News-Archiv Köln

DLR-Aerogelbeton bei der 13. Betonkanuregatta

28. Juni 2011

 Studentin Lena Sichma beim Stapellauf der 'Ruhrpott II'
zum Bild Studentin Lena Sichma beim Stapellauf der "Ruhrpott II"

Studentinnen und Studenten der Universität Duisburg-Essen nahmen am 24. / 25. Juni 2011 in Magdeburg an einer außergewöhnlichen Sportveranstaltung teil: der 13. Betonkanu-Regatta. Unter der blauen Farbe des "Ruhrpott II" getauften Kanus versteckt sich extrem leichter und widerstandsfähiger Beton mit Aerogelgranulat des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Während andere Kanus bereits in den Vorläufen zerbrachen, kamen die Essener Studenten ohne unfreiwilliges Bad bis in die Zwischenläufe. Die TU Chemnitz beendete dann aber den Traum vom Einzug ins Finale. "Bei den Wendemanövern haben wir viel Zeit verloren und auch an unserer Paddeltechnik müssen wir bis 2013 noch arbeiten", zieht Jan-Eric Habersaat vom Institut für Massivbau der Universität Duisburg-Essen Bilanz.

 Bau des Kanus an der Universität Duisburg-Essen
zum Bild Bau des Kanus an der Universität Duisburg-Essen

Boote aus Beton?

Aus Beton wurden bereits in der Antike imposante Bauwerke errichtet, die noch nach rund 2000 Jahren stehen. Auch in der modernen Architektur ermöglicht Beton eine schnelle und stabile Konstruktion. – Dass ein Boot aus Beton tatsächlich schwimmt, ist hingegen schwer vorstellbar.

Die Idee, Boote aus Beton herzustellen, ist allerdings alles andere als neu. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts experimentierte der Franzose Joseph-Louis Lambot mit Booten aus eisenverstärktem Beton. Seitdem ist die Erfindung Lambots nie ganz in Vergessenheit geraten, der große Durchbruch blieb ihr aber verwehrt.

 Lena Sichma und Jennifer Schild bei der Regatta in Magdeburg
zum Bild Lena Sichma und Jennifer Schild bei der Regatta in Magdeburg

Mehr als nur ein sportlicher Wettstreit

In den USA entwickelte sich aus dieser Idee einen Wettbewerb, der neben der sportlichen Leistung auch die Konstruktionsweise der Boote honoriert. Seit 1986 messen sich auch in Deutschland alle zwei Jahre Studenten des Bauingenieurswesens und benachbarter Disziplinen bei der Betonkanu-Regatta.

Der Austragungsort der 13. Betonkanu-Regatta war in diesem Jahr der Salbker See II in Magdeburg, wo die Mannschaft der Uni Duisburg-Essen gegen rund 100 Teams anderer Hochschulen und Ausbildungsbetriebe antrat. Mit fünfeinhalb Metern Länge und 135 Kilogramm Gewicht bewegte sich die "Ruhrpott II" in der Mittelklasse. Herausragend war jedoch die Wandstärke von nur 0,8 Zentimetern, welche durch die Verbindung von Aerogelbeton mit einer Glasfaserarmierung erreicht wurde.

Ein ganz besonderer Werkstoff

Aerogelbeton - entwickelt von DLR-Wissenschaftler Prof. Lorenz Ratke - ist ein "Nebenprodukt" von Forschungsarbeiten, die am DLR-Instiut für Materialphysik im Weltraum durchgeführt werden. Die Mischung aus Zement, Gips oder einer Zement-Sandmischung mit einem Aerogelgranulat ist von hoher Festigkeit, zugleich leicht und gut zur Wärme- und Schalldämmung geeignet.

 Transparenter Aerogelblock aus Quarzglas
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Als Aerogele werden im Allgemeinen hochporöse Festkörper bezeichnet, deren Volumen zu 99,98 Prozent aus Poren besteht. Als Ausgangsmaterial für Aerogele dienen Silikate, Kunst- und Kohlenstoffe. Die Anwendungsgebiete sind vielfältig und reichen von der Verwendung als Baustoff- und Dämmmaterial, über pharmazeutische Nutzung, bis hin zum Einsatz in Elektrotechnik und Raumfahrt.

Für das nächste Rennen im Beton-Kanu haben sich die Studenten etwas vorgenommen und ihrem Kanu eine "Diät" verordnet: "Die Konstruktion und das Material haben sich bewährt, wir hätten die Wandstärke durchaus noch weiter reduzieren können. Beim nächsten Boot streben wir ein Gewicht von unter 100 Kilogramm an", sagt Jan-Eric Habersaat vom Institut für Massivbau der Universität Duisburg-Essen.


Kontakt
Michel Winand
Kommunikation, Köln

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.

Tel: +49 2203 601-2144

Fax: +49 2203 601-3249

E-Mail: Michel.Winand@dlr.de
Prof. Dr. Dr. h.c. Lorenz Ratke
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Institut für Werkstoff-Forschung
, Aerogele
Tel: +49 2203 601-2098

E-Mail: Lorenz.Ratke@dlr.de
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http://www.betonkanu-regatta.de/