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News-Archiv

Der Weltraumbahnhof Baikonur

20. Dezember 2004

Mitten in der kasachischen Steppe - Baikonur. Das ehemalige Bergarbeiterstädtchen liegt an der Bahnstation Tjuratam, ganz in der Nähe des Weltraumbahnhofs gleichen Namens am Fluss Syr-Darja. Heute eine Stadt, in der die Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler des Kosmodroms mit ihren Familien leben. Zu den aktivsten Zeiten lebten und arbeiteten dort 150.000 Menschen, heute sollen es noch rund 50.000 sein. 2.100 Kilometer südöstlich von Moskau gelegen ist das Kosmodrom mit seinen 6.717 Quadratkilometer eine Legende und der größte Weltraumbahnhof der Welt; die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 75 Kilometer, von Ost nach West 90 Kilometer.

 Aufrichten der Sojus U-Rakete
zum Bild Aufrichten der Sojus U-Rakete

Sputnik 1, Gagarin, die russischen Raumstationen, tausende Missionen bis hin zur ISS, alles nahm hier seinen Anfang. Nach dem Beschluss des sowjetischen Ministerrates am 12. Februar 1955 ein Kosmodrom in der kasachischen Steppe zu bauen, ging es am 2. Juni 1955 los, und der erste Start einer Interkontinentalrakete vom Typ R7 erfolgte am 21. August 1957. Am 4. Oktober 1957 begann das Raumfahrtzeitalter mit Sputnik 1. Weitere Satelliten folgten im November 1957 und im Mai 1958. Der erste bemannte Start fand am 12. April 1961 statt, Juri Gagarin. Um diese Starts sicherzustellen war mehr als nur ein Startplatz notwendig. Neben dem Startplatz 31 entstanden die Integrationshallen, ein Kontrollzentrum und weitere wissenschaftliche Einrichtungen.

1964 begannen die Bauarbeiten für die Anlagen zur Montage und zum Start der russischen Mondrakete N1. Nach fünf Fehlschlägen wurde dieses Programm eingestellt. Der russischen Mutterrakete R7 folgte am 16. Juni 1965 die Schwerlastrakete Proton an den Startplätzen 81 und 200. Mit dieser Rakete wurden die russischen Raumstationen Salyut und MIR sowie die Planetenmissionen zum Mond, zur Venus und zum Mars gestartet. Mit den Trägerraketen Zyklon, 1967, Startplatz 90, und Zenit, Anfang der 80er Jahre, Startplatz 42, wurde das Kosmodrom weiter ausgebaut. Das russische Transporterprogramm Energija/Buran war dann auch das größte Ausbauprogramm des Kosmodroms. Neben der Landebahn für den Buran entstanden weitere sechs riesige Einrichtungen. Für die Energija-Rakete wurde ein integrierter Test- und Startplatz errichtet, Nr. 250. Hier erfolgte auch der erste Start am 15. Mai 1987. Die Weltraumtaufe für das Gesamtsystem Energija/Buran fand am 15. November 1988 statt. Mit dem Start des ersten Bauteils der Internationalen Raumstation ISS, dem Sarja-Modul (Functional Payload Block), begann ein neues Kapitel.

Startbereite Sojus U-Rakete
zum Bild Startbereite Sojus U-Rakete

In den letzten Jahrzehnten entstanden in der kasachischen Steppe neun Startkomplexe mit insgesamt 15 Startplätzen. Dazu gehören elf Integrations- und Testhallen zur Startvorbereitung der Trägerraketen und Nutzlasten sowie drei Betankungsstationen und zwei Flugplätze.

Für die russischen Betreiber liegt das Kosmodrom im Ausland und zur Einreise benötigt der Besucher ein Visum. Kasachstan als selbstständiger Staat hat nach dem Ende der Sowjetunion sehr schnell erkannt, wie wichtig diese Geldquelle ist. Anfänglich wollten die Kasachen 7 Miliarden US Dollar jährliche Miete, nach langen Verhandlungen einigte man sich auf 115 Millionen US-Dollar. Im Zusammenhang mit Raketenabstürzen wurden von kasachischer Seite Startverbote ausgesprochen oder einfach nur der Strom abgeschaltet. Anfang 2003 einigten sich die Parteien auf eine Verlängerung des Nutzungsvertrages, denn Kasachstan sieht auch mit der potenziellen Beteiligung am Raumfahrtprogramm Russlands die Möglichkeit, selbst zu einer Weltraumnation zu werden.

Startkomplex Sojus

Der Soyuz-Startkomplex ist der traditionsreichste in Baikonur. Die spektakulärsten Starts in der Raumfahrtgeschichte fanden hier statt. Vom ersten Abheben einer Interkontinentalrakete, über Sputnik 1 und Gagarin bis hin zu den Flügen der Mars- und Venusmissionen. Auf den zwei Startplätzen, der erste erbaut 1957, der zweite 1961, können pro Jahr bis zu 24 Raketen gestartet werden. Die auf 100 Hektar verteilten Anlagen weisen auch unter den extremen klimatischen Bedingungen Kasachstans eine hohe Operationalität auf.


Erstellt am: 20.12.2004 16:00:00 Uhr