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News-Archiv Luftfahrt bis 2007

25 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen DLR und Deutscher Flugsicherung

5. Juli 2007

Nahezu 30.000 angehende Fluglotsen absolvierten den DLR-Eignungstest

In diesen Tagen schauen das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Deutsche Flugsicherung (DFS) auf ein bemerkenswertes Jubiläum: seit 25 Jahren führt die Abteilung Luft- und Raumfahrtpsychologie des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin in Hamburg die umfangreichen Tests zur Eignungsdiagnostik von Fluglotsen durch, fast 30.000 Bewerberinnen und Bewerber haben seitdem an diesem Qualifikationsverfahren teilgenommen.

 Test zur Eignungsdiagnostik von Fluglotsen
zum Bild Test zur Eignungsdiagnostik von Fluglotsen

Erstmals 1982 wurden luftfahrtpsychologische Testverfahren des DLR (damals DFVLR) zur Auswahl von operationellem Personal der Flugsicherung (damals Bundesanstalt für Flugsicherung, BFS) eingesetzt. Damit sollte der äußerst erfolgreiche Beitrag der deutschen Luftfahrtpsychologie bei der Auswahl von Piloten und Flugingenieuren der Deutschen Lufthansa auf die Belange der Flugsicherung übertragen werden, zumal die bis dahin eingesetzten eher allgemein-verwaltungsbezogenen Testverfahren nicht den gewünschten Erfolg gezeigt hatten.

Ausgehend von dem bestehenden Bestand an Testverfahren für fliegerische Berufe in der Abteilung für Luft- und Raumfahrtpsychologie legten die Wissenschaftler von vorneherein Wert auf die Neuentwicklung von flugsicherungsspezifischen Testverfahren, um die in Arbeitsanalysen nachgewiesenen Besonderheiten der Lotsentätigkeit im Auswahlverfahren abbilden zu können. Insbesondere Verfahren zur akustischen Informationsverarbeitung, zur Daueraufmerksamkeit und zur kognitiv ausgerichteten Mehrfacharbeit sind hier zu nennen. Mehr als 20 Testverfahren wurden so während der bisherigen Zusammenarbeit nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten entwickelt, umfassend erprobt und bei entsprechender Güte in das Auswahlverfahren integriert. Im Rahmen dieser zum Teil direkt durch die Flugsicherung beauftragten Arbeiten entstand eine Vielzahl von wissenschaftlichen Publikationen, darunter in Kooperation insbesondere mit der Universität Hamburg vier Dissertationen und 16 Diplomarbeiten.

In den 25 Jahren der Kooperation haben fast 30.000 Bewerberinnen und Bewerber (der Frauenanteil macht in den letzten Jahren nahezu die Hälfte aus) im Auftrag der Flugsicherung an der mehrtägigen Auswahluntersuchung für den Beruf des Fluglotsen in den Räumen des DLR in Hamburg teilgenommen. Dabei werden am Beginn gruppenspezifische Testverfahren zum Beispiel zur kognitiven Leistungsfähigkeit vorgegeben, danach apparative Testverfahren zur Erfassung der Mehrfacharbeitsleistung. Seit Mitte der 90er Jahre wird auch, damals weltweit erstmalig bei Luftfahrtberufen, das Verhalten und die Zusammenarbeit der Bewerber in Teamsituationen untersucht.

Anhand der Ergebnisse wird an jeder Auswahlstufe der Kreis der verbleibenden Bewerber mit Hilfe standardisierter Kriterien verkleinert, wobei grundsätzlich aktive Fluglotsen der DFS und Luftfahrtpsychologen des DLR immer gemeinsam über den Fortgang der Bewerbung entscheiden. Nach einer mündlichen Überprüfung der englischen Sprachkompetenz nach aktuellen ICAO-Erfordernissen bildet ein etwa einstündiges Interview durch die Auswahlkommission den Abschluss des Auswahlverfahrens. Unmittelbar anschließend wird die Entscheidung getroffen, dem Bewerber bekannt gegeben und erläutert. Gerade die Transparenz der Entscheidung wird von den Bewerbern als besonders positiv beschrieben. Ansonsten ist der Test für die Flugsicherung eines der umfangreichsten Auswahlverfahren, denen sich ein Abiturient heute unterziehen kann, im positiven Falle dauert die Untersuchung (inkl. Fliegerärztliche Untersuchung) derzeit fünf Tage. Eine Erfolgsquote von weniger als 10 Prozent zeigt, wie schwierig es ist, die umfangreichen Fähigkeitsanforderungen vollkommen zu erfüllen.

Nahezu 2.500 Bewerber zum Beruf des Fluglotsen haben bisher die Untersuchung erfolgreich absolviert, ein schriftliches Vertragsangebot als Nachwuchslotse erhalten und die mehrjährige Ausbildung angetreten. Alle seit 1982 eingestellten Fluglotsen haben somit das anspruchsvolle Auswahlverfahren beim DLR erfolgreich absolviert, sicherlich auch ein Beitrag zur besonderen Qualität und vor allem zur Sicherheit der Dienstleistung der DFS für den Luftverkehr.

Regelmäßig wird das gesamte Verfahren in umfangreichen Validitätsstudien hinsichtlich der Vorhersagegüte überprüft. Dabei schneidet das Verfahren gerade auch im internationalen Vergleich hervorragend ab. Dementsprechend sind Verfahren des DLR auch im internationalen Rahmen stark nachgefragt und beispielsweise Bestandteil eines computergestützten Testsystems für kleinere Mitgliedsstaaten von EUROCONTROL. 

Auch aktuell freut sich die Deutsche Flugsicherung über Bewerbungen von Abiturienten für die Fluglotsenausbildung.


Kontakt
Dr. Dietmar Heyland
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Technology Marketing

Tel.: +49 2203 601-2769


Erstellt am: 05.07.2007 15:00:00 Uhr