Neuer Turbinenprüfstand soll DLR Göttingen internationale Spitzenposition sichern
12. Juni 2009
Turbine
Die Abteilung Turbine des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen beginnt im Herbst 2009 mit dem Bau eines neuen Turbinenprüfstandes, in dem Flugzeugturbinen in Originalgröße und unter realistischen Einsatzbedingungen getestet werden können. Mit dem neuen Prüfstand strebt das DLR eine internationale Spitzenposition in der Forschung und Entwicklung der nächsten Turbinengeneration an.
Das Land Niedersachsen beteiligt sich an der Finanzierung des 9,5 Millionen Euro teuren Turbinenprüfstandes mit 2,5 Millionen Euro. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler (FDP) hat am Freitag, 12. Juni 2009, im DLR-Standort Göttingen den Förderbescheid an den Vorstandsvorsitzenden des DLR, Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich Wörner, überreicht.
Vom Geschäftsflieger bis zum A380-Großflugzeug
"Der neue Turbinenprüfstand wird zu den international leistungsstärksten Testeinrichtungen für Flugzeugturbinen zählen", sagte Wörner. Der Prüfstand soll in der Lage sein, die Turbinen moderner Flugzeuge vom Geschäftsflieger bis zum A380-Großflugzeug zu untersuchen. Ziel ist die Entwicklung umweltfreundlicher und kostengünstiger Flugzeugtriebwerke. Die Turbine ist eine der Hauptkomponenten von Flugtriebwerken. Der neue Prüfstand wird es erlauben, Flugzeugturbinen in Originalgröße bei der richtigen Machzahl und den richtigen Lufteigenschaften zu betreiben. Das bedeutet, dass der Zustand beim späteren Einsatz im Triebwerk realistisch simuliert werden kann.
"Die Triebwerksforschung leistet einen wichtigen Beitrag zum Luftfahrtstandort Niedersachsen", so Rösler. "Sie sichert so High-Tech-Arbeitsplätze, insbesondere auch in der Region Göttingen. Das ist ein klares Bekenntnis für den Standort und für die südniedersächsische Wissenschaftsregion insgesamt."
Auszeichnen wird den neuen Prüfstand unter anderem die Luftmenge, die durch die Turbine strömen kann, der sogenannte Volumenstrom. Dieser wird gegenüber dem existierenden Prüfstand vervierfacht, um Turbinen realistischer testen zu können. Zudem wird das Druckverhältnis doppelt so hoch wie in der bestehenden Anlage ausfallen und damit höher als in fast allen vergleichbaren modernen Anlagen. Schließlich soll der neue Prüfstand mit einem sogenannten Brennkammersimulator ausgestattet werden. Dieser soll die Vorgänge bei der Kerosinverbrennung in einem Triebwerk realitätsnah abbilden können.
Über Flugtriebwerke hinaus hat der Prüfstand auch Bedeutung für Kraftwerke, da die dort eingesetzten stationären Gasturbinen technisch gesehen die nächsten Verwandten der Flugzeugtriebwerke sind.
Rolls-Royce und MTU als Kunden
Zurzeit betreibt die Abteilung Turbine des DLR-Instituts für Antriebstechnik in Göttingen einen Turbinenprüfstand, der 1971 erstmals in Betrieb ging. In diesem Prüfstand lassen die Triebwerkshersteller MTU und Rolls-Royce ihre Turbinen untersuchen. Weitere industrielle Auftraggeber sind unter anderen Siemens und Honda. Bedingt durch die Fortschritte in der Turbinenentwicklung der letzten Jahre wird dieser Prüfstand in Zukunft nicht mehr allen Anforderungen gerecht werden können.
Das DLR ist das Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt. Im DLR-Standort Göttingen sind 380 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - hauptsächlich in der Luftfahrtforschung - tätig.