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Fliegender Wechsel - DLR kauft Airbus A320 und setzt Erneuerung seiner Forschungsflugzeugflotte fort

12. Juni 2006

 Der 'neue' Airbus A320 des DLR
zum Bild Der "neue" Airbus A320 des DLR

Köln/Braunschweig - Heute wurde der neue Airbus A320 des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf dem Forschungsflughafen Braunschweig der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dem Kauf einer solchen gebrauchten A320 (Bj. 1997) setzt das DLR konsequent die Erneuerung seiner zivilen Flotte von Forschungsflugzeugen fort.

"Die A320 soll in rund zwei Jahren den mehr als 30 Jahre alten Forschungsflieger 'ATTAS' - die letzte noch fliegende VFW 614 - des DLR ablösen", so Prof. Dr. Sigmar Wittig, Vorstandsvorsitzender des DLR. Dafür wird die A320 auf die speziellen Anforderungen eines Forschungsflugzeuges umgerüstet.

Die Erneuerung der Flotte von Forschungsflugzeugen ist weit vorangeschritten: 2005 hatte das DLR für die Klimaforschung eine Gulfstream V erworben - als Nachfolgerin seiner mehr als 25 Jahre alten Falcon; bereits 2001 wurde der weltweit modernste Hubschrauber, der Eurocopter EC135 "FHS", in Dienst gestellt. Damit ist der "Generationswechsel" im DLR - von betagten zu modernen Forschungsflugzeugen - einen entscheidenden Schritt vorangetrieben worden. "Deutschland setzt ein deutliches Zeichen für Innovation und Exzellenz und festigt nachhaltig seine in Europa führende Position in der Luftfahrtforschung", so Wittig weiter.

Gesamtkompetenz für das Luftfahrttransportsystem

Ablösung: DLR-Forschungsflugzeuge A320 und VFW 614 'ATTAS'
zum Bild Ablösung: DLR-Forschungsflugzeuge A320 und VFW 614 "ATTAS"

Der "neue" Airbus A320 des DLR wird ein unverzichtbarer Bestandteil der deutschen und europäischen Luftfahrtfor-schung werden. Das neue Forschungsflugzeug wird helfen, die drängenden Forschungsaufgaben der Zukunft für einen umweltverträglichen und effizienten Luftverkehr zu bearbeiten: Ziel ist es, trotz steigender Anzahl an Flugbewegungen den Treibstoffverbrauch und die Lärm- und Schadstoffemissionen zu senken und gleichzeitig die Kapazität der Flughäfen und Luftstraßen und das Sicherheitsniveau zu erhöhen.

Zunächst wird die Passagiermaschine für zwei Jahre bei Airbus zu einem Flugversuchsträger umgebaut und in Kooperationsprojekten gemeinsam genutzt. Konkret geplante erste DLR-Missionen ab 2008 umfassen zum einen die Erprobung lärmarmer An- und Abflugverfahren und die Integration umfangreicher Lärm reduzierender Maßnahmen, um dieses neue Forschungsflugzeug zu einem "Quiet Aircraft Demonstrator" auszubauen. Zum anderen werden neuartige Displays im Rahmen der HMI-Forschung (Human-Machine-Interface) erprobt und die Wirbelschleppenforschung intensiviert. Auch die Entwicklung neuartiger Flugversuchstechnik zur Messung z.B. der Flügelverwindung und der Umströmung des Flügels mittels Laser wird in der ersten Phase vorangetrieben werden.

Etwas weiter in der Zukunft liegen Forschungsmissionen zur Erprobung von aktiver Strömungskontrolle, neuartigen Hochauftriebshilfen und Flugsteuerungskonzepten. Eine weitere Aufgabe ist die Integration der nächsten Triebwerksgeneration: Die Effizienzsteigerung neuer Triebwerke bedingt größere Triebwerksdurchmesser, die zunehmend zu Integrationsproblemen der Triebwerke unter dem Flügel führen.

Die Nutzung des neuen Flugzeugs entspringt einem gemeinsamen Interesse des DLR und seiner Kooperationspartner an einer nachhaltigen Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung für das "Flugzeug von Morgen". Die A320 wird nicht nur die akademische, sondern auch die industrielle Forschung stärken. Die meisten Vertreter der deutschen und europäischen Luftfahrt-, Triebwerks- und Zulieferindustrie, u.a. EADS, Airbus, Rolls-Royce, MTU, Liebherr und Diehl, haben bereits im Vorfeld ihr Nutzungsinteresse an dem neuen DLR-Flugversuchsträger bekundet.

Zudem wird das Flugzeug jetzt schon umfangreich in die Projektplanung für das 4. Luftfahrtforschungsprogramm der Bundesregierung eingebracht; es ist zudem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie als Plattform in der geplanten Joint Technology Initiative Clean Sky im 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Kommission (Budget: 800 Millionen Euro) vorgeschlagen.

Mit dem Airbus A320 kommt das DLR dem selbst gesetzten Ziel der Forschungskompetenz für das gesamte Lufttransportsystem einen entscheidenden Schritt näher. Parallel zur Umrüstung der A 320 beginnt die Schulung der DLR-Piloten auf den neuen Typ. Sie dürfte Ende 2006 abgeschlossen sein. Ab 2008 wird der Airbus am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg stationiert werden und der "fliegende Wechsel" von ATTAS auf den Nachfolger erfolgen.

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100 Jahre deutsche Luftfahrtforschung

Luftfahrtforschung hat in Deutschland eine fast 100-jährige Tradition. Mit seinen Forschungsinstituten, der Beteiligung an den Deutsch-Niederländischen Windkanälen (DNW) und am Europäischen Transsonischen Windkanal (ETW) sowie seiner Flotte von Forschungsflugzeugen besitzt das DLR von allen Einrichtungen in Europa die umfassendste Kompetenz auf dem Gebiet des Lufttransportsystems. Die DLR-Forschung zum Lufttransportsystem umfasst dabei die land- und luftseitigen Operationen am Flughafen, das Luftfahrzeug als hoch-komplexes System und letztlich die Flugführungsaktivitäten.

Das DLR stellt sich der Herausforderung, den stark wachsenden Luftverkehr effizient, umweltfreundlich und nachhaltig zu gestalten. Das Technologieportfolio des DLR orientiert sich an den Zielen des europäischen Strategiepapiers "Vision 2020" und dem nationalen Pendant "Luftfahrt 2020". Die Hauptziele lauten:

  • Reduzierung der Kosten des Luftverkehrs um 30 Prozent
  • Steigerung der Sicherheit
  • Steigerung des europäischen Flugverkehrsaufkommens auf 16 Millionen Flüge pro Jahr
  • Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen um 50 Prozent und der Stickoxid-Emissionen um 80 Prozent
  • Reduktion des wahrgenommenen Lärms um 50 Prozent.

Das DLR im Überblick

Das DLR ist das Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt. Es bearbeitet darüber hinaus auch Themen in den Schwerpunkten Energie und Verkehr. Seine umfangreichen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sind in nationale und internationale Kooperationen eingebunden. Über die eigene Forschung hinaus ist das DLR als Raumfahrt-Agentur im Auftrag der Bundesregierung für die Planung und Umsetzung der deutschen Raumfahrtaktivitäten zuständig. Das DLR beschäftigt ca. 5.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, es unterhält 31 Institute bzw. Test- und Betriebseinrichtungen und ist an acht Standorten vertreten: Köln-Porz, Berlin-Adlershof, Bonn-Oberkassel, Braunschweig, Göttingen, Lampoldshausen, Oberpfaffenhofen und Stuttgart. Das DLR unterhält Außenbüros in Brüssel, Paris und Washington D.C.


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Erstellt am: 12.06.2006 11:00:00 Uhr