DLR Logo
  Home|Textversion|Impressum   English
  Sie sind hier: Home:ILA 2008
Willkommen zum DLR-Luft- und Raumfahrt-Ticker

DLR entwickelt Test für dynamische Vibrationsmessung – Einsatz auf dem Taxiway

29. Mai 2008

 Taxi Vibration Test am Modell einer Dornier Do 228
zum Bild Taxi Vibration Test am Modell einer Dornier Do 228

Vor dem Erstflug eines neuen Verkehrsflugzeugs haben die internationalen Zulassungsbehörden umfangreiche Tests zur aeroelastischen Stabilitätsanalyse, so genannte Standschwingungstests, vorgeschrieben. So hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit der französischen Luftfahrtforschungseinrichtung ONERA (Office National d'Études et de Recherches Aérospatiales) bereits wiederholt umfangreiche Standschwingungsversuche an unterschiedlichen Modellen der Airbus-Familie erfolgreich durchgeführt.

Diese Testreihen dienen in der Regel der Validierung bereits vorausgegangener, umfangreicher Computersimulationen. Hierbei steht vor allem die Erfassung von Schwingungsformen und –frequenzen wie zum Beispiel Flügelbiegung und –verdrehung (Torsion) im Mittelpunkt des Interesses der Wissenschaftler. Im Flug kann eine Überlagerung dieser Eigenschwingungsformen unter Umständen die gefürchteten Flattererscheinungen auslösen, die im äußersten Fall zum Bruch der Struktur führen können.

Diese stationären Testreihen sind allerdings ebenso aufwändig wie auch kostenintensiv, zudem können sie mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Vor diesem Hintergrund gewinnt das neue, vom DLR entwickelte TVT-Verfahren (Taxi Vibration Testing) eine besondere Bedeutung. Hierbei erfassen die Wissenschaftler ebenfalls wichtige Schwingungs- oder Vibrationsdaten, dies allerdings bereits beim vergleichsweise langsamen Rollen des Luftfahrzeugs über – die in den meisten Fällen unebenen – Rollbahnen, die so genannten Taxiways. Der Vorteil liegt im Wegfall einer größeren  Messausrüstung, wie sie für stationäre Schwingungstests unabdingbar ist. Durch die Unebenheiten der Taxiways erhalten die Wissenschaftler bereits wichtige Grundaussagen hinsichtlich der dynamischen Eigenschaften der Struktur beispielsweise durch Stöße und Nickschwingungen. Auf ihren Kontrollmonitoren können die Wissenschaftler somit zum Beispiel Schwingungsausschläge der Tragflügel erfassen und entsprechend bewerten. Ein weiterer Vorteil dieser TVT-Testmethode liegt in der Kombinationsmöglichkeit mit anderen Rolltests, beispielsweise für Fahrwerksuntersuchungen.

Erste Tests führte das DLR im Herbst 2007 am Forschungsflughafen Braunschweig mit dem Flugversuchsträger Dornier Do 228 durch. Für den Herbst diesen Jahres sind bereits entsprechende Rolltests mit ATRA (Advanced Testing Research Aircraft), dem größten DLR-Forschungsflugzeug vorgesehen, einem modifizierten Airbus A 320. 

Mit dem TVT stellt das DLR der Industrie ein neues und effizientes Testverfahren zur schnellen Identifizierung der strukturdynamischen Eigenschaften zur Verfügung, welches das Zulassungsverfahren künftiger Verkehrsflugzeuge spürbar beschleunigen könnte.


Erstellt am: 29.05.2008 12:10:00 Uhr