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Unbemannt fliegen – Forschungshelikopter ARTIS für zahlreiche Einsatzmöglichkeiten

30. Mai 2008

 Unbemannter Forschungshelikopter ARTIS
zum Bild Unbemannter Forschungshelikopter ARTIS

In letzter Zeit gewinnt der Einsatz unbemannter Fluggeräte (UAV – Unmanned Aerial Vehicle) zunehmend an Bedeutung, aufgrund zunehmend leistungsfähigerer Technologien haben sich Anwendungsmöglichkeiten für diese Fluggeräte spürbar erweitert. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) präsentiert auf der ILA in Berlin mit seinem unbemannten Hubschraubersystem ARTIS (Autonomous Rotorcraft Testbed for Intelligent Systems) einen wichtigen Beitrag zu diesem Forschungsgebiet. ARTIS ist ein Technologiedemonstrator und wird am DLR-Standort Braunschweig als Forschungshubschrauber eingesetzt.

Unbemannte Fluggeräte eignen sich insbesondere für Such – und Überwachungsaufgaben. Darüber hinaus sind Einsätze im Katastrophenfall, beispielsweise in kontaminierter Umwelt, eine weitere Option. Unverzichtbar für unbemannte Flüge ist ein leistungsfähiges, bildgestütztes Sensorsystem, welches dem an der Bodenstation verbliebenen "Piloten" alle Informationen zu punktgenauem Navigieren ermöglicht. Ein Joystick und Sprachsteuerung sind dabei wichtige Werkzeuge, die gerade auch für einen weitgehend ungeübten "Piloten" eine erhebliche Bedienungserleichterung darstellen. Leichtere Manöver sind anstelle des Joysticks auch mit einfach strukturierten Kommandos durchführbar. "ARTIS abheben" gibt beispielsweise den Befehl zum Start, "ARTIS fliege Steuerkurs zwo sieben null" ist eine präzise Steuervorgabe, und mit "ARTIS landen" setzt der Hubschrauber nach erfolgter Mission wieder auf.

Ein wichtiger Schritt zum autonomen Fliegen stellt ein neuartiges Kollisionsvermeidungssystem dar. Mit Hilfe einer Stereokameraanordnung erkennt der Hubschrauber auch unerwartete Hindernisse wie beispielsweise Masten, Kräne oder Hochspannungsleitungen. So kann der "Pilot" umgehend reagieren und die Hindernisse umfliegen. In einem weiteren Entwicklungsschritt planen die Wissenschaftler die Ausweitung des so genannten Autonomie-Levels, so dass der Hubschrauber erforderliche Ausweichmanöver selbst fliegen kann. Denkbar ist auch der Vorschlag mehrerer Alternativen, so dass der "Pilot" eine wichtige Entscheidungshilfe für die schnelle Auswahl eines Ausweichkurses erhält. Ein derartiges Kollisionsvermeidungssystem ist bei gegenwärtigen unbemannten Fluggeräten noch nicht vorhanden. Somit leistet das DLR einen wichtigen Entwicklungsschritt zur Optimierung unbemannter Fluggeräte, die auch bei der Industrie zunehmend auf Interesse stoßen. 

ARTIS ist mit zwei Bordrechnern und Datenlink, sowie darüber hinaus auch mit mehreren Sensoren ausgerüstet, beispielsweise einem GPS-System, einer Inertialplattform für die Navigation und einem Magnetometer ausgerüstet. Der 25 Kilogramm schwere Forschungshubschrauber wird von einem Miniatur-Turbinentriebwerk angetrieben und hat eine Flugdauer von rund 30 Minuten.


Erstellt am: 30.05.2008 11:30:00 Uhr