der Konsequenzen des Globalen Wandels fasziniert die jungen Leute. 

Sie sind nicht nur Wissenschaftler und Institutsdirektor, sondern auch Dozent. Was möchten Sie Ihren Studenten mitgeben: fachlich und auch darüber hinaus?

 Fernerkundung: wertvolle Informationen über die Erdoberfläche
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Prof. Dech: Fachlich geht es mir darum, zu vermitteln, dass die Fernerkundung als quantitative Geoinformationstechnik unverzichtbar ist, wenn es gilt, die Erde in Ihrer Gänze oder auch auf regionaler Ebene zu beobachten. Festzustellen, was passiert, was die Ursachen sind und was die Folgen sein werden, wenn keine adäquaten Handlungen erfolgen. Nur durch die Fernerkundung ist die Erde als Ganzes in das Bewusstsein der Menschen gerückt. Heute müssen wir aber den Transfer von singulären wissenschaftlichen Pilotprojekten in eine nachfragegestützte und nachhaltige Anwendung bewerkstelligen. Über das Fachliche hinaus würde ich sagen: Seid offen, neugierig und kritisch. Schaut nach links und rechts und macht das, was Euch eine Herzensangelegenheit ist. Dann werdet ihr nicht nur erfolgreich im Beruf sein, sondern auch Spaß haben und andere faszinieren können.

Herr Prof. Dech, herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Die Exkursion nach Oberpfaffenhofen fand im Rahmen von Lehrveranstaltungen im laufenden Wintersemester statt. Zwischen dem Lehrstuhl für Fernerkundung am Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg und dem DFD besteht seit 2001 eine institutionelle Kooperation: Studierende des Fachbereichs Geographie an der Universität Würzburg und des Studiengangs "Global Change Ecology" im Rahmen des bayerischen Elitenetzwerkes an der Universität Bayreuth haben die Möglichkeit, schon frühzeitig Einblicke in die Verfahren, Techniken und Arbeitsabläufe der Fernerkundung am DFD zu bekommen.


Kontakt
Ulrike Markwitz
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Kommunikation, Oberpfaffenhofen

Tel.: +49 8153 28-1851


Prof. Dr. Stefan Dech
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

Earth Observation Center (EOC)
Deutsches Fernerkundungsdatenzentrum
, Leitung DFD
Tel.: +49 8153 28-2885

Fax: +49 8153 28-3444


Zuletzt geändert am: 04.02.2011 10:23:17 Uhr